Wie du Jugendbeteiligung in deiner Stadt anstoßen kannst

Was du über Jugendbeteiligung wissen solltest

Jugendliche werden in der Stadtplanung oft vergessen – obwohl sie die öffentlichen Räume intensiv nutzen. Dabei gibt es viele gute Beispiele: Jugendräte, Zukunftswerkstätten, Planungsspaziergänge. In Rotterdam zeigt sich, dass Beteiligung nicht nur die Qualität der Projekte verbessert, sondern auch das Engagement der Jugendlichen stärkt.

In Deutschland gibt es ebenfalls erfolgreiche Modelle. In Freiburg gibt es einen Jugendgemeinderat mit 20 gewählten Mitgliedern, der ein festes Budget hat und bei allen Jugendthemen angehört werden muss. In Köln entscheiden Jugendliche über 50.000 Euro im Jahr mit. Und in vielen kleineren Städten entstehen gerade neue Formate.

*[Wusstest du? In Rotterdam leben Menschen aus über 170 Nationen. Etwa die Hälfte der unter 18-Jährigen hat einen Migrationshintergrund – eine enorme Ressource für die Stadtentwicklung. Das Programm „Rotterdam Jong“ legt besonderen Wert darauf, auch diese Stimmen zu hören.]*

Schritt-für-Schritt: Jugendbeteiligung organisieren

Materialien:

  • Eine Gruppe engagierter Jugendlicher

  • Kontakt zur Stadtverwaltung oder zum Jugendamt

  • Ein Konzept, was ihr erreichen wollt

  • Vielleicht eine Online-Umfrage

  • Geduld und Hartnäckigkeit

Los geht’s:

  1. Finde Verbündete: Sprich mit Freunden, Schulkameraden, Jugendgruppen. Gemeinsam könnt ihr mehr erreichen. Je vielfältiger die Gruppe, desto besser – Jugendliche aus verschiedenen Stadtteilen, mit unterschiedlichen Hintergründen, mit verschiedenen Ideen.

  2. Starte eine Online-Umfrage: Finde heraus, was Jugendliche in deiner Stadt vermissen – und wo sie Verbesserungsbedarf sehen. Nutze Google Forms, SurveyMonkey oder andere kostenlose Tools. Je mehr Daten du hast, desto besser kannst du argumentieren.

  3. Kontaktiere die Stadtverwaltung: Frage nach, ob es bereits Jugendbeteiligungsformate gibt. Oft sind die Verantwortlichen offen für neue Ideen – sie wissen nur nicht, wie sie Jugendliche erreichen sollen. Biete ein Treffen an, stell deine Ideen vor.

  4. Organisiere einen Planungsspaziergang: Geht mit Vertretern der Stadt durch euren Stadtteil und zeigt ihnen konkrete Probleme und Wünsche. „Hier fehlt ein Zebrastreifen“, „Hier wäre ein Basketballkorb gut“, „Hier ist es abends zu dunkel“ – konkrete Beispiele überzeugen mehr als allgemeine Forderungen.

  5. Nutzt soziale Medien: Macht euer Projekt bekannt. Instagram, TikTok, WhatsApp-Gruppen – überall könnt ihr Unterstützer finden. Zeigt, was ihr erreichen wollt, dokumentiert eure Erfolge, bleibt dran.

  6. Gründe einen Jugendrat: Fordert ein offizielles Gremium, das regelmäßig mit der Stadtverwaltung spricht und Vorschläge machen darf. Orientiert euch an erfolgreichen Modellen wie in Freiburg, Köln oder Rotterdam. Je konkreter eure Forderung, desto ernster werdet ihr genommen.

Was du beobachten wirst:

Am Anfang werdet ihr vielleicht belächelt. „Was wollen die Jugendlichen schon?“ – dieser Satz wird euch begegnen. Aber wenn ihr dranbleibt, werdet ihr merken, dass sich etwas bewegt. Vielleicht nicht sofort, vielleicht nicht auf Anhieb, aber Stück für Stück.

In Rotterdam hat die Beteiligung der Jugendlichen zu konkreten Veränderungen geführt: ein neuer Skatepark in Feijenoord, sicherere Schulwege, mehr Grünflächen. Eine Evaluation zeigte, dass Jugendliche, die an den Workshops teilgenommen hatten, sich stärker mit ihrer Stadt identifizierten und häufiger ehrenamtlich engagierten (Gemeente Rotterdam 2023).

[Wusstest du? In Rotterdam gibt es einen festen „Jongerenraad“ (Jugendrat), der die Stadtverwaltung in allen Fragen berät, die junge Menschen betreffen – von der Verkehrsplanung bis zur Gestaltung öffentlicher Räume.]

Warum das mehr ist als nur Hobby:

Die Jugendlichen von Rotterdam haben gezeigt, dass ihre Stimme zählt. Ein neuer Skatepark, sicherere Schulwege, mehr Grünflächen – all das wurde Realität, weil sie sich eingemischt haben. Sie haben nicht gewartet, bis Erwachsene ihre Probleme lösen. Sie haben selbst angefangen.

Für die Stadtverwaltung ist das Programm inzwischen unverzichtbar. „Wer die Stadt von morgen gestalten will, muss diejenigen fragen, die in ihr leben werden“, sagt die verantwortliche Stadträtin Chantal Zeegers. „Die Jugendlichen von heute sind die Bewohner von morgen – und sie haben klare Vorstellungen.“ (Gemeente Rotterdam 2024)

Deine Stadt wartet auf dich. Vielleicht ist es ein neuer Basketballplatz, den du forderst. Vielleicht eine bessere Busverbindung. Vielleicht ein Jugendtreff. Egal was – wenn du anfängst, wirst du merken, dass du nicht allein bist. Dass andere die gleichen Probleme sehen. Dass gemeinsam mehr geht.

Und eines Tages, wenn der neue Skateplatz eröffnet wird oder die Ampel endlich an der gefährlichen Kreuzung steht, wirst du sagen können: Da war ich dabei. Das haben wir geschafft.


Quellen (DIY):

Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (2025): Jugendbeteiligung in Kommunen – Handbuch für die Praxis. Verfügbar unter: https://www.dkjs.de/jugendbeteiligung

Servicestelle Jugendbeteiligung (2025): Jugendparlamente in Deutschland – Bestandsaufnahme und Tipps. Verfügbar unter: https://www.jugendbeteiligung.info

Gemeente Rotterdam (2023): Jongerenparticipatie in Rotterdam. Verfügbar unter: https://www.rotterdam.nl/jongerenparticipatie

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