Soziales

Colorado Coalition for the Homeless Denver setzt weiter auf Hotels für Obdachlose

(Denver/USA) – Was 2020 mit einem einzigen umgebauten Hotel begann, ist heute eine stadtweite Strategie mit Dutzenden Projekten, hunderten Millionen Dollar Investitionen – und gemischten Erfahrungen. Denver zeigt, wie schnell eine gute Idee zur Blaupause werden kann. Und wo die Grenzen liegen.

Wer den Ursprung dieser Entwicklung verstehen will, sollte zunächst einen Blick auf den Ausgangspunkt werfen: 2020 kaufte die Colorado Coalition for the Homeless ein leerstehendes Quality Inn & Suites in Denver und baute es in nur sechs Monaten zu 139 vollständig möblierten Micro-Apartments für obdachlose Menschen um – damals das schnellste Sozialmietwohnungsprojekt in der Geschichte der Stadt.

Mit der Colorado Coalition for the Homeless bekommen mehr und mehr Menschen eine Wohnung. Bild Baculo
Mit der Colorado Coalition for the Homeless bekommen mehr und mehr Menschen eine Wohnung. Bild Baculo

Zur Erinnerung: Die Colorado Coalition for the Homeless (CCH) ist eine gemeinnützige Organisation, die seit über 40 Jahren in Denver aktiv ist, mit dem Ziel, Obdachlosigkeit nicht nur zu lindern, sondern strukturell zu bekämpfen. Jährlich unterstützt die CCH rund 20.000 Menschen mit einem Angebot, das weit über eine Notunterkunft hinausgeht: Wohnraum, medizinische Versorgung inklusive Zahnmedizin und psychiatrischer Behandlung, Jobvermittlung, Kinderbetreuung und Suchtberatung.

Das eigene Stout Street Health Center in Denver ist das größte und umfassendste Gesundheitszentrum für obdachlose Menschen in Denver.

Der Ansatz der Organisation folgt dem „Housing First“-Prinzip: Erst eine stabile Wohnsituation schaffen, dann alle weiteren Probleme angehen – nicht umgekehrt. Die Erfolgsquote ist bemerkenswert: Die CCH betont, dass ihr Housing-First-Ansatz nachweislich Kosten spart und langfristige Stabilität schafft.

Die CCH arbeitet dabei nicht nur operativ, sondern auch politisch – sie setzt sich aktiv für Gesetzesreformen und bessere Sozialpolitik auf Landes- und Bundesebene ein.

Aus einem Projekt wird ein Programm

Seit Januar 2023 hat die Stadt Denver drei Hotels gekauft und drei weitere angemietet, um Obdachlosigkeit und den Zustrom von Migranten zu bewältigen. Die Gesamtausgaben dafür sind erheblich: In zwei Jahren gab die Stadt 138 Millionen Dollar für Miete, Leasing und Kauf von Hotels aus – finanziert größtenteils aus übrig gebliebenen Corona-Bundeshilfen des American Rescue Plan Act.

Die CCH hat das Modell konsequent ausgebaut. Das frühere Clarion Inn an der 200 W. 48th Avenue wurde für 24 Millionen Dollar erworben und soll als „Renewal Village“ zu 215 Einheiten für obdachlose Menschen mit chronischen Erkrankungen, psychischen Problemen und Trauma umgebaut werden. Die Wohnungen sollen für mindestens 60 Jahre als Sozialmietwohnungen gesichert bleiben. Dazu kam der Kauf eines ehemaligen Best Western Hotels für knapp 26 Millionen Dollar sowie die Umwandlung eines früheren Fairfield Inn durch die Stiftung Tunnels to Towers – speziell für obdachlose Veteranen in Denver.

Wusstest du? Seit Juli 2023 hat Denver nach eigenen Angaben 7.500 Menschen in Unterkünfte und 6.200 Menschen in dauerhafte Wohnverhältnisse gebracht. Etwa 50 Prozent derjenigen, die eine Unterkunft verließen, zogen in eine stabile Wohnsituation.

Licht und Schatten

Nicht jedes Projekt verlief reibungslos. Ein für neun Millionen Dollar gekauftes ehemaliges Stay Inn-Motel sollte ab Ende 2023 Obdachlose beherbergen – blieb aber über zwei Jahre leer, unter anderem wegen Zoningproblemen und fehlender Partner für den Umbau. Die Stadt versuchte das Objekt zuletzt für einen symbolischen Preis von zehn Dollar zu verkaufen – mit der Auflage, es in Sozialmietwohnungen umzuwandeln.

Laut Parvensky brächten Hotelumbauten dringend benötigte Wohnungen schneller und zu deutlich niedrigeren Kosten auf den Markt als Neubauten – das bedeute, man könne mehr Menschen von der Straße holen. Eine offene Frage bleibt die Finanzierung: Die Corona-Bundeshilfen, auf die Denver stark gesetzt hat, laufen 2025 aus – und hinterlassen eine erhebliche Lücke.

Wusstest du? Die CCH verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz: Wohnen, Gesundheit und soziale Stabilisierung greifen ineinander. Obdachlosigkeit wird dabei nicht als persönliches Versagen gesehen, sondern als Folge von hohen Wohnkosten, schwachem Sozialsystem und mangelnden Chancen.


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Quellen

Colorado Coalition for the Homeless (2024): Home – Housing, Health & Hope. Verfügbar unter: https://www.coloradocoalition.org

Colorado Sun (2025): Denver’s plan to end tent homelessness with hotel shelters is shrinking again. Verfügbar unter: https://coloradosun.com/2025/10/13/homelessness-denver-hotel-shelters/

Denver7 (2024): Nonprofit founded in the wake of 9/11 to convert Denver hotel into housing for veterans. Verfügbar unter: https://www.denver7.com/news/front-range/denver/nonprofit-founded-in-the-wake-of-9-11-to-convert-denver-hotel-into-housing-for-veterans

Mile High CRE (2023): Colorado Coalition for the Homeless to Convert Newly Acquired Hotel into Supportive Housing. Verfügbar unter: https://milehighcre.com/colorado-coalition-for-the-homeless-to-convert-newly-acquired-hotel-into-supportive-housing/

Westword (2024): Denver Spent $138 Million in Two Years to Rent, Lease Hotels for Homeless and Migrants. Verfügbar unter: https://www.westword.com/news/how-much-money-denver-has-spent-on-hotels-for-homeless-and-migrants-22386008/


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