Solarbetriebene Impfstoff-Kühlung in Papua-Neuguinea [Papua-Neuguinea]
Die Berge von Papua-Neuguinea sind so hoch und unzugänglich, dass viele Dörfer nur zu Fuß oder mit dem Flugzeug erreichbar sind. Für Impfstoffe, die ununterbrochen gekühlt werden müssen, ist das eine tödliche Hürde. Die „letzte Meile“ der Kühlkette – der Weg vom nächsten Kühlschrank ins abgelegene Dorf – war lange Zeit unüberwindbar. 2022 startete die Regierung gemeinsam mit UNICEF ein Programm, das diese Lücke schließen soll: solarbetriebene Impfstoff-Kühlschränke, die selbst in den entlegensten Winkeln des Landes zuverlässig arbeiten (UNICEF 2024).
*[Wusstest du? Papua-Neuguinea hat eine der niedrigsten Impfraten der Welt. Nur 52 Prozent der Kinder erhalten alle notwendigen Impfungen. Einer der Hauptgründe: die unzuverlässige Kühlkette in den abgelegenen Bergregionen.]*
Die letzte Meile überwinden
Das Problem ist so alt wie die Impfung selbst. Impfstoffe müssen konstant zwischen zwei und acht Grad Celsius gekühlt werden – vom Hersteller bis zum Moment der Injektion. In Industrieländern ist das selbstverständlich. In Papua-Neuguinea, wo viele Dörfer keinen Strom haben und die Wege unwegsam sind, war es lange unmöglich (UNICEF 2022).
Die Lösung: solarbetriebene Kühlschränke mit Spezialbatterien, die auch an bewölkten Tagen und in der Nacht durchhalten. Die Geräte sind robust genug für den Transport auf unbefestigten Straßen, einfach genug für die Wartung durch lokales Personal und günstig genug für den flächendeckenden Einsatz. Seit 2022 wurden über 200 solcher Geräte im Land installiert (WHO 2025).
[Wusstest du? Die modernen Solarkühlschränke können Impfstoffe bis zu 20 Tage ohne Sonne kühl halten – ein entscheidender Vorteil in Regionen mit langen Regenzeiten.]
Ein Netzwerk aus Sonne und Kälte
Die neuen Geräte sind Teil eines umfassenden Modernisierungsprogramms. Das „Comprehensive Emergency Preparedness and Response Plan“ der Regierung sieht nicht nur die Anschaffung neuer Kühlgeräte vor, sondern auch die Schulung von lokalem Personal, die Einrichtung von Ersatzteillagern und die Verbesserung der Transportwege (UNICEF 2024).
Ein besonderer Fokus liegt auf dem „Last-Mile-Transport“ – den oft tagelangen Fußmärschen, die nötig sind, um die Dörfer in den Bergen zu erreichen. Hier kommen spezielle Kühlboxen zum Einsatz, die mit Kühlakkus bestückt werden und die Impfstoffe auch unterwegs sicher kühlen. Die Akkus selbst werden in den solarbetriebenen Stationen wieder aufgeladen – ein geschlossener Kreislauf, der ohne fossile Brennstoffe auskommt (WHO 2025).
Impfen im Morgengrauen
Die Gesundheitshelferinnen und -helfer in den Dörfern brechen oft vor Sonnenaufgang auf. Sie tragen ihre Kühlboxen wie Rucksäcke, steigen über schmale Pfade, durchqueren Flüsse, waten durch Schlamm. Wenn sie ankommen, wissen die Mütter bereits Bescheid. Die Kinder werden versammelt, die Impfpässe hervorgekramt, die Ärmchen hochgekrempelt.
Eine dieser Helferinnen ist Martha Kaupa aus dem Dorf Menyamya in der Morobe-Provinz. Sie berichtete UNICEF: „Früher mussten wir die Kinder in die nächste Stadt bringen, wenn wir impfen wollten. Das war ein dreitägiger Marsch. Viele kamen nicht. Heute kommen wir zu ihnen.“ (UNICEF 2024).
Ein Modell für den Pazifik
Der Erfolg des Programms hat sich herumgesprochen. Die Pazifik-Nachbarn – Salomonen, Vanuatu, Fidschi – haben ähnliche Projekte gestartet oder planen sie. Die WHO hat Papua-Neuguinea 2025 als „Modellland für solarbetriebene Kühlketten“ ausgezeichnet (WHO 2025).
Das Ziel ist ehrgeizig: Bis 2030 sollen 90 Prozent aller Kinder in Papua-Neuguinea Zugang zu allen lebenswichtigen Impfungen haben. Ein Ziel, das ohne die Sonne und die neuen Kühlschränke undenkbar wäre.
Quellen:
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UNICEF (2024): UNICEF Papua New Guinea Humanitarian Situation Report No. 5. https://www.unicef.org/media/163321/file/PNG-Humanitarian-SitRep-5-2024.pdf
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UNICEF (2022): *UN-Water global analysis and assessment of sanitation and drinking-water (GLAAS) 2022 report*. https://www.unicef.org/media/137636/file/GLAAS-2022-report.pdf
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WHO (2025): PNG: Immunization and vaccine development. https://www.who.int/westernpacific/health-topics/immunization/papua-new-guinea
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