Wie Du in deiner Stadt einen Mapathon organisierst.
Ein Mapathon ist kein Marathon. Niemand schwitzt, niemand muss fit sein, niemand braucht Vorkenntnisse. Es ist ein Abend, ein Nachmittag, eine Lunch-Pause – mit Menschen, Laptops oder Smartphones und einer konkreten humanitären Aufgabe. Am Ende des Abends sind irgendwo auf der Welt mehr Menschen auf der Karte. Das ist kein Bild. Das ist buchstäblich wahr.
Kennst du schon unseren Artikel „Wenn Karten fehlen, fehlt Hilfe: Das Missing Maps Projekt macht unsichtbare Gemeinden sichtbar“? Dort erfährst du, warum fehlende Karten Leben kosten – und wie ein globales Netzwerk von Freiwilligen das von Zuhause und von überall aus ändert.
Was du brauchst um einen Mapathon zu organsieren:
- Einen Raum – Büro, Schule, Bibliothek, Café oder Wohnzimmer – mit Internetzugang
- Laptops oder Smartphones für die Teilnehmenden, oder die Bitte, eigene Geräte mitzubringen
- Ein bis zwei Stunden Zeit – mehr braucht es nicht für einen ersten Einstieg
- Einen Account bei OpenStreetMap – kostenlos und in zwei Minuten erstellt
- Optional: Beamer für eine kurze Einführung, Snacks und Getränke für die Atmosphäre
Los geht’s
Schritt 1: Entscheide dich für ein Format Ein Mapathon kann vieles sein: ein Schulprojekttag, ein Corporate-Volunteering-Nachmittag, ein Vereinsabend, eine offene Community-Veranstaltung. Ärzte ohne Grenzen organisiert Mapathons mit Schulklassen und Unternehmensfreiwilligen gleichzeitig – und erreicht dabei in wenigen Stunden tausende kartierte Gebäude. Doctorswithoutborders-apac (Doctors Without Borders APAC 2025) Entscheide früh, wen du einladen willst – das bestimmt den Ton und die Tiefe der Veranstaltung.
Schritt 2: Melde dich bei Missing Maps an und wähle ein Projekt Auf missingmaps.org und tasks.hotosm.org findest du aktive Kartierungsprojekte, die genau für Mapathons geeignet sind. Wähle ein Projekt, das zum Thema oder Interesse deiner Gruppe passt – Naturkatastrophen, Gesundheitsversorgung, Flüchtlingslager. Das HOT Tasking Manager zeigt dir direkt, wie weit ein Gebiet bereits kartiert ist und wie dringend weitere Hilfe gebraucht wird.
Schritt 3: Bereite eine kurze Einführung vor – maximal zwanzig Minuten Erkläre zuerst das Warum: Warum fehlen Karten? Was passiert, wenn sie fehlen? Ein konkretes Beispiel – etwa Tschad, Mosambik oder Papua-Neuguinea – macht das greifbar. Dann das Wie: Wie funktioniert OpenStreetMap? Wie liest man Satellitenbilder? Wie markiert man ein Gebäude? Das Tasking Manager Tutorial auf tasks.hotosm.org führt auch Anfängerinnen schnell durch die ersten Schritte. Missing Maps betont ausdrücklich: Man muss nie zuvor gemappt haben – Mapathons sind oft genau der Ort, wo Menschen das zum ersten Mal lernen. Missingmaps (Missing Maps 2025)
Schritt 4: Mappe gemeinsam – und behalte den Überblick Teile das Mapping-Gebiet auf, sodass jede Person oder jedes Team an einem eigenen Ausschnitt arbeitet. Das Tasking Manager-System macht das automatisch. Behalte im Blick, wie weit das Projekt voranschreitet – die Fortschrittsanzeige motiviert und zeigt, was gemeinsam in kurzer Zeit entsteht. Erfahrenere Mapperinnen können parallel validieren, was andere kartiert haben.
Schritt 5: Schliesse den Abend mit einem Blick auf die Wirkung ab Zeige am Ende, wie viele Gebäude kartiert wurden, wie gross das Gebiet ist, für welche Organisation die Daten bestimmt sind. Dieser Moment – der konkrete Blick auf das Ergebnis – ist das, was bleibt. Bei einem Mapathon in Malaysia kartierten Freiwillige in wenigen Stunden 6.172 Häuser und verbesserten damit potentiell den Zugang zu Hilfe für über 6.000 Familien. Doctorswithoutborders-apac (Doctors Without Borders APAC 2025) Was an einem Abend entsteht, kann irgendwo auf der Welt Leben verändern.
