„Verbundenheit ist die beste Medizin“: Wie eine Frau auf Rügen das Altern neu denkt

Es ist später Nachmittag auf dem Haidhof bei Gingst, die Sonne steht tief über den Feldern. Eine Gruppe Kinder gräbt Löcher für junge Apfelbäume, daneben pflanzt eine ältere Frau Ringelblumen an. Jemand bringt frisches Wasser für die Hühner vorbei, aus der offenen Scheune hört man Gelächter. Für Anja Kopp ist genau das der Moment, von dem sie immer geträumt hat: ein Ort, an dem das Alter nicht im stillen Kämmerchen stattfindet, sondern mitten im Leben (bauernhofstattaltenheim.de, o.J.).

Vor einigen Jahren erhielt Anja Kopp die Diagnose Brustkrebs. Wie so oft in solchen Krisen stellte sie sich die Frage: Was ist wirklich wichtig im Leben? Die Antwort, die sie nach ihrer Genesung fand, war radikal. Statt in ein klassisches Seniorenheim wollte sie einen Ort schaffen, an dem Menschen würdevoll, selbstbestimmt und vor allem: in Verbundenheit mit anderen, mit Tieren und mit der Natur alt werden können (Altenpflege-Online, 2025). 2022 gründete sie den Verein „Bauernhof statt Altenheim e.V.“ – und begann, auf Rügen eine Vision Wirklichkeit werden zu lassen (Ideenwettbewerb RLP, o.J.).

Wusstest du? „Für uns bedeutet gutes Altern mehr als gute Pflege und Versorgung“, sagt Anja Kopp. „Es heißt, selbstbestimmt und in echter Verbundenheit mit Menschen, Tieren und der Natur zu leben“ (Altenpflege-Online, 2025).

Ein Klassenzimmer im Grünen

Ein zentraler Baustein dieser Vision ist ein 4.000 Quadratmeter großes Gelände, das der Verein auf dem Haidhof gestaltet – mit Hochbeeten, einer Streuobstwiese und Permakultur (machen!2025, 2025). Hier helfen Kinder aus der Umgebung mit, lernen den respektvollen Umgang mit der Natur und begegnen dabei ganz selbstverständlich den älteren Menschen, die auf dem Hof leben. Das Nordmagazin des NDR begleitete bereits eine Ferienwoche, in der gemeinsam eine Streuobstwiese angelegt wurde (bauernhofstattaltenheim.de, 2025).

Doch das ist erst der Anfang. Geplant sind Hausaufgabenbetreuung, ein Hofcafé und regelmäßige Ackergruppen an den Hochbeeten – immer gemeinsam mit Kitas und Schulen der Umgebung (machen!2025, 2025). Der Hof wird so zum Tor zwischen den Generationen, zum Ort, an dem Alt und Jung voneinander lernen und füreinander da sind.

Vier Säulen für ein würdevolles Leben

Das Konzept von „Bauernhof statt Altenheim“ ruht auf vier Säulen (bauernhofstattaltenheim.de, o.J.):

Die Lebensgemeinschaft im Alter: Etwa 20 Bewohnerinnen und Bewohner sollen hier ein Zuhause finden – in einer Mischung aus Gemeinschaftsräumen und kleinen, ökologischen Apartmenthäusern. Jede und jeder kann nach Neigung mithelfen: Tiere füttern, gärtnern, handwerkeln. Wer Verantwortung übernimmt, bleibt länger fit – das ist kein frommer Wunsch, sondern belegt.

Haus- und Hoftiere: Hühner, Ponys, Hunde, Katzen, Zwergkaninchen – sie alle sind fest eingeplant. Und natürlich dürfen die Bewohner ihre eigenen Tiere mitbringen. Denn wer ein Leben lang ein Haustier hatte, soll sich im Alter nicht davon trennen müssen.

Obst- und Gemüsehof in Permakultur: Der Garten liefert nicht nur frisches Gemüse für den eigenen Bedarf, sondern auch für den Hofladen. Die Böden werden nachhaltig bewirtschaftet, Kreislauffähigkeit ist das Ziel.

Das Lernzentrum: Die Pionierarbeit soll weitergegeben werden. In einem Lernzentrum können andere Initiativen lernen, wie man ähnliche Projekte aufbaut – ein Netzwerk für naturverbundenes Leben in ganz Deutschland.

Wusstest du? Das Projekt wurde im November 2025 Landessieger des Wettbewerbs „Gesichter für ein gesundes Miteinander“ in Mecklenburg-Vorpommern. Gesundheitsministerin Stefanie Drese lobte das Engagement als eindrucksvolles Beispiel dafür, „wie stark unser Land von Menschen profitiert, die Verantwortung übernehmen und Gemeinschaft gestalten“ (Altenheim.net, 2025).

Was bleibt

Der Haidhof ist noch im Aufbau. Die Bauvoranfrage ist gestellt, erste Förderungen sind bewilligt, und die Vision wird Schritt für Schritt Wirklichkeit (LinkedIn, o.J.). Wer sich für das Projekt interessiert, kann auf der Website erste Informationen finden oder eine „Interessensbekundung“ abgeben (bauernhofstattaltenheim.de, o.J.).

Denn am Ende geht es um etwas ganz Einfaches: darum, dass das Leben auch im Alter lebendig bleibt. Dass Menschen gebraucht werden. Dass Kinder und Alte sich begegnen. Dass Tiere trösten und der Garten Kraft gibt. Keine Utopie, sondern gelebte Praxis – auf einem Hof auf Rügen.


Quellen:


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