Korallendreieck-Schutz durch Fischer-Kooperativen auf den Philippinen [Philippinen]
Die Morgensonne glitzert auf dem Wasser der Bucht von Nasipit, als die ersten Fischer ihre bangus-Käfige kontrollieren. Was sie heute ernten, ist mehr als nur Fisch – es ist das Ergebnis eines ungewöhnlichen Experiments. Hier, im Herzen des Korallendreiecks, dem artenreichsten Meeresgebiet der Welt, haben Fischer gelernt, ihre eigenen Schutzgebiete zu verwalten. Und sie verdienen damit mehr Geld als je zuvor.
*[Wusstest du? Das Korallendreieck erstreckt sich über 5,7 Millionen Quadratkilometer – halb so groß wie die USA. Hier leben 76 Prozent aller bekannten Korallenarten und 37 Prozent aller Riffische weltweit. Sechs Länder teilen sich dieses Unterwasserparadies: Indonesien, Malaysia, Papua-Neuguinea, Philippinen, Salomonen und Timor-Leste (Wikipedia 2024).]*
Eine Million Pesos aus dem Meer
Die Ata-atahon Fisherfolk Cooperative (A-FISHCOOP) auf den Philippinen hat Grund zum Feiern. Im März 2026 ernteten die 44 Mitglieder sechs Tonnen Milchfisch (bangus) aus ihrem gemeinsamen Käfig – und erzielten einen Bruttoertrag von über einer Million Philippinischer Pesos (etwa 16.000 Euro) (PIA 2026). Möglich wurde das durch ein Projekt des Bureau of Fisheries and Aquatic Resources (BFAR), das die Kooperative mit einem modernen HDPE-Käfig ausstattete.
„Dieser Erfolg zeigt, dass geeignete Aquakulturpraktiken dazu beitragen können, unsere Meeresumwelt zu schützen und gleichzeitig die Armut unserer Mitglieder zu verringern“, sagt Gemilu Cutas, Vorsitzende der Kooperative (PIA 2026). Trotz mehrerer Taifune während der Aufzuchtperiode hielt die Gemeinschaft durch – gestärkt durch Schulungen in Besatzdichte, Fütterungsmanagement und Bestandsüberwachung.
Besonders clever: Die Kooperative nutzt die Einnahmen als Puffer für schlechte Zeiten. Vivian Cerilles, eines der Mitglieder, erklärt: „Wir sind dem FishCoRe-Projekt sehr dankbar, denn obwohl die Sardinen-Schonzeit noch nicht begonnen hat, haben wir bereits Ersparnisse. Wenn die Schonzeit kommt, werden wir nicht kämpfen müssen“ (PIA 2026).
[Wusstest du? Die Philippinen sind das Zentrum des Korallendreiecks – hier ist die Artenvielfalt am höchsten. Die Verde Island Passage zwischen Batangas und Mindoro gilt als der „Amazonas der Ozeane“ mit der weltweit größten Dichte an Küstenfischen (urgewald 2025).]
Frauen pflanzen die Zukunft des Meeres
Nicht nur Männer profitieren von der neuen Meereswirtschaft. In der Bucht von Cabalian auf der Insel Leyte hat das Environmental Defense Fund gemeinsam mit der Frauenorganisation Juanas Lipanto Association eine Seetangfarm aufgebaut (Global EbA Fund 2026). 30 Frauen lernten, Seetang nachhaltig zu kultivieren – von der Wasserqualität über ökologische Produktion bis zur Geschäftsplanung. Heute betreiben sie die Farm eigenständig, verkaufen Setzlinge an das Fischereiministerium und verdienen ihr erstes eigenes Geld.
Parallel dazu entstand ein integrierter Küstenmanagementplan für die gesamte Region, entwickelt von einer Arbeitsgruppe aus Lokalregierung, Universitäten, Polizei und Gemeindevertretern. Die Botschaft ist klar: Wer die Natur schützt, sichert seine eigene Zukunft.
Das Wunder von Pangatalan
Die vielleicht beeindruckendste Geschichte kommt von der Insel Pangatalan in der Shark Fin Bay. Als der französische Entwickler Frédéric Tardieu und seine Frau Chris die Insel 2011 kauften, war das Meer leer. Dynamitfischerei hatte die Riffe zerstört, die Fischer fingen nichts mehr (Economist Impact 2025).
Tardieu gründete die Sulubaaï Environmental Foundation, richtete eine 50 Hektar große Schutzzone ein und begann mit künstlichen Riffen zu experimentieren. Die Ergebnisse übertrafen alle Erwartungen: Die Biomasse verdreifachte sich, die Biodiversität stieg um 31 Prozent. Arten, die verschwunden waren, kehrten zurück – der Napoleon-Lippfisch, Meeresschildkröten, sogar Dugongs (Economist Impact 2025).
