Nzambi Matee – Wie eine kenianische Ingenieurin aus Plastikmüll stärkere Steine macht als Beton [Kenia]

Es war ein lauter Sommer in Nairobi. In ihrem Hinterhof in der Hauptstadt Kenias stand Nzambi Matee Tag für Tag an einer selbstgebauten Maschine, umgeben von Bergen zerkleinerter Plastikflaschen. Die Nachbarn beschwerten sich über den Lärm. Ihre Freunde machten sich Sorgen. Eine gut bezahlte Stelle als Datenanalystin in der Ölindustrie hatte sie aufgegeben, um mit Plastikmüll zu experimentieren. „Ich habe ein Jahr lang mein Sozialleben komplett eingestellt und all meine Ersparnisse in dieses Projekt gesteckt“, erzählt sie. „Meine Freunde waren besorgt.“ (China Daily 2020). Drei Jahre später, 2020, wurde sie vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) als „Young Champion of the Earth“ für Afrika ausgezeichnet – für eine Idee, die heute ganz Nairobi verändert (UNEP 2020).

[Wusstest du? Allein in Nairobi fallen täglich über 500 Tonnen Plastikmüll an. Nur ein Bruchteil davon wird recycelt. Der Rest landet in Flüssen, auf Deponien oder wird verbrannt. Nzambis Steine verwandeln dieses Problem in eine Lösung.]

Vom Hinterhof in die Welt

Nzambi Matee ist Materialingenieurin mit einem Hintergrund in Physik. Sie arbeitete in der kenianischen Ölindustrie, als ihr die Plastikflut auf den Straßen Nairobis nicht mehr aus dem Kopf ging. „Es war, als wäre ich von einer Klippe gesprungen – ohne Fallschirm“, beschreibt sie ihre Entscheidung, den sicheren Job zu kündigen. „Ich habe diese Idee entwickelt, während ich im Fallen war. Ist das nicht, wie großartige Dinge entstehen?“ (SWE 2025).

In ihrem Hinterhof begann sie, Sand und Plastik in unterschiedlichen Verhältnissen zu mischen. Durch monatelanges Ausprobieren lernte sie, dass verschiedene Kunststoffe unterschiedlich gut miteinander verbinden. Gemeinsam mit einem kleinen Team aus vier Ingenieuren entwickelte sie schließlich eine eigene hydraulische Presse, die mehrere Tonnen wiegt – gebaut aus Altmaterialien und Schrott (SWE 2025).

52 Absagen und ein Ja

Mit einem Prototypen in der Hand klopfte Nzambi bei Investoren an. Die Antwort war immer dieselbe: Nein. Acht Monate lang sammelte sie 52 Absagen. „Bei manchen Investoren sind wir einfach reingegangen, und sie haben sofort Nein gesagt“, erinnert sie sich. „Andere ließen uns rein, hörten zu – und sagten dann auch Nein.“ (SWE 2025). Das 53. Gespräch brachte die Wende. Ein Investor sagte Ja und ermöglichte ihr die Produktion im größeren Stil (SWE 2025).

*[Wusstest du? Ein Stipendium für ein Sozialunternehmer-Programm in den USA brachte Nzambi schließlich an die University of Colorado Boulder. Dort konnte sie in den Materiallaboren die perfekten Mischungsverhältnisse von Sand und Plastik austüfteln (China Daily 2020).]*

Wie ein Stein aus Plastik entsteht

Heute produziert Gjenge Makers in einer Werkstatt in Nairobi täglich zwischen 1.500 und 1.800 Steine (SWE 2025; RFI 2025). Die Herstellung folgt einem einfachen, aber effektiven Prinzip:

  • Gesammelter Plastikmüll wird gereinigt, geschreddert und nach Kunststoffart sortiert

  • Das Material wird erhitzt und mit Sand vermischt

  • Bei Bedarf werden Farbpigmente zugegeben

  • Eine hydraulische Presse formt die Mischung unter enormem Druck zu Steinen

  • Die fertigen Steine kühlen in einem Wasserbad ab, bis sie Raumtemperatur erreicht haben (Recycling International 2025).

Das Ergebnis ist bemerkenswert: Die Plastiksteine sind fünf- bis siebenmal fester als Beton, dabei nur halb so schwer und 15 Prozent günstiger. Sie sind wasserdicht, haben einen Schmelzpunkt von über 350 Grad Celsius und fühlen sich an wie eine Gummioberfläche (SWE 2025; Recycling International 2025). Der kenianische Normierungsrat hat die Produkte zertifiziert – ein wichtiger Schritt für die Marktakzeptanz (UN SDG Action Awards 2024).

Partner für eine sauberere Zukunft

Gjenge Makers arbeitet eng mit der Industrie zusammen. Hersteller von Getränken und Pharmaprodukten liefern ihre Produktionsabfälle – Flaschenverschlüsse, Dichtungen, Verpackungsreste. Ergänzt wird der Rohstoff durch Plastik aus informeller Sammlung: Müllsammler bringen ihre Funde und verdienen damit ein regelmäßiges Einkommen (UNEP 2020).

„Wir haben über 112 Menschen wirtschaftlich gestärkt, die meisten davon Frauen und Jugendliche“, heißt es auf der Unternehmenswebsite (SWE 2025). Inzwischen sind es weit mehr: Laut UN SDG Action Awards wurden über 600 Arbeitsplätze geschaffen, vor allem für Frauen und junge Menschen (UN SDG Action Awards 2024).

Ein Vorbild für Afrika

Die Steine von Gjenge Makers sind heute in ganz Nairobi zu finden. Das Mukuru Skills Training Centre, eine Berufsschule im Armenviertel Mukuru Kayaba, hat seinen gesamten Schulhof damit gepflastert. „Wir planen, die ganze Schule damit zu pflastern“, sagt Programmkoordinatorin Anne Muthoni. „Es ist eine günstigere Lösung. Junge Leute müssen motiviert werden, sich um die Umwelt zu kümmern – und dabei gleichzeitig Geld zu verdienen.“ (China Daily 2020).

Bis heute hat das Unternehmen über 200 Tonnen Plastikmüll recycelt (UN SDG Action Awards 2024). Nzambi plant bereits die Expansion nach Nigeria, Uganda und Tansania. „Plastikmüll ist nicht nur ein kenianisches Problem, es ist ein weltweites Problem“, sagt sie. „Was wir als Abfall sehen, ist für mich das Fundament für etwas Größeres.“ (RFI 2025).

Ihre Botschaft an andere junge Menschen: „Die negativen Auswirkungen, die wir auf die Umwelt haben, sind enorm. Es liegt an uns, diese Realität besser zu machen. Fangt mit den lokalen Lösungen an, die ihr finden könnt, und bleibt konsequent. Die Ergebnisse werden erstaunlich sein.“ (China Daily 2020).


Quellen:

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