Die DIFs – Junge Menschen mit Behinderung als Veränderer in Afrika [Kenia/Nigeria/Südafrika]

Drei junge Frauen standen auf der Bühne der Zero Project Conference 2026 in Wien – aus Nigeria, Kenia und den Niederlanden. Sie erzählten ihre Geschichten. Eine von ihnen, eine junge Kenianerin, berichtete, wie sie früher ihr Leben lang das Gefühl hatte, sich verstecken zu müssen. „Weil die Menschen sich wegen meiner Behinderung in meiner Nähe unwohl fühlten, bin ich einfach weggeblieben.“ (Evangelisches Krankenhaus Alsterdorf 2026). Doch dann entdeckte sie eine Text-to-Speech-App, die ihr eine Stimme gab – im wahrsten Sinne des Wortes. Sie wurde ausgebildet als „Disability Inclusion Facilitator“ (DIF) – als Inklusionsbegleiterin, die andere Menschen mit Behinderung trainiert und Organisationen davon überzeugt, dass Inklusion nicht schwer ist – und sich lohnt.

[Wusstest du? Was 2018 in Uganda mit sechs jungen Menschen mit Behinderungen begann, hat heute über 250 ausgebildete DIFs hervorgebracht, die in zwölf Ländern aktiv sind – von Äthiopien über Kenia und Nigeria bis nach Indien und Bangladesch (Light for the World 2025).]

Wenn Inklusion von denen kommt, die sie am besten verstehen

Das Besondere am DIF-Ansatz ist seine Einfachheit. Statt dass Experten von außen kommen und erklären, wie Inklusion funktionieren soll, werden junge Menschen mit Behinderung selbst zu Expertinnen und Experten ausgebildet. Sie wissen aus eigener Erfahrung, wo die Hürden liegen – in Behörden, in Schulen, auf dem Arbeitsmarkt, im Alltag. Und sie wissen, was wirklich hilft (Light for the World 2025).

Die Ausbildung ist anspruchsvoll. Sie beginnt mit einer mehrtägigen „Disability Inclusion Academy“, in der die Grundlagen vermittelt werden: Was bedeutet Inklusion? Welche Barrieren gibt es? Wie spricht man mit Organisationen und Unternehmen? Danach folgt eine sechs- bis neunmonatige Mentoring-Phase, in der die angehenden DIFs das Gelernte in der Praxis anwenden, begleitet von erfahrenen Mentorinnen und Mentoren. Erst dann erfolgt die offizielle Zertifizierung (SPARK 2022).

Eine der neuen DIFs aus Nigeria beschrieb ihre Begeisterung nach dem Training: „Die Ausbildung war großartig und erhellend. Ich freue mich darauf, alles umzusetzen, was ich gelernt habe, ein guter Botschafter und ein inklusiver Profi zu sein, der meinen Staat, meine Nation und den gesamten afrikanischen Kontinent repräsentiert. Meine Vision für eine inklusive Welt ist eine, in der jeder Mensch mit Behinderung ein faires Spielfeld erhält, um positiv zur Welt beizutragen.“ (JONAPWD 2025).

*[Wusstest du? Das DIF-Programm wird von Light for the World in Partnerschaft mit der Mastercard Foundation und dem African Disability Forum durchgeführt. In Nigeria wurde kürzlich die dritte Kohorte von Disability Inclusion Facilitators aus acht Bundesstaaten ausgebildet (JONAPWD 2025).]*

Zahlen, die Hoffnung machen

Die Erfolge des DIF-Ansatzes sind messbar. Im Rahmen des „Make 12.4% Work Programme“ in Uganda, wo das Modell erstmals großflächig umgesetzt wurde, haben über 150 Organisationen sich zu mehr Inklusion verpflichtet. Mehr als 3.200 Fachkräfte wurden in Inklusionsfragen geschult. Über 7.000 junge Menschen mit Behinderung erhielten Unterstützung beim Zugang zu Bildung und Arbeitsmarkt (Light for the World 2025).

Ambrose Murangira, Senior Expert für Inklusion bei Light for the World, bringt es auf den Punkt: „Diese Zahlen erzählen nur einen Teil der Geschichte. Hinter jeder Statistik steht eine echte Veränderung – ein Arbeitgeber, der den Wert inklusiver Einstellung erkennt, eine Lehrkraft, die ihre Methoden anpasst, oder ein junger Mensch mit Behinderung, der einen sinnvollen Job findet.“ (Light for the World 2025).

Weil das Konzept so erfolgreich war, wird es jetzt skaliert. Durch das „We Can Work“-Programm werden junge Menschen mit Behinderung in Äthiopien, Kenia, Uganda, Ruanda, Ghana, Nigeria und Senegal als DIFs ausgebildet, um systemische Veränderungen im Bereich Beschäftigung voranzutreiben (Light for the World 2025).

