Solarbetriebene Entsalzung für Inseln in Kroatien [Kroatien]

Die Insel Unije in der Kvarner Bucht ist ein Ort der Stille. 88 Menschen leben hier ganzjährig, umgeben von klarem Wasser und unberührter Natur. Doch dieser Frieden trügt. Jeden Sommer verwandelt sich die Insel, wenn tausende Touristen kommen – und mit ihnen das alte Problem: Das Wasser wird knapp. Der Nachschub muss mit Schiffen vom Festland gebracht werden, teuer, aufwendig und abhängig vom Wetter. Seit 2017 arbeiten Wissenschaftler, die lokale Energieagentur und die Dorfgemeinschaft an einer Lösung, die Unije zur ersten energieautarken Insel Kroatiens machen könnte – mit einer solarbetriebenen Entsalzungsanlage (Fedarene 2020).

*[Wusstest du? In Kroatien gibt es etwa 50 bewohnte Inseln, die ähnliche Probleme haben. Die meisten sind mit veralteten Wasserleitungen vom Festland verbunden oder komplett auf Schiffstransporte angewiesen. Die Kosten für Trinkwasser sind dort oft drei- bis viermal höher als auf dem Festland (EEA Grants 2021).]*

Ein Modell für 50 Inseln

Die Idee ist einfach, aber ihre Umsetzung komplex: Photovoltaik-Anlagen sollen Strom liefern, um Meerwasser durch Umkehrosmose in Trinkwasser zu verwandeln. Überschüssige Energie wird in Batterien gespeichert, damit die Anlage auch nachts und an bewölkten Tagen arbeiten kann. Das System, das auf Unije entsteht, könnte zum Vorbild für Dutzende kroatische Inseln werden (EEA Grants 2021).

Die Regional Energy Agency Kvarner (REA Kvarner) hat gemeinsam mit der Universität Zagreb eine Machbarkeitsstudie erstellt. Das Ergebnis: Eine Kombination aus Photovoltaik, Batteriespeicher und Entsalzungsanlage kann die Insel nicht nur unabhängig von Wassertransporten machen, sondern auch die Stromversorgung stabilisieren. In Spitzenzeiten soll die Anlage bis zu 100 Kubikmeter Trinkwasser pro Tag liefern – genug für die sommerliche Bevölkerung (Fedarene 2020).

[Wusstest du? Die Technologie der Umkehrosmose ist eigentlich nicht neu. Neu ist ihre Kombination mit erneuerbaren Energien und intelligenten Speichersystemen, die sie auch auf abgelegenen Inseln wirtschaftlich macht.]

Von der Theorie zur Praxis

2017 begannen die Bauarbeiten. Zuerst wurde die alte Straßenbeleuchtung durch LED-Lampen ersetzt – ein erster Schritt zur Energieeffizienz. Dann entstand die erste Ausbaustufe der Entsalzungsanlage, zunächst noch mit Dieselunterstützung. Parallel dazu wurde eine Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von bis zu einem Megawatt geplant (Fedarene 2020).

Das EU-Projekt INSULAE, das auf Unije eines seiner „Leuchtturmprojekte“ durchführt, bringt zusätzliche Impulse. Ein Batteriespeicher mit einem Megawatt Leistung soll künftig die Solaranlage ergänzen und die Insel langfristig zum „Energiepuffer“ für die gesamte Inselgruppe machen (Fedarene 2020).

Goran Stunjek und Goran Krajacic von der Universität Zagreb veröffentlichten 2024 eine wissenschaftliche Studie, die das Potenzial solcher Systeme detailliert untersucht. Ihr Fazit: Die Kombination von erneuerbaren Energien, Batteriespeichern und Wasseraufbereitung in einem integrierten Modell ist nicht nur technisch machbar, sondern auch wirtschaftlich attraktiv. Entscheidend ist die richtige Balance – zu große Kapazitäten bringen keinen zusätzlichen Nutzen (Stunjek & Krajacic 2024).

Andere Inseln ziehen nach

Während Unije voranschreitet, planen andere Inseln ähnliche Projekte. Auf Silba, einer kleinen Insel mit 300 Einwohnern, die im Sommer auf über 5.000 anwachsen, wurde 2020 eine Vorstudie für eine solarbetriebene Entsalzungsanlage vorgelegt. Die Anlage mit einer Kapazität von 100 Kubikmetern pro Tag würde eine 100-Kilowatt-Photovoltaikanlage benötigen – und könnte den Inselbewohnern nicht nur Wasser, sondern auch Unabhängigkeit bringen (IENE 2020).

Besonders innovativ: Die Bewohner von Silba diskutierten bereits über eine Crowdfunding-Kampagne, um das Projekt gemeinsam zu finanzieren. „Die Idee eines solch großen Wandels hat noch nicht genug Unterstützung gefunden“, hieß es damals (IENE 2020). Doch die Diskussion zeigt, dass die Menschen begreifen: Die Zukunft ihrer Inseln hängt von solchen Lösungen ab.

Auf Cres-Lošinj wiederum wird geprüft, ob schwimmende Solarpanels auf dem Vrana-See installiert werden können – der einzigen Süßwasserquelle des Archipels. Sie sollen den Strom für die Pumpstationen liefern, die das Wasser verteilen (NESOI 2025).

Was bleibt

Unije ist noch nicht fertig. Die Insel steht als Symbol für einen langen, mühsamen Prozess – technisch, bürokratisch, finanziell. Aber sie zeigt auch, was möglich ist, wenn Wissenschaftler, Behörden und die Menschen vor Ort zusammenarbeiten. Die 88 Bewohner von Unije haben verstanden: Ihre Heimat stirbt, wenn sie keine Lösung für Wasser und Energie findet. Die Entsalzungsanlage ist mehr als Technik. Sie ist ein Versprechen, dass die Insel eine Zukunft hat.


Quellen:

guteideenblog.org sollte ein interner Link sein. guteideenblog.org © 2025 by Gute Ideen ist lizenziert unter CC BY 4.0. Kurz erklärt: Nutze alles und verlinke auf diesen Artikel.

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