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Plogging – Wie eine schwedische Fitness-Bewegung die Welt sauberer macht

Es begann mit einem genervten Blick auf den Bürgersteig. Erik Ahlström, ein schwedischer Trailrunner, war gerade von Åre, einem malerischen Skigebiet, zurück in die Hauptstadt Stockholm gezogen. Der Kontrast hätte nicht größer sein können: Während er in den Bergen von unberührter Natur umgeben war, fand er sich in Stockholm auf Straßen wieder, die von achtlos weggeworfenen Zigarettenstummeln, Plastiktüten und Coffee-to-go-Bechern übersät waren. Ahlström ärgerte sich – aber er beschloss, nicht nur zu klagen, sondern zu handeln. Er begann, während seiner täglichen Joggingrunde einfach einen Müllsack mitzunehmen und den Abfall aufzuheben, der ihm über den Weg lief. Aus dieser spontanen Idee wurde eine weltweite Bewegung: Plogging (Barmer 2021; SWB o.J.).

Der Name ist ein Kofferwort aus dem Schwedischen „plocka upp“ (aufheben) und dem englischen „Jogging“. Was Ahlström anfangs noch für eine Privatinitiative hielt, entwickelte sich schnell zum globalen Phänomen. Er stellte seine Aktionen auf Social Media, gründete die Website Plogga, und binnen kurzer Zeit taten es ihm Menschen auf der ganzen Welt gleich. Schätzungen zufolge ploggen heute rund zwei Millionen Menschen täglich in über 100 Ländern – von Schweden über Deutschland bis nach Japan, Indien und in die USA. Einige große Plogging-Events haben sogar über drei Millionen Teilnehmer angezogen (Wikipedia 2023).

Wusstest du? In Japan heißt die Sportart „Spogomi“ – ein Kofferwort aus „Sport“ und „gomi“, dem japanischen Wort für Müll. 2023 fand in Tokio sogar die erste Spogomi-Weltmeisterschaft statt, bei der Dreierteams in einem limitierten Zeitrahmen möglichst viel Müll sammelten und korrekt sortierten (Wikipedia 2023).

Warum Plogging mehr ist als nur Müllsammeln

Der Reiz des Ploggings liegt in der Verbindung von zwei sinnvollen Tätigkeiten: Man tut etwas für die eigene Fitness und gleichzeitig etwas für die Umwelt. Und das Beste: Es ist sogar effektiver als normales Joggen. Durch das ständige Stoppen, Bücken, Aufheben und Wieder-Anlaufen entsteht ein natürliches Intervalltraining, das den Körper weitaus mehr fordert als eine gleichmäßige Laufbewegung. Dr. Bernd Hillebrandt, Landesgeschäftsführer der Barmer in Schleswig-Holstein, bestätigt: „Plogging tut nicht nur der Natur gut. Auch der eigene Körper profitiert von den unterschiedlichen Bewegungen. Viele Sportlerinnen und Sportler schwören auf den Intervall-Effekt, den die Laufunterbrechung beim Müllsammeln hat“ (Barmer 2021).

Wer beim Plogging nicht nur Müll aufhebt, sondern dabei bewusst Kniebeugen oder Dehnübungen einbaut, trainiert ganz nebenbei Muskeln, die beim normalen Joggen oft zu kurz kommen: Rücken, Bauch, Po und Arme werden intensiv beansprucht. Das Aufheben von Müll ist also nicht nur ein Akt der Nächstenliebe, sondern auch eine willkommene Abwechslung im Trainingsalltag (Viactiv 2022).

Hinzu kommt der psychologische Effekt: Plogging macht stolz. Wer nach einer Runde durch den Park auf seinen vollen Müllsack blickt, sieht sofort, was er erreicht hat. Und das motiviert – für die nächste Runde, für mehr Einsatz, für ein bewussteres Leben. Viele Plogger posten ihre Ausbeute in sozialen Netzwerken und setzen damit ein Zeichen für mehr Umweltbewusstsein. Was als persönliche Initiative begann, wird so zur gesellschaftlichen Bewegung (Barmer 2021).

Wusstest du? Unter dem Hashtag #plogging finden sich auf Instagram inzwischen über 290.000 Beiträge – von Japan über Italien bis nach El Salvador. Umweltverschmutzung ist ein globales Problem, und Plogging zeigt, dass die Lösung bei jedem Einzelnen beginnt (Vaillant 2023; Viactiv 2022).

Ein Trend, der alle mitnehmen kann

Das Schöne am Plogging: Es ist für alle geeignet. Ob jung oder alt, ob geübter Läufer oder Gelegenheits-Jogger – jeder kann mitmachen. Wer nicht joggen mag, kann auch einfach walken (dann heißt es „Plalking“) oder mit dem Fahrrad unterwegs sein („Plycling“). Entscheidend ist nicht die Geschwindigkeit, sondern die Haltung: Wer ploggt, zeigt, dass er Verantwortung übernimmt (Wikipedia 2023).

Besonders Kinder haben ihren Spaß an der neuen Sportart. Sie sind an der frischen Luft, bewegen sich und haben am Ende ein echtes Erfolgserlebnis: die volle Mülltüte. Aus einem einfachen Spaziergang kann so ein Wettbewerb werden: Wer findet die nächste Plastikflasche? Wer sammelt am meisten? Plogging fördert nicht nur die Fitness, sondern auch das Bewusstsein für Umweltthemen – und das spielerisch und mit Freude (Sailer Verlag 2019).

Wie man selbst startet

Die Einstiegshürde ist denkbar gering. Alles, was man braucht, sind Laufschuhe, Sportkleidung, ein paar Arbeitshandschuhe und einen Müllsack. Wer mag, kann sich mit einer Greifzange ausrüsten, um sich nicht ständig bücken zu müssen. Dann sucht man sich eine Strecke – Parks, Wälder, Uferwege sind ideal – und legt los (SWB o.J.; Viactiv 2022).

Noch mehr Spaß macht es in der Gruppe. Wer Freunde, Nachbarn oder Kollegen motiviert, mitzumachen, kann regelmäßige Plogging-Events organisieren. Die Erfahrung zeigt: Gemeinsames Müllsammeln verbindet und schafft ein Gefühl der Gemeinschaft, das weit über die einzelne Aktion hinauswirkt (Vaillant 2023).

Was bleibt

Wenn Erik Ahlström heute durch Stockholm joggt, sieht er immer noch Müll – aber er sieht auch immer mehr Menschen, die wie er mit Mülltüten unterwegs sind. Seine Idee hat eine Lawine losgetreten, die die Welt ein Stück sauberer macht. Und das Schöne daran: Jeder kann Teil dieser Lawine sein. Einfach die Laufschuhe schnüren, eine Tüte nehmen und loslegen. Die Natur dankt es einem – und der Körper auch.

Quellen:


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