Nachhaltigkeit & Umwelt

Summen statt Schweigen: Wie NaturGarten e.V. seit 35 Jahren dafür kämpft, dass Gärten wieder lebendig werden

Heilbronn/Deutschland. Wiesengräser, die sich im Wind wiegen. Wildblumen, die niemand gepflanzt hat. Ein alter Holzstapel, in dem Käfer und Spinnen ihr Zuhause gefunden haben. Und über allem das Summen von Wildbienen, das man in immer weniger Gärten hört. Solche Gärten sind heute die Ausnahme. NaturGarten e.V. arbeitet seit über dreißig Jahren daran, dass sie es nicht bleiben.

Ein naturnaher Garten sieht nicht so aus, wie ein Garten aussehen „soll“. Keine gleichmäßig gemähte Rasenfläche, kein Schotterbett, keine Ziersträucher ohne ökologischen Wert. Stattdessen: Heimische Gehölze, Totholz, Steinhaufen, Wasserstellen. Eine Wildblumenwiese, in der im Sommer Dutzende Insektenarten leben. Das wirkt auf den ersten Blick unordentlich. Auf den zweiten Blick ist es eines der wirkungsvollsten Dinge, die ein Mensch für die Artenvielfalt tun kann – direkt vor der eigenen Haustür.

1990 wurde NaturGarten e.V. in Frankfurt am Main gegründet, mit einer Überzeugung, die einfach klingt und alles verändert, wenn man sie ernst nimmt: Ein Garten ist kein dekoratives Element. Er ist ein Lebensraum. Für Pflanzen, für Tiere, für Menschen (NaturGarten e.V. 2024).

Was ein Naturgarten wirklich ist

Ein Naturgarten ist kein ungepflegter Garten. Er ist ein bewusst gestalteter Lebensraum, der mit heimischen Pflanzen, natürlichen Strukturen und ökologischen Zusammenhängen arbeitet – statt gegen sie. Der Unterschied ist entscheidend: Wer einen Steingarten aus Schotter anlegt, schafft eine tote Zone. Wer stattdessen heimische Wildstauden pflanzt und eine Ecke mit Totholz stehen lässt, schafft Lebensraum für Hunderte von Arten.

Das Interesse an naturnahen Gärten wächst – aber noch zu häufig scheitert die Umsetzung an fehlendem Wissen und an der mangelnden Verfügbarkeit heimischer Wildpflanzen im Handel. NaturGarten e.V. setzt genau hier an: mit Wissen, mit Netzwerken, mit Praxis (NaturGarten e.V. 2024).

„Vor unserer Haustüre soll es wieder summen und brummen. Ob im Garten, auf dem Balkon oder auf der Fensterbank: Überall können wir vor der Haustür den Wildbienen helfen.“ Das ist keine romantische Idee. Es ist eine ökologische Notwendigkeit.


Wusstest du? 2024 wählten über 2.400 Menschen gemeinsam mit NaturGarten e.V. und Bioland die Wildbienenpflanze des Jahres 2025: die Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia) – eine heimische Wildpflanze, die auf der Roten Liste steht, weil sie immer seltener vorkommt. Wer sie in seinen Garten pflanzt, tut aktiv etwas für bedrohte Wildbienenarten.


35 Jahre Erfahrung, ein wachsendes Netzwerk

NaturGarten e.V. vernetzt Akteure aus Wissenschaft, Bildung, Politik und Gartenbau – und gibt sein Wissen in Form von Publikationen, Fachtagungen und praktischen Ausbildungskursen weiter. Die NaturGarten-Akademie bietet Aus- und Weiterbildungen rund um naturnahe Gartengestaltung an, vom Einsteigerkurs bis zur Fachberater-Ausbildung. Das Fachmagazin Natur & Garten liefert regelmäßig praktisches Wissen und Inspiration. Und die jährlichen Naturgartentage sind längst mehr als eine Fachtagung – sie sind ein Treffpunkt für alle, die Gärten anders denken wollen (NaturGarten e.V. 2024).

Von Dezember 2019 bis November 2025 war der Verein Kooperationspartner des bundesweiten Projekts „Tausende Gärten – Tausende Arten“, gefördert im Bundesprogramm Biologische Vielfalt. Ziel: alle Menschen in Deutschland für mehr Artenvielfalt in Privatgärten und auf öffentlichen Flächen begeistern – und gemeinsam mit Gärtnereien und Saatgutbetrieben heimische Wildpflanzen populärer und vor allem käuflich zugänglich machen. Was dabei entstand, geht weit über eine Kampagne hinaus: ein Netzwerk aus Produzenten, Gartenmärkten, Kommunen, Schulen und Einzelpersonen.


Wusstest du? Das Forschungsprojekt gARTENreich zeigte: Privatgärten können erheblich zur biologischen Vielfalt beitragen. Faktoren wie unterschiedliche Habitatstrukturen und artenreiche Gehölze wirken sich messbar positiv auf die Vielfalt an Vögeln, Insekten und Reptilien aus – selbst auf kleinen Flächen mitten in der Stadt.


Jeder Quadratmeter zählt

Es braucht keinen großen Garten. Es braucht nicht einmal einen Garten. Ein Balkonkasten mit heimischen Wildblumen, eine kleine Ecke im Hinterhof, ein ungepflegter Streifen am Zaun – all das kann für Wildbienen, Schmetterlinge, Igel und Vögel den entscheidenden Unterschied machen.

Was NaturGarten e.V. von vielen Naturschutzorganisationen unterscheidet, ist der konsequente Ansatz, Menschen dort abzuholen, wo sie sind. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, nicht mit wissenschaftlichem Fachjargon. Sondern mit Begeisterung, praktischem Wissen und der Überzeugung, dass jeder Mensch – mit oder ohne grünen Daumen – einen sinnvollen Beitrag leisten kann.

Alle Informationen, Kurse und das Fachmagazin unter naturgarten.org.

 

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Quellen

NaturGarten e.V. 2024. „Über uns – NaturGarten e.V.“. [online] Verfügbar unter: https://www.naturgarten.org/verein/ueber-uns/

NaturGarten e.V. 2024. „Tausende Gärten – Tausende Arten“. [online] Verfügbar unter: https://www.naturgarten.org/projekte/tausende-gaerten/

Bundesamt für Naturschutz 2023. „Biologische Vielfalt in Privatgärten“. [online] Verfügbar unter: https://www.bfn.de/

NABU 2023. „Wildbienen in Deutschland – Bestand und Gefährdung“. [online] Verfügbar unter: https://www.nabu.de/