Adjany Costa – Wie eine Biologin aus Angola eines der letzten Wildnisgebiete der Erde rettet [Angola]
Das Okavango-Delta im Süden Afrikas ist eines der letzten großen Naturparadiese unseres Planeten. Die größte Binnenwüste der Welt beherbergt Elefanten, Löwen, Giraffen und unzählige Vogelarten. Doch das Delta ist nur der Endpunkt eines gewaltigen Flusssystems, das im Hochland von Angola entspringt. Und genau dort, wo die Quellflüsse des Okavango ihren Ursprung haben, drohte jahrelang unsichtbare Gefahr: Die Wälder wurden gerodet, die Tierwelt verschwand, und niemand wusste genau, was in dieser vom Bürgerkrieg vergessenen Region geschah. Bis Adjany Costa kam.
*[Wusstest du? Das Quellgebiet des Okavango in Angola blieb während des 27-jährigen Bürgerkriegs von der Außenwelt abgeschnitten. Als der Krieg endete, kehrten die Menschen zurück – und mit ihnen kamen Brandrodung, Wilderei und unkontrollierte Besiedlung. Die letzte große Wildnis Afrikas stand plötzlich unter Druck.]*
Eine junge Frau mit einer Mission
Adjany Costa wuchs in Luanda auf, der Hauptstadt Angolas. Ihre Kindheit war geprägt von den Nachwirkungen eines langen Bürgerkriegs, der das Land verwüstet und die Menschen traumatisiert hatte. „Ich und alle, die ich kenne, wuchsen in einer Gesellschaft ohne Hoffnung auf“, erzählt sie. „Ständig an den Krieg erinnert, ihn für unsere Unfähigkeit verantwortend machend, langfristig zu planen und zu handeln.“ (National Geographic Portugal 2018).
Doch Adjany entschied sich, anders zu denken. Sie studierte Meeresbiologie, erwarb einen Masterabschluss und begann schließlich ihre Doktorarbeit an der Universität Oxford. Ihr Forschungsgebiet: die Quellgebiete des Okavango in den östlichen Hochländern Angolas (University of Oxford 2025).
[Wusstest du? Adjany wurde 2017 von der National Geographic Society zu einem ihrer „Emerging Explorers“ ernannt – eine Auszeichnung für junge Wissenschaftler, die Großes versprechen. Sie war die erste Angolanerin, die diese Ehre erhielt (National Geographic Portugal 2018).]
Ein vergessenes Paradies
Die Wälder und Savannen im Osten Angolas waren jahrzehntelang unzugänglich. Der Bürgerkrieg, der von 1975 bis 2002 tobte, machte jede Forschung unmöglich. Als der Krieg endete, kehrten die vertriebenen Gemeinschaften zurück – allen voran die Luchaze, ein indigenes Volk, das seit Generationen in dieser Region lebt.
Doch die Rückkehr brachte neue Probleme. Ohne Infrastruktur, ohne Schulen, ohne Gesundheitsversorgung waren die Menschen auf die natürlichen Ressourcen angewiesen – und die Übernutzung begann. Gleichzeitig zogen Wilderer in die Region und dezimierten die Tierbestände (UNDP 2020).
Adjany erkannte: Wenn hier nicht schnell gehandelt wird, könnte eines der letzten großen Wildnisgebiete der Erde für immer verloren sein.
Ein neues Modell der Zusammenarbeit
Zusammen mit dem Okavango Wilderness Project der National Geographic Society begann sie, systematisch Daten zu sammeln. Über 34 Wissenschaftler durchkämmten die Wälder, dokumentierten mehr als 1.000 Arten, entdeckten 24 potenziell neue Spezies und lokalisierten über 16 bisher unbekannte Quellseen (Diário de Notícias 2018).
Doch Adjany wollte mehr. Sie wusste, dass Artenschutz nur funktionieren kann, wenn die Menschen vor Ort mitmachen. Also entwickelte sie ein völlig neues Modell: Statt von außen verordnete Schutzgebiete zu schaffen, bezog sie die Luchaze-Gemeinschaften von Anfang an ein (UNEP 2019).
[Wusstest du? Die Luchaze hatten während des Krieges ihr angestammtes Land verlassen müssen. Als sie zurückkehrten, fanden sie eine veränderte Welt vor. Adjany half ihnen, ihr traditionelles Wissen über die Natur mit modernen Forschungsmethoden zu verbinden – eine einzigartige Symbiose.]