Dante Jabelo, ein 38-jähriger Fischer, der früher ums Überleben kämpfte, ist heute zertifizierter Taucher und bewacht die Schutzgebiete. „Ich als Fischer bin so glücklich“, sagt er. Die Zackenbarsche und Schnapper sind größer als seit Jahren (Economist Impact 2025).
[Wusstest du? In den Gewässern von Pangatalan fotografierte Laurent Ballesta eine goldfarbene Pfeilschwanzkrabbe – ein Lebewesen, das seit 450 Millionen Jahren nahezu unverändert existiert. Sein Bild gewann den renommierten Wildlife Photographer of the Year Award.]
Ein Netzwerk wächst
Aus der anfänglichen Schutzzone wurde ein Netzwerk. Die Sea Academy, unterstützt vom Schweizer Uhrenhersteller Blancpain und der französischen Umweltschutzbehörde FFEM, expandiert weiter (FFEM 2025). 800 künstliche Riffe wurden installiert, jährlich 40.000 Jungfische ausgesetzt. Drei Dörfer haben sich angeschlossen, zwölf weitere Schutzgebiete sind geplant.
Die lokale Regierung hat zugestimmt, ein Forschungszentrum mit Platz für zehn Meereswissenschaftler zu errichten. Wissenschaftler aus Japan, Kalifornien und Europa werden die Wirkung der Schutzgebiete untersuchen. Das Modell funktioniert so gut, dass es als nationales Vorbild für die gesamten Philippinen dienen soll (FFEM 2025).
Bedrohung von außen
Doch der Erfolg ist nicht selbstverständlich. In der Verde Island Passage, dem artenreichsten Teil des Korallendreiecks, planen Konzerne den Bau von acht Flüssiggasterminals und acht Gaskraftwerken (urgewald 2025). Die Fischereigemeinden von Batangas fangen heute schon weniger Fisch als je zuvor. Sie fürchten, dass der fossile Ausbau ihre Existenzgrundlage endgültig zerstören wird.
Die deutsche Umweltorganisation urgewald hat gemeinsam mit philippinischen Partnern die Kampagne „Protect VIP“ gestartet, um europäische Banken und Investoren aus den Projekten herauszudrängen. Denn das Korallendreieck ist nicht nur ein Schatz – es ist auch ein Schlachtfeld zwischen Wirtschaft und Natur.
Ein Modell für die Welt
Was auf den Philippinen entsteht, ist mehr als lokaler Naturschutz. Es ist ein Modell, wie Menschen ihre eigenen Ressourcen verwalten können. Die Fischerkooperativen zeigen, dass Schutz und Nutzung kein Widerspruch sein müssen. Wer das Meer schützt, profitiert direkt davon.
Die Erfolge der Ata-atahon-Kooperative, der Frauen von Cabalian und der Gemeinden um Pangatalan beweisen: Wenn Fischer die Kontrolle über ihre Gewässer übernehmen, wenn sie in moderne Technik und Ausbildung investieren, wenn sie gemeinsam entscheiden, dann können sie mehr verdienen und gleichzeitig die Natur bewahren. Ein Modell, das Schule machen könnte – im ganzen Korallendreieck und darüber hinaus.
Quellen:
PIA (2026): BFAR boosts fisherfolk income, resilience as cooperative earns over P1M. Philippine Information Agency. Verfügbar unter: https://pia.gov.ph/news/bfar-boosts-fisherfolk-income-resilience-as-cooperative-earns-over-p1m/
Global EbA Fund (2026): Advancing ecosystem-based approaches for building climate resilience, livelihoods, and food security in the Coral Triangle Philippines. Verfügbar unter: https://globalebafund.org/project/advancing-ecosystem-based-approaches-for-building-climate-resilience-livelihoods-and-food-security-in-the-coral-triangle-philippines/
Economist Impact (2025): Defending the sea. Verfügbar unter: https://impact.economist.com/ocean/beyond-the-surface/articles/defending-the-sea
FFEM (2025): Protect and restore marine biodiversity, while supporting food security for coastal communities in the Philippines (SEA ACADEMY). Verfügbar unter: https://ffem.fr/en/projects/protect-and-restore-marine-biodiversity-while-supporting-food-security-coastal-communities
urgewald (2025): Protect VIP Kampagne – Den Amazonas der Ozeane schützen. Verfügbar unter: https://www.urgewald.org/kampagnen/protectvip
Wikipedia (2024): Korallendreieck. Verfügbar unter: https://www.feuerwehr-sasbach.de/wiki/Korallendreieck
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