Mache euren Spielplatz inklusiv – Kleine Änderungen mit großer Wirkung
Du musst keinen neuen Spielplatz bauen, um Inklusion möglich zu machen. Die Erfahrungen aus Dänemark und die neue DIN-Norm zeigen: Oft sind es die kleinen Änderungen, die einen großen Unterschied machen – und die kannst du mit deiner Nachbarschaftsinitiative, deinem Elternbeirat oder deinem Verein anstoßen (bfb barrierefrei bauen 2024).
Die Idee ist einfach: Ein bestehender Spielplatz wird Schritt für Schritt so umgestaltet, dass alle Kinder willkommen sind – egal mit welchen Fähigkeiten oder Einschränkungen. Hier erfährst du, wie du vorgehen kannst.
Was du brauchst
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Eine Gruppe engagierter Eltern, Nachbarn oder Vereinsmitglieder
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Kontakt zur Gemeinde oder zum Spielplatzbetreiber
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Eine Bestandsaufnahme des vorhandenen Spielplatzes
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Kreativität und die Bereitsung, kleine Schritte zu gehen
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Vielleicht: Kontakt zu einem Spielplatzprüfer oder Inklusionsfachmann
Wusstest du? In Nürnberg haben der Servicebetrieb Öffentlicher Raum und das Jugendamt eine Broschüre mit dem „kleinen Spielplatz 1×1“ herausgegeben – inklusive aller wichtigen Infos zur inklusiven Gestaltung. Sie steht kostenlos online zur Verfügung (Stadt Nürnberg 2025).
Los geht’s – in 7 Schritten
1. Informiere dich über die Grundlagen
Bevor du loslegst, mach dich schlau. Die neue DIN/TS 18034-2 definiert sechs Grundbedingungen für inklusive Spielräume (bfb barrierefrei bauen 2024). Lies dich ein, schau dir Beispiele an, sprich mit Fachleuten. Je besser du Bescheid weißt, desto überzeugender kannst du argumentieren.
2. Mach eine Bestandsaufnahme
Geh mit offenen Augen über euren Spielplatz. Was ist schon gut? Was fehlt? Notiere:
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Sind die Wege breit genug für Rollstühle? (mindestens 1,50 m, besser 1,80 m)
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Gibt es Stufen oder Kanten, die Hindernisse darstellen?
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Sind die Spielgeräte für Kinder mit unterschiedlichen Fähigkeiten nutzbar?
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Gibt es Angebote für verschiedene Sinne (Hören, Tasten, Riechen)?
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Sind Sitzgelegenheiten vorhanden, die auch für Begleitpersonen nutzbar sind? (wba-weimar.de 2024; Tourismusnetzwerk Niedersachsen 2026)
3. Sprich mit den Betroffenen
Das Wichtigste: Frag die Kinder selbst! Und frag Eltern von Kindern mit Behinderung, frag Erzieherinnen und Erzieher, frag den örtlichen Behindertenbeirat. Was wird gebraucht? Was fehlt? Was wünschen sich die, die es betrifft? In Nürnberg ist die Beteiligung der Nutzer standardmäßiger Teil der Planung (Stadt Nürnberg 2025).
4. Sammle konkrete Verbesserungsvorschläge
Aus deiner Bestandsaufnahme und den Gesprächen ergeben sich konkrete Ideen. Das können sein:
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Ein taktiles Leitsystem für blinde Kinder am Boden anbringen
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Rampen zu vorhandenen Spielgeräten bauen
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Eine Sandkiste mit erhöhtem Rand, der auch im Rollstuhl erreichbar ist
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Klangspiele oder duftende Pflanzen ergänzen
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Bunte Kontraste schaffen für sehbehinderte Kinder
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Eine Drehscheibe installieren, die auch mit Rollstuhl nutzbar ist (Hansestadt Lübeck 2025)
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Sitzgelegenheiten und Picknicktische, die für Rollstuhlfahrer geeignet sind
5. Geh auf die Gemeinde zu
Mit deiner Liste guter Ideen gehst du zu den Verantwortlichen – dem Bauamt, dem Grünflächenamt, dem Jugendamt. Zeig, was möglich ist und was es kosten würde. Vielleicht gibt es Förderprogramme für inklusive Projekte. In Münster wurde 2025 beschlossen, in jedem Stadtteil mindestens einen inklusiven Spielplatz zu schaffen – deine Initiative könnte der Anstoß sein (Stadt Münster 2025).
6. Fang mit kleinen Schritten an
Nicht alles muss auf einmal passieren. Priorisiert, was am dringendsten ist und was mit überschaubarem Aufwand umsetzbar ist. Vielleicht reicht erstmal eine Rampe, ein neues Schild, ein Klangspiel. Jede Verbesserung zählt.
7. Feiert jeden Erfolg
Wenn die erste Rampe gebaut ist, macht ein kleines Fest daraus. Ladet alle Kinder ein, lasst sie testen, freut euch gemeinsam. Das motiviert für die nächsten Schritte.
Was du beachten musst
Sicherheit geht vor: Alle Veränderungen müssen den geltenden Sicherheitsnormen entsprechen. Für Spielgeräte gilt die DIN EN 1176, für Fallschutzbeläge die DIN EN 1177 (Tourismusnetzwerk Niedersachsen 2026). Am besten holst du bei größeren Änderungen einen Fachmann dazu.
Wartung einplanen: Jede Veränderung muss auch gewartet werden. Klär vorher, wer sich später darum kümmert.
Geduld haben: Inklusion ist ein Prozess. Nicht alles wird auf einmal gelingen. Aber jeder Schritt ist ein Gewinn.
Was du lernen wirst
Du wirst erleben, wie viel Freude es macht, wenn alle Kinder gemeinsam spielen können. Du wirst sehen, dass kleine Änderungen große Wirkung entfalten können. Und du wirst stolz sein, wenn du siehst, wie ein Kind im Rollstuhl zum ersten Mal selbstständig auf den Spielplatz kommt.
Es gibt viele Wege, diese Idee umzusetzen. Die Anregungen oben sollen nur eine Inspiration sein – wichtig ist, dass du deinen persönlichen Weg findest. Oft verliert man sich, wenn man sich zu streng an den Anleitungen anderer orientiert. Folge deinem Herzen – es weiß immer, wo der richtige Weg ist.
Planst du etwas Ähnliches oder hast du ein solches Projekt erfolgreich umgesetzt? Schreib uns unten in die Kommentare – davon können andere lernen und mitmachen.
Quellen:
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bfb barrierefrei bauen 2024. „DIN/TS 18034-2: Spielplätze und Freiräume zum Spielen – Teil 2: Matrix mit Bewertungsschema für inklusive Spielräume“. [online]
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Hansestadt Lübeck 2025. „Ein Spielplatz für alle – der Weg zur gelebten Inklusion“. [online]
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hindernisfreie-architektur.ch 2025. „Spielplätze für alle“. [online]
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Stadt Münster 2025. „Rat: Inklusiver Spielplatz für jeden Stadtteil“. [online]
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Stadt Nürnberg 2025. „Neue Broschüre ‚Das kleine Nürnberger Spielplatz 1×1‘“. [online]
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Tourismusnetzwerk Niedersachsen 2026. „Spielplätze“. [online]
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wba-weimar.de 2024. „Barrierefreie Spielplätze: Planen und gestalten“. [online]
Weitere hilfreiche Links:
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BAG Mehr Sicherheit für Kinder e.V. – Checkliste für Spielplatzkontrollen
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DGUV Information 202-022 – Außenspielflächen und Spielplatzgeräte
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