„Mit jeder Tasse die Welt ein bisschen besser machen“: Wie zwei Brüder aus Oberhaching den Bürokaffee neu erfanden

Es ist ein verregneter Montagmorgen in einem Münchner Bürokomplex. Die ersten Mitarbeiter trudeln ein, müde, den Blick aufs Smartphone gerichtet. Doch dann: dieser Geruch. Frisch gemahlener Kaffee zieht durch den Flur, lockt die ersten an die Maschine. Was sie nicht sehen: Hinter dieser Tasse steckt mehr als nur Koffein. Jeder Schluck finanziert ein Schulkind in Burundi. Und plötzlich ist der Montagmorgen ein kleines bisschen besser.

Die Zwillingsbrüder Thomas und Philipp Greulich, aufgewachsen in Oberhaching bei München, hatten 2018 eine Idee, die so einfach wie genial ist: Was wäre, wenn man mit einem der meistkonsumierten Getränke der Welt ganz nebenbei Gutes tun könnte? Wenn der alltägliche Bürokaffee nicht nur die Belegschaft wachhält, sondern gleichzeitig Kindern in einem der ärmsten Länder der Welt den Schulbesuch ermöglicht? (Merkur 2021)

Sie gründeten Bean United – ein soziales Kaffee-Startup mit einer klaren Mission: „Kaffee trinkend Gutes tun“ (Bean United o.J.). Das Konzept: Für jedes verkaufte Kilogramm Kaffee fließen 2,50 Euro in soziale Projekte. Das ermöglicht genau zehn Schulmahlzeiten in Burundi, finanziert über die Welthungerhilfe. „Eine Schulmahlzeit in Burundi kostet 0,25 Cent. Das bedeutet, dass wir mit den 2,50 Euro Sozialabgabe pro Kilogramm wahnsinnig viel erreichen“, erklärt Thomas Greulich auf der Unternehmenswebsite. „Dabei geht es nicht ‚nur‘ um gesunde Nahrung und Entwicklung, sondern eben auch um Bildung und eine bessere Zukunft“ (Bean United o.J.).

Wusstest du?
Bean United zahlt den Kaffeebauern bis zu 50 Prozent über dem Fairtrade-Preis pro Kilogramm Rohkaffee. Sie nennen es „Friendly Trade“ – faire Beziehungen auf Augenhöhe, die durch regelmäßige Besuche während der Erntezeit entstehen und gepflegt werden (Bean United o.J.).

Vom Handschlag zum Sozialunternehmen

Am 21. Februar 2018 gaben sich die Zwillingsbrüder die Hand und gründeten Bean United. Was als Zwei-Mann-Unternehmen begann, wuchs schnell: Sie gewannen die ersten Kunden, packten den Kaffee selbst und lieferten die Bestellungen aus. In regelmäßigen Abständen besuchten sie die Kaffeebauern in Brasilien, Guatemala und Indien, um die Menschen hinter der Bohne kennenzulernen und bei der Ernte mitzuhelfen (LinkedIn 2024).

Besonders die Reisen nach Burundi zeigten den sozialen Impact ihrer Arbeit. Sie lernten das Schulmahlzeitenprojekt der Welthungerhilfe im Norden des Landes kennen und verstanden, welchen Unterschied Bildung und ausreichende Ernährung machen. „Besonders die Reisen nach Burundi zeigen den sozialen Impact und den Sinn der Arbeit von Bean United“, heißt es in ihrem Rückblick auf sechs Jahre Unternehmensgeschichte (LinkedIn 2024).

Das Jahr 2020 brachte mit der Pandemie einen Geschäftseinbruch und Herausforderungen. Doch alle Kunden hielten Bean United die Treue und standen auch ohne Verträge weiterhin hinter der sozialen Mission. In dieser Zeit eröffnete Bean United Deutschlands erstes Social Café – im alten Bahnhofsgebäude in Deisenhofen, direkt neben der S-Bahn-Station. Ein Ort des Zusammenkommens, des Austauschs und der Kreativität, an dem jedes Kaffeegetränk direkt eine Schulmahlzeit ermöglichte (Merkur 2021; LinkedIn 2024).