Was DIFs antreibt: Drei Prinzipien

Der DIF-Ansatz basiert auf drei Kernprinzipien, die ihn so wirksam machen:

  1. Der Wert gelebter Erfahrung. DIFs kennen die Barrieren aus erster Hand. Sie müssen nicht lernen, was Inklusion bedeutet – sie leben sie. Naome Akwee, eine DIF aus Uganda, sagt: „Wir sind junge Menschen mit Behinderung und haben gelebte Erfahrungen, wie uns Behinderung und die täglichen Herausforderungen in unserem Leben beeinflussen. DIF zu sein, bringt uns an die Spitze, um Veränderungen voranzutreiben.“ (Light for the World 2025).

  2. Fähigkeiten in Aktion. DIFs fordern Stereotype heraus, verändern Wahrnehmungen und beweisen, dass junge Menschen mit Behinderung die Fähigkeit haben, die Veränderungen anzustoßen, die sie in ihren Gemeinschaften sehen wollen. „Durch Bildung, Interessenvertretung und das Zuhören von Menschen mit Behinderung fordern wir vorgefasste Meinungen heraus und schaffen mehr Verständnis und Respekt“, sagt Naome (Light for the World 2025).

  3. Selbstvertretung. „Nichts über uns ohne uns“ ist das zentrale Prinzip des DIF-Modells. Indem junge Menschen mit Behinderung aktiv einbezogen werden, entsteht eine starke Plattform für sie, um an Entscheidungen und Programmen teilzuhaben, die ihr Leben betreffen (Light for the World 2025).

Von Uganda in die Welt

Das DIF-Modell entwickelt sich ständig weiter. Ursprünglich für den Bereich Beschäftigung und wirtschaftliche Teilhabe entwickelt, arbeiten DIFs heute auch in der humanitären Hilfe, in der Unternehmensentwicklung, in der sexuellen und reproduktiven Gesundheit, in der Landwirtschaft und in der Kommunalpolitik (Light for the World 2025).

In Burkina Faso wurden im Rahmen des SPARK-Projekts sieben DIFs offiziell zertifiziert. Eine von ihnen, Dah W. Brigitte, sagte nach ihrer Zertifizierung: „Ich bin glücklich, zu denen zu gehören, die ausgewählt wurden. Ich werde jetzt anderen helfen können, indem ich sie für eine bessere Inklusion von Menschen mit Behinderung in der Gemeinschaft sensibilisiere. Das ist jetzt meine Aufgabe.“ (SPARK 2024).

Ihr Kollege Kamboulé Béliko ergänzte: „Ich bin aufgerufen, durch diese Zertifizierung besser zu werden. Ich muss für die Sache der Menschen mit Behinderung arbeiten. Die Ausbildung hat mir persönlich geholfen, mein Wissen über Behinderung und Inklusion zu erweitern und meine Schüchternheit zu überwinden.“ (SPARK 2024).

Was die DIFs selbst erleben

Die junge Kenianerin, die auf der Zero Project Conference sprach, wagte sich nach ihrer Ausbildung auf Podien, postete ihre Erfahrungen auf LinkedIn – und erhielt Nachrichten von zwei jungen Menschen, die sich durch sie ermutigt fühlten, es ihr gleichzutun. „Vergangenes Jahr habe ich einen von ihnen bei einer Veranstaltung wieder getroffen. Auf dem Podium. Das macht mich stolz.“ (Evangelisches Krankenhaus Alsterdorf 2026).

Ihre nigerianische Kollegin ergänzte: „Meine Reise als DIF hat dazu geführt, dass ich mich nicht mehr verstecke, damit irgendjemand sich nicht unwohl fühlt. Ich spreche in großen Räumen, ich kann ich selbst sein.“ (Evangelisches Krankenhaus Alsterdorf 2026).

[Wusstest du? Die Zero Project Conference findet jährlich im Büro der Vereinten Nationen in Wien statt und bringt Innovatoren, politische Entscheidungsträger und Praktiker aus aller Welt zusammen, um Lösungen für eine Welt ohne Barrieren zu präsentieren (Zero Project 2026).]

Wie du die Bewegung unterstützen kannst

Die Disability Inclusion Facilitators beweisen, dass junge Menschen mit Behinderung nicht nur Hilfe empfangen, sondern selbst zu den wichtigsten Veränderern werden können. Ihre Arbeit durchbricht Barrieren, verändert Systeme und schafft eine inklusivere Welt.

Wenn du Arbeitgeber bist: Arbeite mit einem DIF zusammen, um deinen Arbeitsplatz inklusiver zu gestalten. Wenn du Spender oder Philanthrop bist: Nimm Inklusionsziele in deine Förderung auf und ermutige deine Partner, das DIF-Modell zu übernehmen. Wenn du politisch aktiv bist: Setze dich für die Anerkennung und Ausweitung des DIF-Modells ein. Wenn du einfach ein Mensch bist: Teile die Geschichten und verstärke die Wirkung der DIFs (Light for the World 2025).


Quellen:

guteideenblog.org sollte ein interner Link sein. guteideenblog.org © 2025 by Gute Ideen ist lizenziert unter CC BY 4.0. Kurz erklärt: Nutze alles und verlinke auf diesen Artikel.

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