Kultur & Kreatives

Rizal Abdulhadis baut Bambus Musikinstrumente – und erfindet auch mal gerne ein Neues.

(Ubud/Indonesien) Ein Musiker aus Westjava baut seine Instrumente selbst – aus Bambus, der vor seiner Haustür wächst. Rizal Abdulhadi hat damit nicht nur ein völlig neues Instrument erfunden, das Gitarre, Didgeridoo und Perkussion in einem vereint. Er zeigt, wie traditionelles Wissen, ökologisches Bewusstsein und musikalische Kreativität eine neue Form von Handwerk entstehen lassen.

In einem kleinen Dorf in Westjava, wo Kinder auf selbst gebauten Bambustrommeln spielen und der Wald als Rohstofflieferant gilt, wuchs Rizal Abdulhadi auf. Der Klang des Awi goong – eines traditionellen sundanesischen Bambusinstruments – begleitete seine Kindheit. Jahrzehnte später sitzt er in seinem Studio in Ubud, Bali, und schnitzt, schleift und stimmt. Was dabei entsteht, klingt wie nichts, das man zuvor gehört hat.

Rizal ist Multi-Instrumentalist, Songwriter, Instrumentenbauer, Sozialaktivist, Videoproduzent und Gründer von ThatBamboo – einem Studio und Label, das sich auf handgefertigte Musikinstrumente aus Bambus spezialisiert hat (Roots and Leisure 2017). Sein Lebensmittelpunkt ist Ubud, aber seine Wurzeln und seine Inspiration liegen tief in der javanischen Handwerkstradition.

Ein Instrument, das es so nicht gab

2013 traf Rizal die australische Bildhauerin Ellie Hannon. Gemeinsam entwickelten sie ein Instrument, das seither sein Markenzeichen ist: die Rasendriya. Der Name stammt aus dem Sanskrit und bedeutet „Erweiterung der Sinne“. Das Instrument verbindet Gitarre, Didgeridoo und Perkussion in einem einzigen handlichen Objekt – das Didgeridoo-Element ist dabei eine Neuinterpretation des sundanesischen Awi goong aus Rizals Kindheit (The Jakarta Post 2015). Mit der Rasendriya kann Rizal als überzeugender Einmannband auftreten – das Instrument ermöglicht es ihm, gleichzeitig melodische, harmonische und rhythmische Elemente zu spielen (Time Out Kuala Lumpur 2017).

Bei einem TEDxUbud-Auftritt 2014 präsentierte er die Rasendriya einem internationalen Publikum und machte damit auf einen Ansatz aufmerksam, der weit über Musik hinausgeht.

Wusstest du? Bambus ist botanisch gesehen kein Holz, sondern ein Gras – und gehört zu den am schnellsten wachsenden Pflanzen der Welt. Manche Arten wachsen bis zu einem Meter pro Tag. In Indonesien gilt Bambus seit Jahrhunderten als „das Holz der Armen“ – leicht verfügbar, vielseitig verarbeitbar und vollständig biologisch abbaubar.

ThatBamboo: Handwerk als Bewegung

Rizal und seine Freund und Band zugleich. Bild Rizal
Rizal und seine Freund und Band zugleich. Bild Rizal

Rizal gründete ThatBamboo in Ubud mit einem Team aus gleichgesinnten Bambus-Enthusiasten. Das Label produziert ausschließlich handgefertigte, ökologische Produkte – Instrumente, aber auch Brillengestelle, Ukulelen und weitere Objekte aus Bambus (Roots and Leisure 2017). Regelmäßig bietet Rizal Workshops an, in denen Teilnehmer lernen, selbst mit dem Material zu arbeiten.

Rizal hat Bambus dabei nicht als einziges Material für sich entdeckt: Er sammelt auch Weggeworfenes, Recyclingmaterial und organische Substanzen, um daraus skulpturale Musik zu schaffen (Life & Soul Magazine 2018). Der Gedanke dahinter ist konsequent: Ein Instrument muss nicht aus Tropenholz aus fernen Wäldern bestehen oder in einer Fabrik in Übersee gefertigt werden. Es kann aus dem wachsen, was unmittelbar vor Ort verfügbar ist.

Seit 2008 tourt Rizal durch Indonesien und Asien, spielte beim Bali Spirit Festival, beim JavaJazz und dem Rainforest World Music Festival – und nutzte diese Auftritte, um Workshops über Instrumentenbau zu geben und Kooperationen mit indonesischen Musikern zu knüpfen (Rainforest World Music Festival 2024).

Wusstest du? Die Rasendriya ist nicht Rizals einziges Experiment: Er entwickelte auch eine Bambus-Lapsteel-Gitarre, die er in Konzerten einsetzt. Die Lapsteel – ursprünglich aus der hawaiianischen Musik – klingt in der Bambus-Version anders als jedes herkömmliche Modell: wärmer, rauer, lebendiger.

Was Rizal Abdulhadi in seinem Studio in Ubud macht, ist mehr als Instrumentenbau. Es ist ein Argument dafür, dass Kreativität keinen Mangel braucht – sondern Aufmerksamkeit für das, was bereits vorhanden ist. Ein Bambushalm, ein Messer, Geduld und die Erinnerung an einen Klang aus der Kindheit. Daraus entsteht ein Instrument, das die Welt noch nicht kannte.

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Quellen

Roots and Leisure 2017. „Making My Own Musical Instruments From Bamboo – Rizal Abdulhadi“. [online] Verfügbar unter: https://rootsandleisure.com/making-my-own-musical-instruments-from-bamboo-rizal-abdulhadi-folk-music-artist-from-indonesia/

Life & Soul Magazine 2018. „Rizal Abdulhadi: Building bamboo instruments for a more creative world“. [online] Verfügbar unter: https://lifeandsoulmagazine.wordpress.com/2018/03/09/rizal-abdulhadi-building-bamboo-instruments-for-a-more-creative-world/

The Jakarta Post 2015. „Tapping potential in bamboo“. [online] Verfügbar unter: https://www.thejakartapost.com/news/2015/10/29/tapping-potential-bamboo.html

Rainforest World Music Festival 2024. „Rizal Hadi & FOLK“. [online] Verfügbar unter: https://rwmf.net/2024/rizal-hadi-folk/

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