Gemeinsam mit den Menschen, nicht gegen sie
Adjany und ihr Team sprachen mit über 4.000 Menschen in 36 abgelegenen Dörfern. Sie fragten nicht, was die Wissenschaft wollte – sie fragten, was die Gemeinschaften brauchten. Sie lernten, wie die Luchaze traditionell jagen, wie sie Felder bestellen, wie sie ihre heiligen Stätten schützen (Diário de Notícias 2018).
Das Ergebnis war ein Modell, das weltweit Beachtung fand: „Community-Based Natural Resource Management“ – gemeinschaftsbasiertes Management natürlicher Ressourcen. Die Luchaze wurden zu Hütern ihrer eigenen Wälder, zu Partnern der Wissenschaft, zu Beschützern des Okavango (University of Oxford 2025).
„Die einzige Möglichkeit, diese Region zu schützen, besteht darin, den Menschen zu helfen, nachhaltige Alternativen zu entwickeln“, erklärte Adjany. „Sie müssen nicht zwischen Überleben und Naturschutz wählen. Sie können beides haben.“ (UNEP 2019).
Internationale Anerkennung
2019 wurde Adjany Costa vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) als „Young Champion of the Earth“ für Afrika ausgezeichnet – die höchste Umweltauszeichnung für junge Menschen weltweit (UNEP 2019). Die Jury würdigte ihre Fähigkeit, wissenschaftliche Exzellenz mit tiefem Respekt für indigene Kulturen zu verbinden.
„Ich möchte, dass meine Arbeit zeigt, dass Angola mehr ist als Krieg und Öl“, sagte sie bei der Preisverleihung. „Wir haben eine der letzten wahren Wildnisse der Erde. Und wir werden sie schützen.“ (UNEP 2019).
Von der Aktivistin zur Ministerin
Nur wenige Monate später, im April 2020, ereilte Adjany ein überraschender Anruf: Präsident João Lourenço ernannte sie zur neuen Ministerin für Kultur, Tourismus und Umwelt. Mit 30 Jahren wurde sie die jüngste Ministerin in der Geschichte Angolas – ein Zeichen dafür, dass die Regierung die Bedeutung von Naturschutz endlich erkannt hatte (Wikipedia 2025).
Als Ministerin trieb sie die Schaffung neuer Schutzgebiete voran, stärkte die Zusammenarbeit mit den Nachbarländern Namibia und Botswana und unterzeichnete ein 4,1 Millionen Dollar schweres Projekt zur Bekämpfung der Wilderei, finanziert vom Global Environment Facility (GEF) und umgesetzt vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP 2020).
Was bleibt
Heute ist Adjany Costa nicht mehr Ministerin, sondern Umweltberaterin des Präsidenten – eine Position, in der sie ihre Visionen weiter vorantreiben kann. Sie hat gezeigt, dass Naturschutz in Angola möglich ist, wenn man die Menschen mitnimmt. Sie hat bewiesen, dass eine junge Frau mit einer Idee die Politik verändern kann. Und sie hat der Welt gezeigt, dass eines der letzten Wildnisgebiete der Erde eine Zukunft hat – dank der Menschen, die dort leben.
Quellen:
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UNEP (2019): Young Champion of the Earth 2019 Africa – Adjany Costa. https://www.unep.org/youngchampions/bio/2019/africa/adjany-costa
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National Geographic Portugal (2018): Virar a página e aprender mais sobre Angola. https://www.nationalgeographic.pt/meio-ambiente/virar-a-pagina-e-aprender-mais-sobre-angola_1579
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University of Oxford (2025): Adjany Costa – Biology. https://www.biology.ox.ac.uk/people/adjany-costa
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Diário de Notícias (2018): National Geographic identifica 24 potenciais novas espécies em Angola. https://www.dn.pt/lusa/interior/national-geographic-identifica-24-potenciais-novas-especies-em-angola-9230680.html
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Wikipedia (2025): Adjany Costa. https://pt.wikipedia.org/wiki/Adjany_Costa
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UNDP (2020): Governo, GEF e PNUD reforçam combate à caça furtiva. https://www.undp.org/pt/angola/governo-gef-e-pnud-reforcam-combate-caca-furtiva
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