Knotenkunst – Wie eine Künstlerin aus Portland Makramee zurück in die Wohnzimmer brachte
Es war eine Versöhnungsreise. Emily Katz, Ende zwanzig, fuhr 2012 nach Connecticut, um ihre Mutter zu besuchen – eine Frau, zu der sie seit der Kindheit kaum Kontakt hatte. Sie wusste nicht, worüber sie reden sollte. Also fragte sie nach Makramee.
Ihre Mutter hatte in den 1970er Jahren Makramee-Pflanzenampeln geknüpft und an einem Friseursalon verkauft – um sich ihre erste Martin-Gitarre leisten zu können. Emily kannte diese Geschichte. Und sie hoffte, dass sie, wenn sie gemeinsam basteln würden, vielleicht auch miteinander reden könnten. Sie sammelten Baumwollschnur, einen Metallring und ein paar alte Perlen aus dem Basteldrawer der Mutter. Während Emilys Halbschwestern im Nebenzimmer vegane Kekse buken und ihr Freund auf dem Boden die alte Martin spielte, lernten Mutter und Tochter gemeinsam knüpfen.
(Amazon / Modern Macramé 2018) Ein paar Monate später kam ein japanisches Lifestyle-Magazin nach Portland, um Emilys Wohnung zu fotografieren. Die Reporterin fragte, wo die Pflanzenampeln im Badezimmer herkämen. Emily erzählte die Geschichte. Die Reporterin hörte zu – und fragte dann: „Aber wo bekommt man sie?“ Emily dachte kurz nach. Dann fragte sie, ob die Reporterin noch Zeit hätte, es selbst zu lernen.
Von Portland in die ganze Welt
(Modern Macramé / modernmacrame.com 2018) Heute hat Emily Katz Tausende von Menschen auf der ganzen Welt in ausverkauften Workshops Makramee gelehrt. Sie hat maßgefertigte Installationen für Microsoft und Ralph Lauren geschaffen, wurde in der Los Angeles Times, in Elle Japan und Buzzfeed porträtiert und 2018 ihr Buch „Modern Macramé“ veröffentlicht – ein Standardwerk mit 33 Projekten, das Anfänger und Fortgeschrittene gleichermaßen anspricht.
Was sie betreibt, ist Knotenkunst. (Denver Post 2016) Makramee erlebte seinen ersten Höhepunkt im 20. Jahrhundert in den freien 1970er Jahren – Pflanzenampeln, Wandbehänge, geknotete Gürtel und Ponchos. Mitte der 1980er verschwand die Technik nahezu vollständig aus den Wohnzimmern. Zu Hippie, zu altmodisch, zu bäuerlich. Und dann kam Emily Katz.
Wusstest du? (Denver Post 2016) Makramee ist keine Erfindung der Hippies: Im viktorianischen England war die Knotenkunst im 19. Jahrhundert eine verbreitete Technik für Tagesdecken, Vorhänge und Tischdecken – lange bevor sie in den Communes Kaliforniens mit Jute und Topfpflanzen neu interpretiert wurde.
Schnur, Knoten, Pflanze
Das Grundprinzip von Makramee ist täuschend einfach. (Amazon / Modern Macramé 2018) Eine Pflanzenampel entsteht aus Baumwollschnur, einem Metallring und zwei Grundknoten: dem quadratischen Knoten und dem halben Schlagknoten. Die Schnur wird am Ring befestigt, in gleichmäßigen Abständen geknotet, in der Mitte zu einer Tasche geformt – und fertig ist die Halterung für jeden Topf.
(Gardenista 2017) Emily Katz arbeitet bevorzugt mit Baumwollschnur, die dem Werk eine weiche, textile Qualität verleiht. Jute, der klassische 70er-Jahre-Stoff, ist etwas rauer und gibt der Ampel einen bewusst nostalgischen Look. Beide Materialien sind günstig, überall erhältlich und für Anfängerinnen und Anfänger gut verarbeitbar.
Was das Makramee-Revival von seinem 70er-Jahre-Vorgänger unterscheidet, ist vor allem die Ästhetik: cleaner, minimalistischer, weniger Fransen, mehr Form. (Laidback Gardener 2018) Martha Stewart erklärte Makramee-Dekor zum Hochzeitstrend. IKEA brachte Pflanzenampeln aus Baumwolle ins Sortiment. CB2 beschrieb seinen Makramee-Pflanzenhalter als „70s Flashback“ – und meinte das als Kompliment.
Wusstest du? (Modern Macramé 2018) Emily Katz hat ihre Pflanzenampeln und Wandbehänge zunächst im eigenen Haus aufgehängt – einem Zuhause mit über hundert Pflanzen, die auf nahezu jeder Fläche wachsen, klettern und hängen. Die Pflanzen brauchten Halterungen. Das Handwerk kam zu den Pflanzen.
Heute lebt Emily Katz in Portland, Oregon – nach wie vor mit Pflanzen, Schnur und ausverkauften Workshops. Die Gitarre der Mutter hängt vermutlich noch immer an der Wand in Connecticut.
Quellen
Wit & Delight 2017. „Emily Katz: Artist, Entrepreneur and Macrame Connoisseur.“ [online] Verfügbar unter: https://witanddelight.com/2017/02/emily-katz-artist-entrepreneur-macrame-connoisseur/
Modern Macramé 2018. „Modern Macramé by Emily Katz.“ [online] Verfügbar unter: https://modernmacrame.com/products/book
Gardenista 2017. „Still Life with Houseplants: Macramé Artist Emily Katz in Portland, Oregon.“ [online] Verfügbar unter: https://www.gardenista.com/posts/still-life-with-houseplants-macrame-artist-emily-katz-in-portland-oregon/
Denver Post 2016. „Macramé, a hippie art form, becomes hip again.“ [online] Verfügbar unter: https://www.denverpost.com/2016/06/25/macram-a-hippie-art-form-becomes-hip-again/
Laidback Gardener 2018. „Macramé Plant Hangers Are Trendy Again: Who Knew?“ [online] Verfügbar unter: https://laidbackgardener.blog/2018/10/24/macrame-plant-hangers-are-trendy-again-who-knew/
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