Ein 18-Jähriger aus Bad Saulgau simuliert Wurmlöcher am Computer und gewinnt damit den ersten Preis beim baden-württembergischen Jugend-forscht-Landeswettbewerb

Es sind Bilder wie aus einem Science-Fiction-Film: Ein Tunnel windet sich durch die Raumzeit, Lichtringe tanzen um den Eingang, dahinter öffnet sich der Blick auf ferne Galaxien. Doch was aussieht wie eine CGI-Animation aus Hollywood, ist das Ergebnis harter physikalischer Arbeit. Janosch Homolya, 18 Jahre alt, Schüler am Störck-Gymnasium in Bad Saulgau, hat eine Software entwickelt, die Wurmlöcher so darstellt, wie sie einem hindurchfliegenden Beobachter erscheinen könnten. Dafür erhielt er beim baden-württembergischen Landeswettbewerb von Jugend forscht den ersten Preis im Fachgebiet Physik und qualifizierte sich für das Bundesfinale in Hamburg (Jugend-forscht.de 2025a; SWR 2025).

Wurmlöcher sind beliebte Objekte der Science-Fiction. Kein Wunder, denn durch sie könnten Raumschiffe in Sekunden zu fernen Galaxien reisen. Laut Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie wären Wurmlöcher sogar real möglich – vorausgesetzt es würde gelingen, die Raumzeit extrem zu krümmen und zu verzerren (Jugend-forscht.de 2025a). Die Grundlage dafür lieferten Albert Einstein und sein Kollege Nathan Rosen bereits 1935 mit der Beschreibung der sogenannten Einstein-Rosen-Brücken. Der Begriff „Wurmloch“ stammt aus dem Amerikanischen und veranschaulicht die Idee: Wie ein Wurm sich durch einen Apfel frisst, statt über die Oberfläche zu kriechen, könnte ein Wurmloch eine Abkürzung durch die Raumzeit darstellen (Schwäbische.de 2025).

Wusstest du? Die Idee zu seinem Projekt bekam Janosch durch den Film „Interstellar“ von Christopher Nolan, bei dessen Entstehung der Nobelpreisträger Kip Thorne als wissenschaftlicher Berater mitwirkte. „Ich bin Science-Fiction-Fan“, erzählt er (Schwäbische.de 2025). Sein Betreuer am Schülerforschungszentrum, Herr Bienert, fand schließlich das passende wissenschaftliche Paper, um das Thema theoretisch anzugehen (Schwäbische.de 2025).

Zwei Jahre Forschung für spektakuläre Bilder

Die Arbeit an der Wurmloch-Simulation war aufwendig und erforderte einen langen Atem. Zwei Jahre lang forschte Janosch am Schülerforschungszentrum Südwürttemberg in Bad Saulgau, oft mit mehr Einsatz als für die Schule (SWR 2025). Aufbauend auf einem Vorjahresprojekt zu Photonentrajektorien in Wurmlöchern entwickelte er einen sogenannten Raytracer – eine Software, die Lichtstrahlen auf ihrem Weg durch extrem gekrümmte Raumzeit zurückverfolgt und daraus Bilder berechnet (Störck-Gymnasium 2025).

Das Besondere an seinem Ansatz: Er simulierte nicht irgendwelche Fantasiegebilde, sondern berechnete physikalisch exakt, wie Licht in der Umgebung eines Wurmlochs reagieren müsste. Dazu definierte er Parameter wie Radius, Tunnellänge und effektive Masse der hypothetischen Gebilde. Das Ergebnis sind photorealistische Bilder und Filme, die Phänomene wie Einsteinringe, mehrfache Lichtreflexionen im Tunnelbereich und geschlossene Photonenorbits sichtbar machen (Störck-Gymnasium 2025). „Dass es irgendwann mal funktioniert hat – das war der Grund, warum ich weitergemacht und immer wieder Spaß dran gefunden habe“, sagt Janosch rückblickend (SWR 2025).

Die so entstandenen Visualisierungen wirken wie aus einem Science-Fiction-Film. Man sieht durch den Tunnel des Wurmlochs, kann den Startpunkt hinter sich lassen und sich dem Ziel nähern (SWR 2025). Janoschs Programm ist dabei so flexibel, dass es nicht nur Wurmlöcher, sondern auch andere astrophysikalische Phänomene wie Schwarze Löcher darstellen kann (Schwäbische.de 2025).

Wusstest du? Sein Projekt trägt den offiziellen Titel „Einstein-Rosen-Brücken sichtbar gemacht: eine physikalische Reise durch Wurmlöcher“ und wurde beim Bundeswettbewerb mit einem Sonderpreis der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung ausgezeichnet (We-Heraeus-Stiftung 2025; Jugend-forscht.de 2025b).

Vom Landeswettbewerb nach Hamburg und Thailand

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Anfang April 2025 trat Janosch beim baden-württembergischen Landeswettbewerb von Jugend forscht in Heilbronn an. Die Konkurrenz war stark – insgesamt 61 Projekte in sieben Fachgebieten hatten sich qualifiziert (HS Heilbronn 2025). Doch Janoschs Arbeit überzeugte die Jury im Fach Physik und brachte ihm den ersten Platz ein (Schwäbische.de 2025). Damit qualifizierte er sich für das 60. Bundesfinale von Jugend forscht, das Ende Mai 2025 in Hamburg stattfand. Gemeinsame Ausrichter waren die Stiftung Jugend forscht und die Helmut-Schmidt-Universität, die Siegerehrung fand in einem Hangar der Lufthansa Technik statt (Jugend-forscht-BW 2025).

Doch schon vor dem Bundesfinale stand eine weitere Reise an: Direkt nach seinem Erfolg in Heilbronn flog Janosch nach Thailand, um an der „International Conference of Young Scientists“ (ICYS) teilzunehmen. „Es war sehr heiß und schwül, aber mega. Ich genieße solche Veranstaltungen immer und bin dankbar“, erzählt er (Schwäbische.de 2025).

Beim Bundesfinale in Hamburg reichte es zwar nicht für einen der vorderen Plätze in der Gesamtwertung, aber Janosch erhielt einen mit 1.500 Euro dotierten Sonderpreis der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung für eine Arbeit auf den Gebieten der Naturwissenschaften und der Technik (We-Heraeus-Stiftung 2025; Jugend-forscht.de 2025b). Zusätzlich durfte er sich über eine Einladung zur Abschlussveranstaltung der Nobelpreisträgertagung 2025 in Lindau sowie ein Forschungspraktikum am KIT-Zentrum für Elementarteilchen- und Astroteilchenphysik in Karlsruhe freuen (Störck-Gymnasium 2025; Schwäbische.de 2025).

Was bleibt

Janosch Homolya hat die Schule inzwischen hinter sich gelassen. Im Oktober beginnt er sein Physikstudium an der Universität Ulm (SWR 2025). Sein Ziel: weiterforschen und irgendwann promovieren. Ein echtes Wurmloch wird er in seinem Leben vermutlich trotzdem nicht sehen – aber das weiß er selbst. „Vielleicht braucht es noch sechs bis sieben Generationen an Wissenschaftlern, bis wir wirklich verstehen, wie Wurmlöcher funktionieren – oder ob sie überhaupt existieren“, meint er (SWR 2025). Dennoch zeigt seine Arbeit, wie Wissenschaft und Faszination Hand in Hand gehen können – und wie ein junger Mensch aus Bad Saulgau mit Skateboard, Kaffee und jeder Menge Neugier die Grenzen des Vorstellbaren erweitert.

Quellen:


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