Strom aus Johannisbeersaft – Eine 18-Jährige aus Hoppegarten optimiert umweltfreundliche Solarzellen und gewinnt den Landessieg
Djamila Ellinger hielt den Atem an, als sie zum ersten Mal ihre selbstgebaute Solarzelle ans Licht hielt. Würde sie funktionieren? Die 18-Jährige vom Einstein-Gymnasium in Neuenhagen hatte Glasplättchen mit einem Farbstoff beschichtet – und zwar mit ganz gewöhnlichem Johannisbeersaft. Dann kam der Moment der Wahrheit: Die Zelle lieferte tatsächlich Strom. „Das war schon sehr aufregend, als ich dann festgestellt habe, okay, sie funktioniert wirklich“, erzählte sie später dem rbb (rbb24 2025). Aus diesem ersten Erfolg wurde ein ganzes Forschungsprojekt, für das Djamila beim Landeswettbewerb Jugend forscht Brandenburg den ersten Platz im Fachgebiet Chemie holte (Jugend-forscht.de 2025).
Die Technik hinter Djamilas Experiment nennt sich Grätzel-Zelle – benannt nach ihrem Erfinder, dem Schweizer Chemiker Michael Grätzel. Anders als herkömmliche Solarzellen arbeiten sie nicht mit Halbleitermaterialien wie Silizium, sondern mit organischen Farbstoffen. Sie sind preiswert und umweltfreundlich herzustellen, weshalb Djamila in ihnen eine echte Alternative zu herkömmlichen Solarmodulen sieht (Jugend-forscht.de 2025).
Für ihre Versuche baute sie mehrere dieser Zellen selbst. Als Farbstoffquelle dienten ihr Anthocyane, die nicht nur im Johannisbeersaft stecken, sondern auch vielen anderen roten Früchten ihre Farbe geben. Mit ihren selbstgebauten Zellen untersuchte sie, wie sich die Temperatur auf die Zellspannung auswirkt und welchen Einfluss verschiedene Elektrolyte auf die Leistung haben (Jugend-forscht.de 2025; rbb24 2025).
Wusstest du? Anthocyane sind natürliche Farbstoffe, die Pflanzen vor UV-Strahlung schützen. Sie stecken in Heidelbeeren, Holunder, Rotkohl – und eben auch in Johannisbeeren. Dass sie auch Strom liefern können, entdeckte erstmals der Schweizer Chemiker Michael Grätzel.
Haltbarkeit ist die große Schwachstelle
Djamila stieß bei ihrer Forschung auf ein bekanntes Problem: Grätzel-Zellen verlieren oft schnell an Leistung. Die Farbstoffe zersetzen sich, der Elektrolyt trocknet aus – nach kurzer Zeit ist Schluss mit der Stromproduktion. Doch der Jungforscherin gelang ein entscheidender Fortschritt. Durch luftdichte Lagerung konnte sie die Leerlaufspannung ihrer Zellen über einen längeren Zeitraum konstant halten (Jugend-forscht.de 2025). Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu langlebigeren Farbstoffsolarzellen.
Ihre systematische Arbeit überzeugte die Jury des Landeswettbewerbs. Beim Finale am 1. April 2025 bei der BASF in Schwarzheide präsentierte Djamila ihr Projekt und setzte sich gegen starke Konkurrenz durch. Sie erhielt nicht nur den ersten Platz im Fachgebiet Chemie, dotiert mit 250 Euro, sondern auch den mit weiteren 250 Euro dotierten Sonderpreis „Energiewende und Klimaschutz“ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (Gemeinde Neuenhagen 2025; Einstein-Gymnasium 2025). Damit war Djamila für das 60. Bundesfinale von Jugend forscht qualifiziert, das Ende Mai 2025 in Hamburg stattfand (rbb24 2025).
Ihr Erfolg war kein Einzelfall: Das Einstein-Gymnasium erwies sich beim Landeswettbewerb als erfolgreichste Jugend-forscht-Schule in ganz Brandenburg. Gleich fünf Projekte hatten sich für das Finale qualifiziert, neben Djamila unter anderem Loreley Paul, die mit einer Untersuchung zur Nova im Sternbild „Nördliche Krone“ ebenfalls Landessiegerin wurde (Einstein-Gymnasium 2025).
Was bleibt
Djamila Ellinger hat mit ihrer Forschung gezeigt, dass alltägliche Materialien wie Johannisbeersaft ein erstaunliches Potenzial haben. Ihre verbesserten Grätzel-Zellen könnten eines Tages dazu beitragen, Solarstrom noch umweltfreundlicher und preiswerter zu machen – auch wenn bis zur Marktreife noch viele Hürden zu überwinden sind. Die 18-jährige Abiturientin hat jedenfalls den ersten Schritt gemacht (rbb24 2025). Ihr Weg führt nun weiter – vielleicht in ein Studium, in dem sie ihre Leidenschaft für erneuerbare Energien vertiefen kann.
Quellen:
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Jugend-forscht.de 2025. „Versuche zur Optimierung von Farbstoffsolarzellen“. [online] Verfügbar unter: https://www.jugend-forscht.de/virtuelle-ausstellung/detailseite/Versuche_zur_Optimierung_von_Farbstoffsolarzellen.html
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Einstein-Gymnasium Neuenhagen 2025. „Einstein-Gymnasium superstark beim Landeswettbewerb Jugend forscht 2025!“. [online] Verfügbar unter: https://www.einstein-gymnasium-neuenhagen.de/news/1/1053384/nachrichten/
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Gemeinde Neuenhagen 2025. „Einstein-Gymnasium Neuenhagen mehrfach auf der Siegerliste“. [online] Verfügbar unter: https://www.neuenhagen-bei-berlin.de/startseite-de/aktuelles/2025/april-2025/einstein-gymnasium-neuenhagen-mehrfach-auf-der-siegerliste/
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rbb24 2025. „Bundeswettbewerb: Berlin und Brandenburg entsenden 17 Talente zum Finale von ‚Jugend forscht'“. [online] Verfügbar unter: https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2025/05/jugend-forscht-finale-talente-berlin-brandenburg-graetzelzelle-solarzelle-libellen.html
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MOZ.de 2025. „Jugend forscht 2025: Einstein-Gymnasium auf der Siegerliste“. [online] Verfügbar unter: https://sonderthemen.moz.de/total-lokal-neuenhagen-76737/sonstiges/jugend-forscht-einstein-gymnasium-siegerliste-schuelerinnen-neuenhagen-bundesebene-entwicklung-ziel-236292
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