Mangroven-Aufforstung nach Tsunami in Indonesien [Indonesien]

Als die Riesenwelle am 26. Dezember 2004 die Küsten Sumatras traf, starben innerhalb weniger Stunden über 130.000 Menschen allein in der indonesischen Provinz Aceh . Die Welle, ausgelöst durch das schwerste Erdbeben seit vierzig Jahren, zerstörte nicht nur Häuser und Existenzen – sie riss auch einen Großteil der Küstenwälder mit sich. Was zurückblieb, war Schlamm, Geröll und die Erkenntnis, dass die Natur der beste Schutzschild gewesen wäre.

[Wusstest du? Mangrovenwälder mit einer Dicke von 600 Metern bis einem Kilometer können bis zu 80 Prozent der Energie eines Tsunamis absorbieren – selbst bei einer Wellenhöhe von zehn Metern .]

Eine Katastrophe verändert das Denken

Vor dem Tsunami waren die Mangrovenwälder Indonesiens bereits stark dezimiert. Shrimpfarmen, Touristenresorts und Holzkohleproduktion hatten zwischen 1980 und 2000 etwa 1,5 Millionen Hektar Mangroven in den fünf am schwersten betroffenen Ländern verschwinden lassen – ein Viertel der gesamten Mangrovenfläche der Region . Die Zerstörung war legal oder illegal, aber sie geschah meist im Verborgenen, fernab der Augen der Behörden.

Nach der Flut änderte sich die Wahrnehmung schlagartig. Dorfbewohner berichteten, dass Orte mit intakten Mangroven deutlich weniger Schäden erlitten hatten. Satellitenbilder bestätigten später: Küstenabschnitte mit dichtem Baumbestand waren signifikant besser geschützt . „Es hat früher Jahre gedauert, Menschen davon zu überzeugen, dass Mangroven schützenswert sind“, sagt Vaithilingam Selvam vom M. S. Swaminathan Forschungsinstitut in Indien. „Heute ist es viel einfacher, weil die Menschen sie als Bioschild sehen“ .

Ein Netzwerk der Wiederherstellung

In den Monaten nach der Katastrophe begannen internationale Organisationen gemeinsam mit der indonesischen Regierung eines der größten Mangroven-Restaurationsprojekte der Welt. Das Green Coast Programme, koordiniert von Wetlands International und Oxfam Novib, pflanzte entlang der Küsten Acehs hunderttausende Setzlinge .

Das Besondere an diesem Projekt: Es setzte nicht auf Lohnarbeit, sondern auf Eigenverantwortung. Dorfgemeinschaften erhielten zinsgünstige Kredite, um kleine Geschäfte aufzubauen – Cafés, Fischerboote, Ziegenfarmen. Im Gegenzug verpflichteten sie sich, Mangroven zu pflanzen und zu pflegen. Nyoman Suryadiputra, damals technischer Direktor von Wetlands International, erklärt das Prinzip: „Wenn 75 Prozent der Setzlinge nach zwei Jahren noch leben, darf die Gemeinschaft das Geld behalten. Andernfalls muss ein Teil zurückgezahlt werden“ .

Die Methode war erfolgreich. Als die ausländischen Hilfsorganisationen Aceh fünf Jahre später verließen, liefen die meisten der mit den Krediten gegründeten Betriebe noch immer . Die Überlebensrate der gepflanzten Mangroven war hoch, weil die Menschen ein eigenes Interesse an ihrem Erhalt hatten.

*[Wusstest du? In Nord-Sumatra wurden seit 2011 insgesamt 10.000 Hektar Mangroven entlang 500 Kilometern Küste wiederhergestellt – von Banda Aceh im Norden bis Medan. Das Projekt läuft über 20 Jahre und verbindet Küstenschutz mit der Entwicklung nachhaltiger Einkommensquellen für die lokale Bevölkerung .]*

Lehren aus schwierigen Jahren

Nicht alle Pflanzaktionen waren erfolgreich. Viele Setzlinge, die kurz nach dem Tsunami in zu großer Eile gepflanzt wurden, starben ab – sie standen an den falschen Stellen oder wurden von nachtreibenden Trümmern zerstört . „Manchmal war die Standortwahl nicht gut, und es gab immer noch Trümmer, die die Setzlinge zerstörten“, sagt Faizal Parish, Direktor des Global Environment Centre .

