Die „Budenfreunde“ in Dortmund – Wie ein Bauwagen ein ganzes Viertel verändert [Deutschland]

Mitten in der Dortmunder Nordstadt, am Kirchplatz St. Joseph, steht ein ungewöhnliches Gefährt. Ein knallgelber Bauwagen, umgeben von Sitzgelegenheiten, Blumenkästen und immer ein paar Menschen, die sich unterhalten. Wer näherkommt, sieht ein Schild: „NachbarBude“. Was hier wie ein kleiner, farbenfroher Außenposten wirkt, ist in Wahrheit das Herzstück eines Projekts, das weit über Dortmund hinaus Aufmerksamkeit erregt. Aus diesem Bauwagen haben Silvia Koslowski und ihr Team eine Bewegung gestartet, die Menschen zusammenbringt, die sonst nie miteinander sprechen würden – die „Budenfreunde“ (SozialstiftungNRW 2025).

[Wusstest du? Die Dortmunder Nordstadt ist ein Viertel der Gegensätze. Hier leben Menschen aus über 100 Nationen. 44 Prozent der Kinder wachsen in Armut auf, und Rentner sind doppelt so häufig von Armut betroffen wie im Stadtdurchschnitt. Genau hier setzen die Budenfreunde an.]

Ein Bauwagen wird zur Ideenschmiede

Die Geschichte beginnt 2021, als Dortmund zur „Innovationshauptstadt Europas“ gekürt wurde. Mit dem Preisgeld entstand die Idee, einen Ort zu schaffen, der die Menschen im dichtbesiedelten Nordmarktquartier zusammenzubringen. „Viele wollen etwas für andere tun“, beobachtete Projektleiterin Silvia Koslowski schnell. Aber die Hürden waren hoch: mangelndes Selbstbewusstsein, kulturelle Barrieren, fehlende Anlässe für Begegnung (SozialstiftungNRW 2025).

Aus dieser Erkenntnis wuchs die Idee der „Budenfreunde“ – einer Börse für Nachbarschaftshilfe, bei der Menschen unterschiedlichster Herkunft füreinander aktiv werden. Das Besondere: Die Helfer entdecken dabei oft eigene Fähigkeiten, die sie vorher nicht kannten. Wer hier mitmacht, lernt nicht nur anderen zu helfen, sondern auch sich selbst neu kennen (NachbarBude 2025).

Hilfe, die ankommt

Die Bandbreite der Unterstützung ist riesig. Budenfreunde erledigen Einkäufe für ältere Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß sind. Sie helfen bei kleinen Reparaturen im Haushalt, wenn der Wasserhahn tropft oder die Lampe nicht mehr leuchtet. Sie unterstützen bei Online-Buchungen, wenn das Amt plötzlich digitale Formulare verlangt. Sie begleiten zu Behörden, wenn die Amtssprache überfordernd wirkt. Und sie leisten einfach Gesellschaft – wenn jemand einsam ist und sich nach einem Gespräch sehnt (NachbarBude 2025).

„Es begegnen sich Menschen, die normalerweise nie miteinander in Kontakt treten würden“, sagt Alwin Buddenkotte, Geschäftsführer des SKM Dortmund, der Trägerorganisation der NachbarBude. „Zum Beispiel, indem sie für andere Einkäufe machen, kleine Reparaturen im Haushalt erledigen oder Unterstützung bei Online-Buchungen leisten.“ (SozialstiftungNRW 2025).

Ein Netzwerk wächst

Was als kleines Projekt begann, ist heute eine feste Größe im Viertel. Die SozialstiftungNRW fördert die „Budenfreunde“ mit 631.000 Euro über drei Jahre – eine Investition, die sich lohnt, wie die Verantwortlichen finden. Denn das Projekt tut genau das, was der Name der Stiftung verspricht: Es fördert eine vielfältige Gesellschaft (SozialstiftungNRW 2025).

Das Team der NachbarBude besteht heute aus mehreren Hauptamtlichen und rund 30 ehrenamtlichen Budenfreunden. Sie kommen aus den unterschiedlichsten Ländern, sprechen verschiedene Sprachen, haben verschiedene Religionen. Aber sie alle eint der Wunsch, etwas für andere zu tun. Die Öffnungszeiten sind großzügig: Dienstag bis Freitag ist die Bude besetzt, und immer ist jemand da, der zuhört, der weiterhilft, der vermittelt (NachbarBude 2025).

Mehr als nur Hilfe

Die Wirkung des Projekts geht weit über die einzelnen Hilfsleistungen hinaus. Die Budenfreunde schaffen Begegnungen zwischen Menschen, die sonst nur an der Supermarktkasse aneinander vorbeigehen würden. Aus flüchtigen Bekanntschaften werden Nachbarschaften, aus Nachbarschaften werden Freundschaften. Das Viertel wird lebendiger, weil Menschen sich kennen und füreinander da sind (NachbarBude 2025).

„Lächeln. Fragen. Helfen lassen.“ – unter diesem Motto steht die NachbarBude. Und es ist genau das, was hier passiert. Wer Hilfe braucht, findet sie. Wer helfen will, findet eine Aufgabe. Und alle zusammen finden ein Stück Gemeinschaft.

Ein Modell für andere

Die „Budenfreunde“ sind kein Einzelfall mehr. Im Rahmen des Frankfurter Programms „Aktive Nachbarschaft“ entstehen ähnliche Initiativen. Auch dort geht es darum, Menschen in benachteiligten Stadtteilen zu vernetzen und zur Selbsthilfe zu befähigen (frankfurt-sozialestadt.de 2025). Was in Dortmund mit einem Bauwagen begann, könnte bald in vielen Städten Schule machen.

Silvia Koslowski blickt zufrieden auf die Entwicklung: „Wir haben gezeigt, dass Engagement keine Frage von Herkunft oder Bildung ist. Jeder kann etwas. Und wenn man die richtigen Rahmenbedingungen schafft, dann kommt das auch raus.“ (SozialstiftungNRW 2025). Die Budenfreunde sind der lebende Beweis dafür.


Quellen:

guteideenblog.org sollte ein interner Link sein. guteideenblog.org © 2025 by Gute Ideen ist lizenziert unter CC BY 4.0. Kurz erklärt: Nutze alles und verlinke auf diesen Artikel.

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