Die „Demokratie-Verstärker*innen“ in Nordhessen – Wie Michael Sasse mit einem Wettbewerb Engagement sichtbar macht [Deutschland]

Michael Sasse sah, wie der gesellschaftliche Wind rauer wurde. Antidemokratische Kräfte gewannen Zulauf, die Sprache wurde härter, der Ton aggressiver. Aber er sah auch etwas anderes: Menschen in Nordhessen, die sich jeden Tag für Demokratie und Vielfalt einsetzten – oft im Stillen, ohne große Anerkennung, ohne finanzielle Unterstützung. Der Vereinsvorsitzende von „Offen für Vielfalt“ beschloss, das zu ändern. Er schuf die „Demokratie-Verstärker*innen“ – einen Wettbewerb, der zivilgesellschaftliches Engagement sichtbar macht und mit Preisgeldern unterstützt. „Antidemokratische Kräfte gewinnen weiterhin an Zulauf“, sagt Sasse. „Dem können wir nur mit Mut, Kreativität und einer Entschlossenheit entgegentreten. All das ist in Nordhessen bereits vorhanden. Was es für die Umsetzung jedoch oft noch braucht, ist finanzielle und niedrigschwellige Unterstützung.“ (Offen für Vielfalt e.V. 2025a).

[Wusstest du? Die Initiative „Offen für Vielfalt“ wurde 2018 gegründet – als Reaktion auf die Ausschreitungen in Chemnitz, bei denen Menschen aufgrund ihrer Herkunft und Religion angegriffen wurden. Fünf Kasseler Unternehmen wollten nicht nur schweigen, sondern ein Zeichen setzen. Heute sind rund 35 Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft dabei.]

Ein Wettbewerb mit besonderer Schirmherrschaft

Die Schirmherrschaft des Wettbewerbs hat Christoph Lübcke übernommen, der Sohn des 2019 von einem Rechtsextremisten ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Bei der Preisverleihung 2025 sagte er: „Es braucht tatkräftige Demokratinnen und Demokraten, die sich angstfrei und leidenschaftlich für die Werte einsetzen, die unsere Demokratie zusammenhalten. Die letzten Jahre haben meiner Familie und mir deutlich gezeigt, dass wir das Engagement einer aktiven Zivilgesellschaft für Demokratie stärken müssen.“ (Offen für Vielfalt e.V. 2025b).

[Wusstest du? Die Preisverleihung fand im Walter-Lübcke-Saal des Regierungspräsidiums Kassel statt – ein bewusster Ort, der an das Opfer rechtsextremer Gewalt erinnert und zeigt, wie wichtig der Einsatz für Demokratie ist.]

Elf Projekte, eine Botschaft

Insgesamt wurden 2025 elf Projekte aus Nordhessen ausgezeichnet. Die Jury hatte die Qual der Wahl – über 50 Bewerbungen waren eingegangen. Ausgezeichnet wurden Projekte in drei Kategorien (Offen für Vielfalt e.V. 2025b):

Kategorie 1: Teilhabe, Beteiligung und Mitmenschlichkeit

Die Interessengemeinschaft „Buntes Borken“ erhielt 1.500 Euro für ihr Festival für Vielfalt und Toleranz. Die Menschen hinter dem Projekt schaffen einen Ort der Begegnung, an dem sich alle willkommen fühlen – unabhängig von Herkunft, Religion oder Lebensentwurf (Offen für Vielfalt e.V. 2025b).

Zwei Lehrerinnen der Gesamtschule Fuldatal wurden für ihr Patennetzwerk ausgezeichnet. Sie helfen Eltern mit sprachlichen Barrieren oder Diskriminierungserfahrungen, sich im Schulsystem zurechtzufinden – und machen die Schulgemeinschaft damit ein Stück inklusiver (Offen für Vielfalt e.V. 2025b).

Kategorie 2: Demokratie, demokratische Werte und gegen Extremismus

Julia Drinnenberg von der Abteilung Judaica des Stadtmuseums Hofgeismar erhielt 1.500 Euro für ihre außergewöhnliche Erinnerungsarbeit. Seit 18 Jahren arbeitet sie ehrenamtlich mit Schülerinnen und Schülern, führt sie durch die Ausstellung, organisiert Projekttage und langfristige Forschungsprojekte zum Holocaust. „Wir sind außerordentlich dankbar und stolz, sie als Teil des Museumsteams in unseren Reihen zu haben“, schreibt die Stadt Hofgeismar (Stadt Hofgeismar 2025).