Schritt 6: Bau eine Mapathon-Gemeinschaft auf Ein einmaliger Abend ist gut. Eine regelmässige Gruppe ist besser. Plane das nächste Event schon beim ersten. Binde Schulen, Unternehmen, Vereine ein. Missing Maps unterstützt Organisatoren aktiv mit Materialien, Projektvorschlägen und Trainingsressourcen. Trag deinen Mapathon im Events-Kalender auf missingmaps.org ein – damit andere Freiwillige aus deiner Region mitmachen können.
Wusstest du? MapSwipe, das Smartphone-Tool des Missing Maps Projekts, führt einen ersten Durchlauf über ein Gebiet durch – damit Freiwillige beim OpenStreetMap-Mapping nicht stundenlang Dschungel, Buschland und Wüste nach Siedlungen absuchen müssen, sondern sofort dort beginnen können, wo Menschen leben. OpenStreetMap (OpenStreetMap Wiki 2025) MapSwipe auf dem Smartphone und OpenStreetMap am Laptop – beide zusammen machen einen Mapathon besonders effektiv.
Was du lernen wirst
Du wirst erleben, dass humanitäres Engagement keine Reise und keine Ausbildung braucht – nur einen Abend und Aufmerksamkeit. Du wirst verstehen, wie OpenStreetMap funktioniert und was der Unterschied zwischen einer leeren und einer kartierten Karte für Menschen in Krisen bedeutet. Du wirst sehen, wie eine Gruppe von Menschen in wenigen Stunden etwas schafft, das Hilfsorganisationen direkt nutzen – und das für immer offen und kostenlos zugänglich bleibt. Und du wirst merken: Nichts motiviert für den nächsten Mapathon mehr als der Anblick des vollständig kartierten Gebiets am Ende des Abends.
Weiter gedacht
- Trag deinen Mapathon auf missingmaps.org/host ein und erhalte Unterstützung und Materialien
- Schau dir das Intro-Video von Missing Maps an, um es beim Mapathon zu zeigen: youtube.com/watch?v=43MwFjOBKd8
- Bring MapSwipe als Einstiegsformat für Smartphonenutzer in den Abend ein – fünf Minuten swipen macht Lust auf mehr
- Informiere dich auf tasks.hotosm.org über aktuelle dringende Kartierungsprojekte, um das nächste Thema für deinen Mapathon zu wählen
Es gibt viele Wege, diese Idee umzusetzen. Die Anregungen oben sollen nur eine Inspiration sein – wichtig ist, dass du deinen persönlichen Weg findest. Oft verliert man sich, wenn man sich zu streng an den Anleitungen anderer orientiert. Folge deinem Herzen – es weiß immer, wo der richtige Weg ist.
Planst du etwas Ähnliches oder hast du ein solches Projekt erfolgreich umgesetzt? Schreib uns unten in die Kommentare – davon können andere lernen und mitmachen.
Wichtiger Hinweis: Alle Ideen sind Inspirationen, keine geprüften Anleitungen. Du handelst in eigener Verantwortung. Bei baulichen, technischen oder rechtlichen Fragen hole bitte fachkundigen Rat ein. Bei Projekten mit Kindern ist besondere Sorgfalt geboten. Bist du noch jung? Dann sprich vorher mit deinen Eltern. Wir übernehmen keine Haftung für Schäden, Verletzungen oder Rechtsfolgen, die durch die Nutzung dieser Ideen entstehen.
Quellen
British Red Cross 2025. „The impact of Missing Maps at British Red Cross“. [online] Verfügbar unter: https://medium.com/digital-and-innovation-at-british-red-cross/the-impact-of-missing-maps-at-british-red-cross-aa26b424dd26
Doctors Without Borders APAC 2025. „Missing Maps: A decade of saving lives“. [online] Verfügbar unter: https://doctorswithoutborders-apac.org/en/stories/missing-maps-a-decade-of-saving-lives-through-geodata
Missing Maps 2025. „Missing Maps“. [online] Verfügbar unter: https://missingmaps.org/
OpenStreetMap Wiki 2025. „Missing Maps Project“. [online] Verfügbar unter: https://wiki.openstreetmap.org/wiki/Missing_Maps_Project
Weiterführende Links
- missingmaps.org – Projekte, Events und Einstieg ins Mapping
- tasks.hotosm.org – HOT Tasking Manager für aktive Kartierungsprojekte
- mapswipe.org – MapSwipe App für den ersten Schritt per Smartphone
- openstreetmap.org – Die offene Kartenplattform, auf der alles zusammenkommt
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