Hitzeresistente Korallen für das Rote Meer in Saudi-Arabien [Saudi-Arabien]

Die Korallenriffe des Roten Meeres gehören zu den widerstandsfähigsten der Welt. Im Süden, nahe der saudi-arabischen Stadt Jazan, überleben sie Wassertemperaturen von bis zu 33,8 Grad Celsius – ein Wert, der anderswo zur Katastrophe führt. Wissenschaftler der King Abdullah University of Science and Technology (KAUST) nutzen diese natürliche Superkraft, um hitzeresistente Korallen zu züchten und damit Riffe weltweit zu retten. Ihr Werkzeug: assistierte Evolution (Barreto et al. 2023).

[Wusstest du? Das Rote Meer erstreckt sich über 18 Breitengrade. Die Wassertemperatur steigt von 27 Grad im Norden auf über 33 Grad im Süden – ein natürliches Labor für die Anpassung von Korallen an Hitze.]

Die Suche nach den Überlebenskünstlern

Die Meeresbiologin Marcelle Barreto und ihr Team sammelten Korallen der Art Porites lobata an drei Orten entlang der saudi-arabischen Küste: im kühleren Norden bei Duba (30,9 Grad), im zentralen Thuwal (32,5 Grad) und im heißen Süden bei Jazan (33,8 Grad). Sie brachten alle Kolonien an einen gemeinsamen Standort – eine Art „gemeinsamer Garten“ unter Wasser – und beobachteten, wie sie auf die Hitze reagierten (Barreto et al. 2023).

Das Ergebnis war eindeutig: Die Korallen aus dem Süden bleichten nicht aus, selbst bei Temperaturen, die ihre nördlichen Verwandten töteten. 65 Prozent der Kolonien aus Duba starben innerhalb weniger Wochen. Die Südländer hingegen überlebten – allerdings mit einer überraschenden Einschränkung. Auch sie erlitten eine Mortalität von 20 Prozent, obwohl sie keine Anzeichen von Bleiche zeigten (Barreto et al. 2023).

[Wusstest du? Porites lobata kann mehrere Jahrhunderte alt werden. Einzelne Kolonien wachsen nur wenige Millimeter pro Jahr – ein Korallenriff ist das Werk von Jahrtausenden.]

Die Grenzen der Umsiedlung

Professor Manuel Aranda, Leiter der Studie, erklärte: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass hitzeresistente Korallen ihre Toleranz auch in fremder Umgebung behalten. Aber sie sterben trotzdem – an anderen Faktoren, an die sie nicht angepasst sind.“ (Barreto et al. 2023) Die südlichen Korallen scheiterten nicht an der Hitze, sondern an lokalen Bedingungen: andere Nährstoffe, anderes Licht, andere Mikroben.

Diese Erkenntnis ist entscheidend für die Strategie der „assistierten Migration“. Einfach hitzeresistente Korallen in kühlere Regionen umzusiedeln, reicht nicht. Sie müssen auch an die lokalen Gegebenheiten angepasst sein.

Die Lösung: Züchtung statt Umsiedlung

Die KAUST-Forscher schlagen daher einen anderen Weg vor: die gezielte Kreuzung. In Laborexperimenten kreuzten sie Korallenlarven aus dem Roten Meer mit solchen aus dem noch heißeren Arabischen Golf. Die Nachkommen überlebten Hitzestress deutlich besser. Besonders erfolgreich waren Kreuzungen, bei denen der Vater aus einer wärmeren Region stammte (Barreto et al. 2023).

Manuel Aranda erklärt: „Durch gezielte Zucht können wir Nachkommen erzeugen, die sowohl hitzeresistent sind als auch lokale Anpassungen besitzen. Das ist der vielversprechendste Ansatz.“ (Barreto et al. 2023) Die nächsten Schritte sind Freilandversuche, um zu testen, ob sich diese Larven in natürlichen Riffen ansiedeln und dort überleben.


Quellen:

Barreto, M.M., Schmidt-Roach, S., Zhong, H. & Aranda, M. (2023): Assessing the feasibility of assisted migration of corals in the Red Sea. Frontiers in Marine Science, 10. Verfügbar unter: https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fmars.2023.1181456/full

Barreto, M.M. (2022): Assisted evolution as a tool to increase coral thermotolerance in the Red Sea. Dissertation, King Abdullah University of Science and Technology. Verfügbar unter: https://repository.kaust.edu.sa/items/a57a7595-729d-4428-a504-1fdc1b1a5efd

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