Das Bündnis „Kassel gegen Rechts“ organisierte erfolgreich Großdemonstrationen gegen Rechts, schult Menschen darin, für Demokratie einzutreten, und arbeitet eng mit lokalen Initiativen zusammen (Offen für Vielfalt e.V. 2025b).

Kategorie 3: Frieden und Völkerverständigung

Der Verein „GemeinsamLeben in Fuldabrück e.V.“ wurde gleich doppelt ausgezeichnet – mit einem Hauptpreis und einem Sonderpreis. Seit 2015 helfen die Aktiven Geflüchteten beim Ankommen in der Gesellschaft. Sie organisieren ein jährliches Integrationssport- und Spielfest, betreiben eine Fahrradwerkstatt, begleiten zu Sprachkursen und schaffen Begegnung. „Um sich in einem fremden Land zu integrieren, braucht es Menschen, die einem bei den kleinen Dingen des Alltags behilflich sind“, sagte Jury-Mitglied Ernst Klein in seiner Laudatio (GemeinsamLeben in Fuldabrück 2025).

Der Verein „The Concerned Nigerians Kassel, Germany e.V.“ wurde für seine Arbeit mit Kindern und Jugendlichen afrikanischer Herkunft ausgezeichnet. Ziel ist es, den interkulturellen Dialog zu fördern und Vorurteile durch Bildung, Austausch und gemeinschaftliche Aktionen abzubauen (Offen für Vielfalt e.V. 2025b).

Sonderpreis „Ländlicher Raum“

Fünf Projekte erhielten den Sonderpreis für Initiativen außerhalb der Großstädte. Darunter die „Bad Wildunger Initiative für Demokratie“, die mit Kindern und Jugendlichen „Bäume der Vielfalt“ pflanzt und mit Informationstafeln zu demokratischen Werten versieht. Oder der Werkraum Treysa, der Menschen unterschiedlichster Nationalität und sozialer Herkunft zusammenbringt (Offen für Vielfalt e.V. 2025b).

Wie alles begann

Die Initiative „Offen für Vielfalt“ entstand 2018, als in Chemnitz Menschen aufgrund ihrer Herkunft und Religion angegriffen wurden. Fünf Kasseler Unternehmen – Hübner, Schaltbau Bode, K+S, Kasseler Sparkasse und Wintershall Dea – wollten nicht nur schweigen. Sie gründeten ein Bündnis für Demokratie und Vielfalt, dem heute rund 35 Partner angehören (Offen für Vielfalt e.V. 2025c).

Der Wettbewerb „Demokratie-Verstärker*innen“ ist ein Teil dieser Arbeit. 2025 fand er zum ersten Mal statt, 2026 folgt die zweite Runde. Bewerben können sich Einzelpersonen, Initiativen, Vereine und Bildungsstätten aus Nord- und Osthessen. Das Preisgeld beträgt insgesamt 10.000 Euro (Offen für Vielfalt e.V. 2025a).

Was bleibt

Michael Sasse zieht eine positive Bilanz: „Die Demokratie-Verstärkerinnen aus dem Jahr 2025 haben eine Vielzahl an kreativen Projekten umgesetzt. Ein Festival für Vielfalt in Borken, ein inklusives Fußballturnier, ein Forschungsprojekt für Schülerinnen oder ein Integrations- und Spielfest. Und dabei haben sie in ganz Nordhessen viele Menschen erreicht und zusammengebracht.“ (Offen für Vielfalt e.V. 2025a).

Sein Appell für die Zukunft: „Es braucht einen breiten Schulterschluss. Nur so kann die Demokratie langfristig gegen Verfassungsfeinde verteidigt werden.“ (Offen für Vielfalt e.V. 2025b).


Quellen:

guteideenblog.org sollte ein interner Link sein. guteideenblog.org © 2025 by Gute Ideen ist lizenziert unter CC BY 4.0. Kurz erklärt: Nutze alles und verlinke auf diesen Artikel

Ähnliche Beiträge

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert