„Abpflastern“ in Bremen – Wie ein Politiker mit einer einfachen Idee die ganze Stadt zum Mitmachen bewegt [Deutschland]
Ralph Saxe stand in seinem eigenen Vorgarten, umgeben von grauen Betonplatten, und dachte: Das kann nicht alles sein. Der umweltpolitische Sprecher der Grünen in der Bremischen Bürgerschaft hatte eine Vision: eine Stadt, in der Wasser versickern kann, in der Pflanzen wachsen, in der es sich an heißen Sommertagen abkühlen lässt – und zwar nicht nur in Parks, sondern überall. Aber er wusste auch: Die Politik allein kann das nicht stemmen. Also rief er die Bremerinnen und Bremer auf, einfach selbst anzufangen. „Abpflastern!“ wurde sein Motto. Ein Aufruf an alle, im eigenen Vorgarten, auf dem Schulhof oder dem Firmengelände die Pflastersteine rauszureißen und Platz für Grün zu schaffen. Was als kleine Idee begann, wurde zu einem Wettbewerb, der die ganze Stadt erfasst hat (Grüne Fraktion Bremen 2026).
[Wusstest du? Versiegelte Flächen heizen sich an heißen Tagen enorm auf und verhindern, dass Regenwasser versickern kann. Ein Quadratmeter entsiegelte Fläche kann im Sommer bis zu 100 Liter Wasser aufnehmen und speichern – und kühlt so die Umgebung auf natürliche Weise.]
Eine Idee aus den Niederlanden
Die Inspiration kam aus den Niederlanden. Dort läuft seit 2020 der Wettbewerb „NK Tegelwippen“, bei dem Städte und Gemeinden gegeneinander antreten, um möglichst viele Pflastersteine zu entfernen. Die Idee, Klimaanpassung und Bürgerbeteiligung spielerisch zu verbinden, fand Saxe so überzeugend, dass er sie nach Bremen holen wollte. Gemeinsam mit einem Bündnis aus Klimainitiativen, der evangelischen Kirche und den Koalitionsparteien brachte er das Projekt auf den Weg (taz 2025).
„Fast jeder kann abpflastern und selbstwirksam aktiv fürs Klima und unsere grüne, lebenswerte Stadt werden!“, sagt Saxe. „Stell Dir vor: Bremen pflastert ab – und alle machen mit!“ (Grüne Fraktion Bremen 2026).
[Wusstest du? Der Wettbewerb ist Teil einer bundesweiten Initiative, die von Studierenden der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung in Koblenz ins Leben gerufen wurde. Bremen ist eine von über 30 deutschen Städten, die 2026 mitmachen.]
So funktioniert der Wettbewerb
Vom 21. März bis 31. Oktober 2026 zählt jeder Quadratmeter, der von Pflaster, Asphalt oder Beton befreit wird. Teilnehmen kann jeder: Privatpersonen, Vereine, Schulen, Firmen. Die Regeln sind bewusst einfach: Vorher-Foto machen, Fläche ausmessen, Steine rausreißen, Nachher-Foto machen, online eintragen unter www.bremen-pflastert-ab.de (Senatorin für Umwelt 2026).
Die Stadt hat drei Kategorien ausgezeichnet:
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Die „Goldene Spitzhacke“ für die größte entsiegelte Fläche
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Die „Goldene Gießkanne“ für die schönste Gestaltung
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Der „Grüne Roland“ als Wanderpokal für den Stadtteil mit dem meisten Engagement (Senatorin für Umwelt 2026)
Alle in Bremen gemeldeten Flächen fließen sowohl in die städtische als auch in die bundesweite Wertung ein. Bremen tritt dabei gegen andere Großstädte wie Hamburg und Frankfurt an – um die meisten Steine pro Einwohner (Senatorin für Umwelt 2026).
Mehr als nur Steine klopfen
Was auf den ersten Blick wie ein simpler Wettbewerb aussieht, hat eine tiefere Bedeutung. Die zunehmenden Belastungen durch Starkregen und Hitzeperioden machen deutlich, dass Städte sich verändern müssen. Stark befestigte Flächen verhindern, dass Regenwasser versickern kann, und heizen sich an heißen Tagen stark auf. Durch die Entsiegelung wird der Boden wieder aufnahmefähig, die Kanalisation entlastet und das Stadtklima verbessert (Senatorin für Umwelt 2026).
Gleichzeitig entstehen neue Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Und nicht zuletzt hat die Aktion eine soziale Dimension: Nachbarn lernen sich kennen, Schulklassen arbeiten gemeinsam an ihrem Pausenhof, Firmen engagieren sich für ihr Umfeld. „Wo heute noch Stein liegt, kann morgen Grün wachsen“, sagt Senatorin Henrike Müller (Senatorin für Umwelt 2026).
[Wusstest du? In anderen Städten sind schon erstaunliche Projekte entstanden. In Flensburg verwandelte eine Initiative zehn versiegelte Parkplätze in einen 200 Quadratmeter großen Garten. In Mettingen bei Osnabrück wurden 4.983 Steine pro 1.000 Einwohner entfernt – das sind umgerechnet über 50.000 Steine bei 11.500 Einwohnern (taz 2025).]
Wie Ralph Saxe die Stadt bewegt
Ralph Saxe selbst geht mit gutem Beispiel voran. In seinem Vorgarten hat er längst alle Steine entfernt und ein Wildblumenbeet angelegt. „Man muss nicht warten, bis die Stadtverwaltung etwas tut“, sagt er. „Jeder kann anfangen – vor der eigenen Haustür.“ (Grüne Fraktion Bremen 2026).
Sein Appell hat Wirkung gezeigt. Inzwischen haben sich in Bremen Dutzende Initiativen gebildet, die gemeinsam abpflastern. Schulklassen, die ihren Pausenhof grüner machen, Nachbarschaftsgruppen, die Hinterhöfe verwandeln, Unternehmen, die ihre Parkplätze entsiegeln. „Es ist unglaublich, was passiert, wenn man den Menschen einfach zutraut, dass sie etwas bewegen können“, sagt Saxe (Grüne Fraktion Bremen 2026).
Die Preisverleihung findet am 19. November 2026 statt. Wer gewinnt, ist noch offen. Aber eines ist schon jetzt klar: Bremen ist auf dem besten Weg, eine grünere, kühlere und lebenswertere Stadt zu werden – Stein für Stein.
Quellen:
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Grüne Fraktion Bremen (2026): Abpflastern! An die Plätze, fertig, los!. https://www.gruene-fraktion-bremen.de/presse/pressemitteilungen/abpflastern-an-die-plaetze-fertig-los/
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Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft (2026): Bremen startet Wettbewerb „Bremen pflastert ab!“. https://www.senatspressestelle.bremen.de/pressemitteilungen/bremen-startet-wettbewerb-bremen-pflastert-ab-481731
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taz (2025): Entsiegelungs-Wettbewerb „Abpflastern“: Bremen reißt Asphalt weg. https://taz.de/Entsiegelungs-Wettbewerb-Abpflastern/!6134336/
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abpflastern.de (2026): FAQ – Häufig gestellte Fragen. https://www.abpflastern.de/index.php/faq/
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abpflastern.de (2026): Mitmachen – Schritt-für-Schritt-Anleitung. https://www.abpflastern.de/index.php/mitmachen/
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