Wusstest du?
Im Bean United social café in Oberhaching gibt es eine Anzeige, die bei jeder bestellten Tasse Kaffee eine Zahl hochspringt. Die Gäste sehen in Echtzeit, wie viele Schulmahlzeiten durch ihren Besuch bereits ermöglicht wurden. Die Möbel stammen übrigens alle aus Secondhand-Käufen – Nachhaltigkeit bis ins Detail (Merkur 2021).

Mehr als nur Kaffee

In nur drei Jahren ermöglichte Bean United gemeinsam mit 100 Unternehmen und Partnern über 500.000 Schulmahlzeiten (Yumda 2023). Anfang 2023 erreichten sie die Millionengrenze – ein Meilenstein, den die Gründer mit einem Sprung in den Deininger Weiher feierten, genau wie schon bei der Gründung 2018 (LinkedIn 2024).

Heute beliefert Bean United über 150 Firmen und hunderte Privatkunden. Das Team ist auf sechs Mitarbeiter und bis zu zehn Baristas angewachsen. Die Kundenliste liest sich wie ein Who-is-Who der deutschen Wirtschaft: Adobe, All for One Group, BDO, Celonis, DDB, Interone, Personio, Publicis Sapient – sie alle setzen auf den sozialen Bürokaffee aus Oberhaching (LinkedIn 2024).

Das Konzept ist 360 Grad durchdacht: Die Kaffeebauern arbeiten ökologisch, ohne schädliche Chemikalien. Die Partnerschaft mit der Wildkaffee Rösterei – „Röster des Jahres 2023“ – garantiert höchste Qualität, geröstet in kleinen Chargen von Hand. Der Fokus liegt auf Magenverträglichkeit, wenig Säure und einem runden Geschmackserlebnis mit schokoladigen Noten. Und der CO₂-Ausstoß des Transports wird durch Baumpflanzungen mit Treedom kompensiert – der „Bean United Wald“ wächst stetig (Bean United o.J.).

Bildung hier und dort

Neben dem Burundi-Projekt engagiert sich Bean United auch in Deutschland: In Kooperation mit der ReDI School of Digital Integration finanzieren sie das „Digital Women Program“, das Migrantinnen digitale IT-Skills vermittelt. „Bean United ermöglicht es Unternehmen, ihre Mitarbeiter zu ‚Bürohelden‘ zu machen, indem diese ‚sozialen Bürokaffee‘ trinken“, beschreibt es das Unternehmen. „Office Manager schätzen die Einfachheit der Implementierung, CSR- und Nachhaltigkeits-Manager die Messbarkeit des sozialen Impacts auf die SDG“ (LinkedIn 2024).

Und die Vision wächst weiter: Neue Kooperationen sind geplant, eine Firmen-Gastronomie-Location, ein neuer Onlineshop, sogar ein Markttest in den USA. Vor kurzem haben sie die „Bean United Dream Projects“ ins Leben gerufen – kleine, individuelle Projekte und Träume, die neben den großen Partnerprojekten unterstützt werden (LinkedIn 2024).

„Wir brauchen jede Stimme“, postete das Team kürzlich auf LinkedIn, als sie im Finale um 100.000 Euro beim Gong 96.3-Wettbewerb standen. „Das hier ist einer dieser Momente im Leben unseres sozialen Kaffee-Startups, der ein Game-Changer sein kann“ (LinkedIn 2024). Die Community hat abgestimmt, mitgeholten, mitgefiebert – so wie sie es immer tut.

Denn am Ende, das ist die Überzeugung von Thomas und Philipp Greulich, zählt nicht die große Geste. Sondern die tägliche Tasse Kaffee. Und die Menschen, die dahinterstehen – vom Bauern in Brasilien bis zum Schüler in Burundi, von der Migrantin in München bis zum Büroangestellten, der morgens seine Tasse in der Hand hält und weiß: Damit mache ich die Welt ein kleines bisschen besser.


Quellen:


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