Omas WLAN-Netzwerk – Wie eine 72-Jährige ihr Seniorenheim vernetzte [Österreich]
Gertrude Kaufmann saß in ihrem kleinen Zimmer im Seniorenheim St. Josef in Wien und starrte auf ihr Smartphone. Das Display zeigte „Keine Verbindung“. Wieder einmal. Sie wollte ihrer Enkelin in Australien zum Geburtstag gratulieren, aber das WLAN im Heim war so schlecht, dass der Videoanruf ständig abbrach. „Ich hab mir gedacht: Das kann doch nicht sein, dass wir hier wie auf einer Insel leben“, erzählt die 72-Jährige. Also beschloss sie, etwas zu unternehmen – und startete eine der ungewöhnlichsten Crowdfunding-Kampagnen Wiens (ORF 2026).
[Wusstest du? In Deutschland und Österreich haben etwa 60 Prozent der Seniorenheime nur unzureichenden oder gar keinen Internetzugang für die Bewohner. Dabei ist für viele ältere Menschen der Kontakt zu Familie und Freunden über Video die einzige Möglichkeit, soziale Isolation zu vermeiden.]
Eine Oma kämpft fürs Internet
Gertrude Kaufmann ist keine typische Aktivistin. Sie hat ihr Leben lang als Krankenschwester gearbeitet, drei Kinder großgezogen und erst mit 65 ihr erstes Smartphone bekommen. „Meine Enkelin in Australien hat mich so lange genervt, bis ich mir eins gekauft habe. Und dann hat sie mir gezeigt, wie man video-callt. Das war wie ein Wunder! Ich konnte sie sehen, obwohl sie 15.000 Kilometer weg war.“ (ORF 2026)
Aber das Wunder wurde oft zum Frust, weil die Verbindung im Heim einfach nicht stabil war. Also begann Gertrude zu recherchieren. Sie erfuhr, dass das Heim einen Vertrag mit einem Billiganbieter hatte, der nur minimalen Support bot und regelmäßig ausfiel. Die Heimleitung zuckte mit den Schultern: „Die meisten Bewohner interessieren sich doch gar nicht für Internet.“ (ORF 2026)
Da beschloss Gertrude, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Sie lernte, wie man eine Crowdfunding-Kampagne startet, schrieb Texte, drehte mit Hilfe eines jungen Pflegers ein Video und appellierte an die Öffentlichkeit: „Helfen Sie uns, ans Netz zu kommen!“ (ORF 2026)
*[Wusstest du? Crowdfunding ist nicht nur was für junge Start-ups. Gertrude sammelte innerhalb von drei Wochen über 12.000 Euro – genug, um das gesamte Heim mit schnellem Glasfasernetz zu versorgen. Über 300 Menschen spendeten, viele von ihnen ehemalige Nachbarn oder Familienangehörige anderer Bewohner.]*
Schüler helfen beim Aufbau
Mit dem Geld engagierte Gertrude eine lokale Firma, die Glasfaserleitungen verlegte. Aber damit war es nicht getan. „Was nützt das beste Netz, wenn keiner weiß, wie man es nutzt?“, fragte sie sich. Also suchte sie Kontakt zu einer nahegelegenen Schule. Die Schüler einer 9. Klasse waren sofort begeistert von der Idee, den „digitalen Enkeln“ der Heimbewohner zu werden (ORF 2026).
Zwei Wochen lang kamen die Jugendlichen jeden Nachmittag ins Heim. Sie richteten auf den Handys und Tablets der Bewohner die neuen WLAN-Zugänge ein, erklärten, wie man Apps installiert, und zeigten, wie man Videoanrufe startet. „Am Anfang waren wir alle ein bisschen schüchtern“, erzählt die 15-jährige Lena. „Aber dann haben wir gemerkt, dass die Omas und Opas total neugierig sind. Eine hat mir sogar Kuchen gebacken.“ (ORF 2026)
Das Heim erwacht digital
Heute, ein Jahr später, ist das Seniorenheim St. Josef nicht wiederzuerkennen. Im Aufenthaltsraum sitzen Bewohner mit ihren Tablets, zeigen sich gegenseitig Fotos, tauschen sich in einer WhatsApp-Gruppe aus. Gertrude selbst video-callt jeden Abend mit ihrer Enkelin in Australien. „Letzte Woche hat sie mir gezeigt, wie man ihren Verlobten aussieht. Ich konnte ihn sogar auf dem Bildschirm sehen – und er hat mir zugewinkt!“ (ORF 2026)
Das Projekt hat Schule gemacht. Inzwischen haben drei weitere Seniorenheime in Wien ähnliche Crowdfunding-Kampagnen gestartet, und die Schule hat eine feste Kooperation mit dem Heim aufgebaut. Einmal im Monat gibt es einen „Digitaltag“, an dem die Schüler zu Besuch kommen und die neuesten Technologien erklären. „Wir lernen genauso viel wie sie“, gibt Lena zu. „Die alten Leute haben so viel erlebt. Wenn sie anfangen zu erzählen, vergesse ich ganz die Zeit.“ (ORF 2026)
Gertrude Kaufmann ist heute 73 und eine kleine Berühmtheit in der Wiener Seniorenarbeit. Sie hält Vorträge, gibt Tipps für andere Heime und zeigt, dass man nie zu alt ist, um die Welt zu verändern. „Ich wollte einfach nur mit meiner Enkelin sprechen können. Am Ende hab ich ein ganzes Heim vernetzt. Manchmal muss man einfach anfangen.“ (ORF 2026)
Quellen:
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ORF (2026): Seniorenheim bekommt WLAN durch Schülerhilfe. https://wien.orf.at/stories/3256789/
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