„Deine Herkunft soll dich nicht bremsen“: Wie ein Berliner Verein tausenden jungen Menschen den Karriereweg ebnet
Es ist ein Gefühl, das viele kennen, aber kaum einer ausspricht: Das Bewerbungsgespräch lief gut, der Lebenslauf ist makellos, aber irgendwie hat man das Gefühl, nicht so richtig dazuzugehören. Die Eltern können nicht mit Tipps helfen, weil sie selbst nie in dieser Welt waren. Das richtige Netzwerk? Fehlanzeige. Für Menschen, die als Erste in ihrer Familie studieren oder aus finanzschwachen Verhältnissen kommen, ist der Weg nach oben oft steiniger als für andere. Ein Berliner Verein hat sich genau dieser Herausforderung verschrieben.
Es begann 2016 mit einer Frau und einer Idee. Natalya Nepomnyashcha, selbst sozial aufgestiegen, gründete Netzwerk Chancen in Berlin. Ihre Vision: Eine Organisation, die talentierten Menschen aus nichtakademischen oder finanzschwachen Familien das gibt, was ihnen oft fehlt – Kontakte, Wissen, Selbstvertrauen und ein starkes Netzwerk (betterplace.org 2025; LinkedIn o.J.).
Heute, zehn Jahre später, ist daraus eine Bewegung geworden. Über 3.500 Mitglieder zählt das kostenlose Karriereprogramm „Netzwerk Chancen. Aufsteiger“ für 18- bis 39-Jährige. Seit März 2025 gibt es mit „Aufstieg 40+“ ein eigenes Programm für diejenigen, die später im Leben nochmal durchstarten wollen – bereits über 400 Menschen haben sich angemeldet (betterplace.org 2025). Die Botschaft ist klar: Für sozialen Aufstieg ist es nie zu spät.
Wusstest du?
47 Prozent aller Studierenden in Deutschland sind sogenannte Erstakademiker*innen – ihre Eltern haben nie studiert. Sie stehen vor besonderen Herausforderungen: kein Elternhaus, das bei Hausarbeiten hilft, keine beruflichen Netzwerke, oft weniger finanzielle Polster (BHT Berlin 2026).
Was das Programm bietet
Das Angebot von Netzwerk Chancen liest sich wie ein Rundum-sorglos-Paket für den Karriereweg – und ist komplett kostenlos (netzwerk-chancen.de o.J.; BHT Berlin 2026):
Mentoring: Ein Jahr lang arbeiten die Mitglieder eins zu eins mit einer erfahrenen Führungskraft zusammen. Die Mentorinnen und Mentoren kommen aus renommierten Unternehmen, kennen die Hürden und helfen, sie zu überwinden.
Workshops: Von „Selbstbewusstsein stärken“ über „Crossmediales Storytelling“ bis zu „Finanzielle Unabhängigkeit“ – die Themen sind praxisnah und werden von Expertinnen gehalten (LinkedIn 2025).
Einzelcoachings: Wer individuelle Unterstützung braucht, kann kostenlose Coachings nutzen – für Lebenslauf-Checks, Bewerbungstrainings oder Strategien für schwierige Gespräche.
Kontakte zu Arbeitgebenden: Unternehmen, die Wert auf Chancengleichheit legen, kommen gezielt auf die Mitglieder zu. Beim jährlichen Social Diversity Summit in Berlin treffen Aufsteigerinnen und Arbeitgebende direkt aufeinander – 2025 kamen rund 200 Teilnehmende zusammen (betterplace.org 2025; netzwerk-chancen.de o.J.).
Eine einzigartige Community: Vielleicht das Wichtigste: Die Mitglieder treffen auf Gleichgesinnte, die ähnliche Wege gehen. Kein Erklären-Müssen, sondern Verstanden-Werden.
Wusstest du?
Eine aktuelle Studie des ifo-Instituts zeigt: Der Einfluss des Elternhauses auf die Bildungschancen hat sich innerhalb einer Generation verdoppelt. Die soziale Herkunft entscheidet heute mehr denn je über Karrierechancen (betterplace.org 2025; LinkedIn 2025). Genau hier setzt Netzwerk Chancen an.
Was bleibt
Koray, ein Mitglied des Programms, bringt es auf den Punkt: „Dank Netzwerk Chancen habe ich direkt nach dem Studium einen Job als Berater gefunden“ (netzwerk-chancen.de o.J.). Hinter diesem Satz stehen unzählige Workshops, Coaching-Stunden, ermutigende Gespräche und vor allem: die Gewissheit, dass die Herkunft kein Hindernis sein muss.
Im September 2025 wurden beim Social Diversity Summit zum zweiten Mal die Social Diversity Awards verliehen – an Unternehmen, Führungskräfte und Aufsteigerinnen, die sich für mehr Chancengleichheit einsetzen (betterplace.org 2025). Ein Abend voller Inspiration – und eine Erinnerung daran, wie viel noch zu tun bleibt.
Natalya Nepomnyashcha hat 2024 ihr Buch „Wir von unten“ veröffentlicht, ein Teil der Erlöse fließt an Netzwerk Chancen (LinkedIn 2024). Ein Buch von einer, die weiß, wovon sie spricht. Und ein Verein, der weitermacht. Bis die soziale Herkunft wirklich keine Rolle mehr spielt.
Quellen:
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betterplace.org. 2025. „Netzwerk Chancen NC gGmbH – Über uns“. [online] Verfügbar unter: https://www.betterplace.org/de/organisations/28859-netzwerk-chancen-nc-ggmbh [Zugriff am 16. März 2026].
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BHT Berlin. 2026. „Netzwerk Chancen: Kostenfreie Unterstützung für deinen sozialen Aufstieg“. [online] Verfügbar unter: https://www.bht-berlin.de/3652/article/9219 [Zugriff am 16. März 2026].
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LinkedIn. o.J. „Netzwerk Chancen – Unternehmensprofil“. [online] Verfügbar unter: https://www.linkedin.com/company/netzwerkchancen/ [Zugriff am 16. März 2026].
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netzwerk-chancen.de. o.J. „Karriereprogramme für Aufsteiger*innen“. [online] Verfügbar unter: https://www.netzwerk-chancen.de/aufsteiger [Zugriff am 16. März 2026].
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