Drohnen überwachen illegale Fischerei in Chile [Chile]
Die Gewässer vor der chilenischen Küste gehören zu den fischreichsten der Welt. Doch ihr Reichtum lockt nicht nur legale Fischer an, sondern auch solche, die sich nicht an Regeln halten. Illegale Fischerei ist eines der größten Umweltprobleme unserer Zeit – mit verheerenden Folgen für Fischbestände, Meeresökosysteme und die Menschen, die legal von ihnen leben. Weltweit werden jährlich schätzungsweise 26 Millionen Tonnen Fisch illegal gefangen, was einem Wert von bis zu 23 Milliarden Dollar entspricht (CSIRO 2020). In Chile haben Wissenschaftler und Behörden eine ungewöhnliche Waffe gegen diese Bedrohung entwickelt: intelligente Roboter, die im Stillen lauschen und beobachten.
*[Wusstest du? Illegaler Fischfang ist nach Waffen- und Drogenhandel das drittlukrativste internationale Verbrechen. Es bedroht die Lebensgrundlage von schätzungsweise 120 Millionen Menschen weltweit, die direkt oder indirekt von der Fischerei abhängen.]*
Wenn Maschinen lernen, Verbrechen zu erkennen
Die Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO), Australiens nationale Wissenschaftsbehörde, hat gemeinsam mit Microsoft ein ungewöhnliches Projekt gestartet. Vor den Küsten Indonesiens und am Great Barrier Reef lauern Roboter auf ihre Chance – nicht um zu kämpfen, sondern um zu beobachten. Sie kombinieren Kameras mit Unterwasser-Mikrofonen (Hydrophonen) und lernen mithilfe von künstlicher Intelligenz, verdächtige Aktivitäten zu erkennen (CSIRO 2020).
Das System kann Schiffsgeräusche analysieren, das Zünden von Sprengstoff (in Indonesien leider noch immer übliche Praxis) identifizieren und verdächtige Bewegungsmuster erkennen. Sobald die KI fündig wird, schickt sie in Echtzeit eine Warnung an die Strafverfolgungsbehörden. „Wir trainieren die Roboter darauf, verdächtige Aktivitäten zu erkennen und sofort zu melden“, erklärt Dr. Chris Wilcox, leitender Wissenschaftler bei CSIRO (CSIRO 2020).
[Wusstest du? Die Hydrophone können Sprengstoffzündungen noch aus zehn Kilometern Entfernung und bis zu 30 Metern Tiefe hören – lange bevor ein menschlicher Beobachter etwas bemerken würde.]
Chiles Weg zur Transparenz
Während die Roboter vor Indonesien lauschen, setzt Chile auf eine andere Form der Intelligenz: Transparenz. Seit den frühen 2000er Jahren ist das Land ein Vorreiter bei der Überwachung seiner Fischereiflotte. Jedes industrielle Fischereischiff ist gesetzlich verpflichtet, ein VMS-Gerät (Vessel Monitoring System) an Bord zu haben, das seine Position in Echtzeit an die Behörden übermittelt (Global Fishing Watch 2024).
Im Jahr 2020 ging Chile einen entscheidenden Schritt weiter: Es machte seine VMS-Daten über Global Fishing Watch öffentlich zugänglich. Jeder kann jetzt sehen, wo die chilenischen Flotten unterwegs sind. „Transparenz gibt jedem, national wie international, Gewissheit darüber, woher ihr Fisch kommt und ob die Vorschriften eingehalten wurden“, sagt Soledad Tapia, Generaldirektorin der chilenischen Fischereibehörde Sernapesca (Global Fishing Watch 2024).
Parallel dazu entwickeln Forscher der Stanford University gemeinsam mit chilenischen Behörden neue Methoden, um die gesammelten Daten noch besser zu nutzen. Ein aktuelles Projekt kombiniert Satellitendaten mit chilenischen Regierungsdaten, um IUU-Fischerei-Risiken zu analysieren. Durch die Bewertung des Verhaltens von Schiffen und die Identifizierung von Hochrisikogebieten können gezielt Strategien entwickelt werden, um gegen illegale Fischerei vorzugehen (Stanford Woods Institute 2024).
Die Herausforderung der kleinen Fischerei
Während die industrielle Fischereibungut überwacht wird, ist die Situation in der kleinbäuerlichen Fischerei komplizierter. Ein Forschungsprojekt des Imperial College London und der University of Oxford untersucht genau diese Lücke. Die Forscher um Lessah Mandoloma arbeiten mit chilenischen Fischern zusammen, um zu verstehen, warum Menschen illegal handeln – und wie man sie mit Verhaltenswissenschaften vielleicht davon abbringen kann (ICCS 2022).
„Historisch gesehen wurde versucht, illegale Fischerei durch Abschreckung zu bekämpfen – durch die Androhung von Strafen“, erklärt das Projekt. „Aber das funktioniert oft nicht, weil die Ressourcen für die Durchsetzung fehlen und weil menschliches Verhalten nicht immer rationalen wirtschaftlichen Entscheidungen folgt.“ (ICCS 2022). Soziale Dynamiken, kulturelle Werte und normative Faktoren spielen eine ebenso große Rolle.
Ein Modell für die Welt
Was in Chile entsteht, könnte Vorbild für andere Länder werden. Die Kombination aus transparenter Datenerfassung, moderner Überwachungstechnologie und verhaltenswissenschaftlicher Forschung ist einzigartig. Macarena Cepeda, Präsidentin der Industriellen Fischer von Biobío, bringt es auf den Punkt: „Die industrielle Fischerei hat verstanden, dass mehr Regulierung auch mehr Transparenz bedeutet. Wenn man sich an die Regeln hält, ist es kein Problem, alles zu dokumentieren.“ (Global Fishing Watch 2024).
Die Roboter vor Indonesien lauschen weiter, die Satelliten kreisen über Chile, und die Forscher arbeiten an neuen Methoden, um das zu verstehen, was sich der Beobachtung entzieht. Ein Wettlauf gegen die Zeit – und gegen diejenigen, die sich nicht an Regeln halten wollen.
Quellen:
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CSIRO (2020): Artificial and human intelligence used to tackle illegal fishing. https://www.csiro.au/en/news/all/articles/2020/august/tackling-illegal-fishing
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Global Fishing Watch (2024): Transparency in Focus: Chile. https://globalfishingwatch.org/transparency-in-focus-chile/
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Stanford Woods Institute (2024): Combating illegal fishing with satellite data and analytics. https://woods.stanford.edu/research/funding-opportunities/realizing-environmental-innovation-program/combating-illegal-fishing
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ICCS (2022): Tackling Small-Scale Illegal Fishing in Chile. https://iccs.org.uk/project/tackling-small-scale-illegal-fishing-in-chile/
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