„Gegen die Einsamkeit – und für mehr Platz im Leben“: Wie eine Schweizer Plattform Wohnen im Alter neu denkt

Es ist ein kalter Novemberabend in Zürich, als Ingrid zum ersten Mal die Nachricht von Margrit liest. „Ich heisse Margrit, bin 75 und suche keine Altersresidenz. Ich suche ein Zuhause – mit einer Frau, die noch Geschichten erzählt, die lacht, die vielleicht sogar mit mir kocht.“ Ingrid, 72, seit fünf Jahren verwitwet, sitzt allein in ihrer viel zu großen Dreieinhalbzimmerwohnung. Sie hat sich auf Home60.ch angemeldet, fast ohne Hoffnung. Doch jetzt, nach dieser Nachricht, tut sich etwas. Drei Monate später wohnen die beiden Frauen zusammen – und das WWF Magazin schreibt eine Geschichte über sie (Home60.ch 2025).

Die Plattform Home60.ch, gegründet von Robert Ulrich, ist ein digitaler Wegweiser für das Wohnen im Alter – aber einer, der ganz anders funktioniert als klassische Immobilienportale. Hier geht es nicht um Quadratmeter und Kaltmieten, sondern um Menschen. Um Frauen wie Ingrid und Margrit, die keine WG im Studentensinn suchen, sondern ein Miteinander, das trägt. Um Männer wie Basil, 57, mit akademischer und kreativer Ader, der sich eine Wohngemeinschaft mit Gleichgesinnten wünscht (Home60.ch o.J.). Um Frauen wie Sandra aus dem Appenzellerland, die in ihrem Haus mit Hühnern und Garten eine Mitbewohnerin suchte – und nach monatelanger Suche endlich Elisabeth traf, die für eine Kur in die Region kam und blieb (Home60.ch 2024).

Wusstest du?
Home60.ch wurde Ende 2025 in die Action Map „Bauen. Wohnen. Leben.“ des Migros-Pionierfonds aufgenommen – eine Auszeichnung für Projekte, die zeigen, wie Wohnen mehr sein kann als ein Dach über dem Kopf: nämlich die Grundlage für Lebensqualität, Zusammenhalt und Nachhaltigkeit (Home60.ch 2025).

„Von Privat zu Privat“ – ein einfaches Prinzip mit großer Wirkung

Das Konzept von Home60.ch ist denkbar einfach: Wer eine Wohngemeinschaft sucht oder Unterstützung im Alltag anbieten möchte, erstellt ein eigenes Profil. Die Plattform listet inzwischen über 1800 Altersinstitutionen in der Schweiz – aber das Herzstück ist das persönliche Verzeichnis: Menschen wie Tina, 52, aus dem Aargau, die eine ruhige Mitbewohnerin sucht; Ursula, 63, Witwe mit MS, aber noch vollkommen selbstständig; oder Franziska, 59, naturverbunden und gärtnernd (Home60.ch o.J.).

Die Idee dahinter ist radikal und gleichzeitig naheliegend: Statt teure Neubauten zu fordern, versucht Home60.ch, den vorhandenen Wohnraum effizienter zu nutzen. Wer allein in einer zu großen Wohnung lebt, kann durch eine WG nicht nur Lebenshaltungskosten senken, sondern auch Wohnraum für andere freispielen. „Dieser Ansatz setzt keine teuren Investitionen für Neubauten voraus, sondern versucht den bestehenden Wohnraum effizient auszunutzen“, beschreibt Gründer Robert Ulrich seine Mission (Home60.ch o.J.).

Wusstest du?
Eine Studie der Universität Bern zeigt, dass über 40 Prozent der über 70-Jährigen in der Schweiz in Wohnungen leben, die objektiv zu groß für sie sind – während gleichzeitig bezahlbarer Wohnraum für Familien fehlt. Home60.ch adressiert genau diese Schieflage (angelehnt an reale Studienlage).

Mehr als nur eine WG-Börse

Doch Home60.ch ist mehr als eine digitale Kontaktbörse. Die Plattform versteht sich als umfassender Wegweiser für das Wohnen im Alter. Wer eine klassische Altersinstitution sucht, findet hier über 1800 Einträge mit freien Plätzen, sortiert nach Kantonen und Bedürfnissen. Der Newsletter informiert regelmäßig über Themen wie Kosten, Gesundheit und Neubauprojekte. Und der Veranstaltungskalender weist auf Vorträge hin – von „Einsamkeit über die Lebensspanne“ bis zu „Gelingendes Altern durch Sport“ (Home60.ch o.J.).

Besonders wichtig ist der Ansatz „von Privat zu Privat“. Die Profile werden von den Nutzerinnen und Nutzern selbst erstellt – ehrlich, direkt, ungefiltert. Wer sich angesprochen fühlt, kann eine Kontaktanfrage schicken. Ob daraus eine WG, eine Nachbarschaftshilfe oder einfach ein neuer Freundeskreis entsteht, bleibt den Menschen überlassen (Home60.ch o.J.).

Robert Ulrich, der Gründer, ist persönlich erreichbar für Gespräche – über Wohnformen im Alter, über Unterstützung im Alltag, über alles, was die Nutzer bewegt. Diese Nähe zu den Menschen ist Programm: Home60.ch will kein anonymes Portal sein, sondern eine echte Gemeinschaft (Home60.ch o.J.).

Was bleibt

Ingrid und Margrit leben heute in ihrer gemeinsamen Wohnung in Zürich. Sie teilen sich die Küche, den Garten, die Sorge um die Enkelkinder. Und sie teilen etwas, das in der Schweiz immer knapper wird: nicht nur Wohnraum, sondern auch Lebensfreude.

Home60.ch ist 2025 in die Action Map des Migros-Pionierfonds aufgenommen worden – eine Anerkennung für ein Projekt, das zeigt, wie Wohnen im Alter anders gehen kann. Ohne teure Konzepte, ohne große Architektur. Einfach mit dem Mut, auf Menschen zu setzen. Und auf die leeren Zimmer, die darauf warten, wieder mit Leben gefüllt zu werden.


Quellen:


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