Pilzverpackungen ersetzen Styropor in Schweden [Schweden]
Was wie ein Zaubertrick klingt, ist in Wahrheit das Ergebnis jahrelanger Forschung: Verpackungen, die aus Pilzen wachsen – und nach Gebrauch einfach im Garten verrotten. Die Idee stammt ursprünglich aus den USA, doch inzwischen hat sie auch Schweden erreicht. Immer mehr Unternehmen setzen auf Verpackungen aus Myzel, dem Wurzelgeflecht von Pilzen. Sie sind stabil, leicht, vollständig biologisch abbaubar und eine echte Alternative zu Styropor (interpack 2024).
[Wusstest du? Styropor (EPS) zersetzt sich erst nach mehreren tausend Jahren. Pilzverpackungen hingegen brauchen nur 45 Tage, um im Kompost vollständig zu verschwinden – und hinterlassen dabei wertvolle Nährstoffe für den Boden.]
Zwei Studenten mit einer verrückten Idee
Die Geschichte der Pilzverpackungen beginnt 2007 am Rensselaer Polytechnic Institute im US-Bundesstaat New York. Zwei Studenten, Eben Bayer und Gavin McIntyre, hatten eine ungewöhnliche Beobachtung gemacht: Pilzmyzel, das feine Wurzelgeflecht, das sich unter der Erde ausbreitet, verhält sich wie ein natürlicher Klebstoff. Es verbindet alles, was in seiner Nähe wächst – Stroh, Sägespäne, Maisabfälle – zu einem festen Verbund. Warum, so fragten sie sich, sollte man das nicht industriell nutzen? (Ecovative 2024).
Aus dieser Frage wurde ein Unternehmen: Ecovative Design. Heute produziert die Firma Verpackungen, die aus landwirtschaftlichen Abfällen und Myzel gezüchtet werden. Die Rohstoffe werden in Formen gefüllt, das Myzel wächst innerhalb von sieben Tagen hindurch und verbindet alles zu einem festen, formstabilen Material. Dann wird der Prozess durch Hitze gestoppt – das Produkt ist keimfrei, trocken und bereit für den Versand (Ecovative 2024).
[Wusstest du? Ecovative hat seine Kernpatente 2023 öffentlich gemacht, um die weltweite Verbreitung der Technologie zu beschleunigen. „Die Zukunft der Materialien sollte nicht in Firmenlaboren eingeschlossen sein“, sagt Gründer Eben Bayer.]
Ikea steigt ein
Einer der ersten Großkunden war Dell, der Computerhersteller. Dann folgte Ikea. Das schwedische Möbelhaus suchte schon lange nach einer Alternative zu Styropor, das in riesigen Mengen für den Versand von Möbeln anfällt. 2016 begannen die ersten Gespräche, heute sind Pilzverpackungen fester Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie (Digital Trends 2016).
„Wir wollen bis 2030 nur noch erneuerbare oder recycelte Materialien einsetzen“, sagt ein Sprecher von Ikea. „Pilzverpackungen sind ein wichtiger Schritt auf diesem Weg.“ (interpack 2024).
Ein tschechisches Start-up gewinnt Preis
Während Ecovative den US-Markt bedient, hat sich in Europa ein junges Unternehmen auf die Technologie spezialisiert. Das tschechische Start-up Myco entwickelt ebenfalls Verpackungen aus Myzel und wurde 2025 dafür ausgezeichnet. Ihr Material ist eine biologisch abbaubare Alternative zu Polystyrol, kommt ohne fossile Rohstoffe aus und kann nach Gebrauch kompostiert werden (packaging journal 2025).
Die Technologie funktioniert ähnlich wie bei Ecovative: Landwirtschaftliche Abfälle werden mit Pilzkulturen versetzt, das Myzel wächst durch das Substrat und verbindet es zu einem festen, leichten Schaumstoff. Das Material lässt sich in jede beliebige Form bringen – perfekt für den Schutz empfindlicher Güter beim Transport (Renewable Carbon 2025).
Eine Frage der Skalierung
Trotz aller Erfolge: Pilzverpackungen haben noch einen weiten Weg vor sich. Die Produktion ist teurer als die von Styropor, und die Stückzahlen sind noch gering. Ecovative selbst gibt an, dass sich die Technologie besonders für Produktionsmengen unter 100.000 Einheiten pro Jahr lohnt – für Massenartikel ist sie derzeit noch nicht wirtschaftlich (Ecovative 2024).
Dennoch wächst das Interesse. Immer mehr Unternehmen erkennen, dass sie langfristig auf fossile Rohstoffe verzichten müssen. Und die Pilze warten geduldig in ihrem Substrat.
Quellen:
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Ecovative (2024): Where We Started – Mushroom® Packaging. https://ecovative.com/prior-work.html
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interpack (2024): Verpackungen aus Pilzschaum – Ikea will Styropor durch Pilzmaterial ersetzen. https://www.interpack.de/de/Media_News/NON-FOOD-VERPACKUNGEN/Non-Food_Verpackungen_News/Verpackungen_aus_Pilzschaum
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packaging journal (2025): Verpacken mit Pilzen: Myco bietet biologisch abbaubare Alternative zu Polystyrol. https://packaging-journal.de/tag/myco/
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Renewable Carbon (2025): Verpacken mit Pilzen: Myco bietet biologisch abbaubare Alternative zu Polystyrol. https://renewable-carbon.eu/news/verpacken-mit-pilzen-myco-bietet-biologisch-abbaubare-alternative-zu-polystyrol/
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Digital Trends (2016): Ikea is considering shipping furniture with eco-friendly ‘Mushroom Packaging’ instead of Styrofoam. https://www.digitaltrends.com/home/ikea-considers-fungus-grown-packaging-instead-of-styrofoam/
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Ecovative FAQ (2025): Häufige Fragen zu Myzel-Verpackungen. https://shop.ecovative.com/pages/faqs
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