Auch die wirtschaftlichen Verlockungen blieben eine Gefahr. In einigen Gebieten überzeugten Holzkohleproduzenten Grundstücksbesitzer mit Bargeld, die frisch gepflanzten Mangroven wieder zu roden. Andernorts wurden Flächen in intensive Fischteiche umgewandelt . Die indonesische Regierung reagierte: Subventionen für Aquakulturen in Mangrovengebieten wurden gestrichen, die Holzkohleproduktion massiv reduziert. Heute drohen Strafen für das Fällen von Mangroven .

Wissenschaft als Fundament

Parallel zu den Pflanzungen lief die Forschung an. Eine Studie an der Küste von Banda Aceh zehn Jahre nach dem Tsunami dokumentierte, wie sich die Wälder erholten . Wissenschaftler des Livelihoods Carbon Funds arbeiteten eng mit der lokalen NGO Yagasu zusammen, um geeignete Arten auszuwählen und die Erfolge zu messen . An der Küste von Majene zeigten Satellitenbilder, dass von 117 Kilometern Küstenlinie nur etwa elf Kilometer von Mangroven geschützt waren – ein alarmierender Befund .

Die Erkenntnis reifte, dass es nicht reicht, einfach irgendwelche Bäume zu pflanzen. Die Arten müssen stimmen, der Standort, die Begleitumstände. Sonneratia caseolaris, eine Pionierart, erwies sich als besonders widerstandsfähig. Auch die Mangrovenpalme Nypa fruticans erholte sich gut .

Neue Wege: Silvofischerei und Gemeindebeteiligung

In Labuhan Bajo auf der Insel Sumbawa geht die Organisation Penjaga Pulau (Wächter der Insel) einen Schritt weiter. Hier wird seit 2023 ein Silvofischerei-Projekt umgesetzt: Fünf Hektar Fläche, aufgeteilt in sechzig Prozent Mangroven und vierzig Prozent Fischteiche . Die Idee: Mangroven schützen die Küste und dienen gleichzeitig als Kinderstube für Fische, die in den Teichen gezüchtet werden.

Die Gemeindemitglieder wurden in Küstenüberwachung und Raumplanung geschult, eine Wetterstation liefert 48-Stunden-Vorhersagen. 3.330 Mangroven-Setzlinge wurden gepflanzt, die Überlebensrate liegt bei 90 Prozent. In den Teichen schwimmen inzwischen 30.000 Milchfische . Das Projekt wird vom UNDP-Klimainnovationsfonds unterstützt und könnte Modellcharakter für andere Küstendörfer entwickeln.

Eine persönliche Geschichte

Agus Halim war Umweltingenieur, als die Welle kam. Sie tötete seine Frau und seine beiden Kinder . Nach der Katastrophe half er der indonesischen Regierung, den ökologischen Wiederaufbau der Küsten zu koordinieren. „Mangroven sind sehr wichtig für den Schutz der Küstengebiete, weil sie Wellenenergie absorbieren können“, sagt er . Seine Arbeit war auch ein Weg, mit dem Verlust umzugehen.

Heute, mehr als zwanzig Jahre nach der Flut, sind weite Teile der Küsten Acehs wieder bewachsen. Die Mangroven stehen dichter als vor der Katastrophe, und die Menschen haben gelernt, dass ihr Schutz kein Luxus ist, sondern Überleben.


Quellen:

Livelihoods Funds (2024): Mangrove restoration: Successes and Challenges in North Sumatra & Aceh. Verfügbar unter: https://livelihoods.eu/mangrove-restoration-successes-and-challenges-in-north-sumatra-aceh/

Global Environment Centre (2005): Roots of Recovery – Nature Magazine Feature. Verfügbar unter: https://gec.org.my/news/roots-of-recovery/

UNDP Climate Change Adaptation (2025): In Indonesia, mangrove restoration is protecting the coastline against rising sea levels. Verfügbar unter: https://www.adaptation-undp.org/indonesia-mangrove-restoration-protecting-coastline-against-rising-sea-levels

Mangroves for the Future (2014): Ten years after the Tsunami, mangrove forests planted as coastal shield. Verfügbar unter: https://www.mangrovesforthefuture.org/news-and-media/news/asia-region/2014/ten-years-after-the-tsunami-mangrove-forests-planted-as-coastal-shield/

E3S Web of Conferences (2025): Analysis of Mangrove Density on the Coast of Majene. Verfügbar unter: https://www.e3s-conferences.org/articles/e3sconf/abs/2025/74/e3sconf_eic2025_03003/e3sconf_eic2025_03003.html

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