Biogas aus Küchenabfällen für Schulen in Kenia [Kenia]
Der junge Mann, der vor dem Maseno-Gymnasium im Westen Kenias steht, ist kaum 17 Jahre alt. Aber Leroy Mwasaru hat bereits etwas geschafft, wovon viele Erwachsene nur träumen: Er hat eine Lösung erfunden, die zwei Probleme auf einmal löst. Das alte Internat mit über 700 Schülern hatte ein massives Sanierungsproblem. Die Toiletten waren eine stinkende Katastrophe, das Abwasser verseuchte den nahen Bach, und die Küche verbrauchte tonnenweise Feuerholz – mit allen Folgen für die Gesundheit der Köchinnen und die umliegenden Wälder. Mwasaru und vier Mitschüler hatten eine Idee: „Wenn wir den Abfall der 720 Schüler nehmen und mit Küchenabfällen, Grasschnitt und Kuhdung mischen, können wir eine Lösung finden“ (Grist 2014). Aus dieser Idee wurde ein Bioreaktor, der aus menschlichen Ausscheidungen und Küchenresten Gas zum Kochen gewinnt. Heute kochen immer mehr kenianische Schulen mit Biogas – sparen Geld, schonen die Wälder und verwandeln Abfall in Energie.
[Wusstest du? Eine einzige Schule mit 1.000 Schülern produziert täglich etwa 1.500 Liter Ausscheidungen – genug, um daraus 27 Kubikmeter Biogas zu gewinnen. Das entspricht etwa acht Prozent des täglichen Energiebedarfs einer Schule (TU Delft 2025).]
Vom Pilotprojekt zur landesweiten Bewegung
Was Leroy Mwasaru 2014 als Schülerprojekt begann, ist heute eine landesweite Bewegung. Im November 2025 kündigte der Gouverneur von Tharaka Nithi an, dass seine Regierung flächendeckend Biogasanlagen in Schulen einführen wird. Die ersten Anlagen wurden bereits installiert – finanziert mit umgerechnet etwa 40.000 Euro aus dem nationalen Klimaschutzprogramm FLLOCA (Kenya News Agency 2025).
Die Kimuchia Secondary School, eine der ersten, die von dem Programm profitierte, hat nicht nur eine Biogasanlage bekommen, sondern auch neue Küchen, einen Kuhstall und gleich mehrere Kühe dazu. „Die Reduzierung der Brennstoffkosten bedeutet, dass mehr Mittel für Bildungsprogramme und die Entwicklung der Schüler zur Verfügung stehen“, sagt Schulleiterin Mary Mua. „Das Projekt hat auch praktische Lernmöglichkeiten geschaffen – besonders für Schüler mit Interesse an Naturwissenschaften und Umweltstudien.“ (Kenya News Agency 2025).
Die Technik dahinter
Die Anlagen, die in Kenia zum Einsatz kommen, arbeiten nach einem einfachen Prinzip. In einem geschlossenen Behälter, dem sogenannten Fermenter, zersetzen Bakterien organische Abfälle unter Sauerstoffausschluss. Dabei entsteht Methangas, das in die Küche geleitet und dort verbrannt wird. Als Nebenprodukt fällt ein nährstoffreicher Flüssigdünger an, der auf den schuleigenen Feldern verwendet werden kann (Kenya News Agency 2025).
Die Größe der Anlagen variiert. Während kleine Systeme für Haushalte etwa 75.000 Kenia-Schilling kosten (rund 500 Euro), können große Schul-Anlagen ein Vielfaches dessen verschlingen – zahlen sich aber schnell zurück. Das Rift Valley Institute of Science and Technology (RVIST) spart mit seiner 200-Kubikmeter-Anlage jährlich umgerechnet etwa 7.500 Euro an Brennstoffkosten. Die Investition amortisiert sich in weniger als zwei Jahren (Kenyabiogas 2025).
*[Wusstest du? Flexi-Biogas-Anlagen können in nur drei Stunden installiert werden und produzieren bereits nach drei bis fünf Tagen Gas. Sie laufen mit allen biologisch abbaubaren Materialien – von Kuhdung über Küchenabfälle bis zu Marktabfällen (INFORSE 2020).]*
Ein lokaler Erfinder mit Weitblick
Während große Organisationen das Feld dominieren, gibt es auch Einzelkämpfer, die Bemerkenswertes leisten. Antony Wanjohi ist Sozialwissenschaftler und Erfinder. Sein „Kenpro Biogas Programme“ hat seit 2021 über 50 Haushalts- und Schul-Anlagen in Kenia und der Demokratischen Republik Kongo installiert. Seine Vision: erschwingliche, tragbare Biogasanlagen für die breite Bevölkerung (Standard Media 2025).
„Die Kunden schätzen vor allem die Kosteneinsparungen“, sagt Wanjohi. „Viele berichten auch von verbesserten Gesundheitsbedingungen, weil der Rauch weg ist, der beim Kochen mit Holz entsteht.“ (Standard Media 2025). Sein nächstes Ziel ist die Massenproduktion von tragbaren Biogasanlagen, die nur noch 50.000 bis 90.000 Kenia-Schilling kosten sollen (rund 350 bis 600 Euro).
Was die Schulen berichten
Die Bilanz der Biogas-Schulen ist beeindruckend. Die Eldoret Educational Resource Centre konnte ihren Feuerholzverbrauch von 24 Tonnen pro Trimester auf die Hälfte reduzieren. „Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch wirtschaftlich“, sagt Schulleiter David Kipyego (Save Kenya Water Towers 2023).
In der Rurii Primary School am Nakuru-See geht man noch einen Schritt weiter. Hier wurden sogenannte Bio-Latrinen installiert – Toiletten, die menschliche Ausscheidungen direkt in Biogas verwandeln. Das System schützt nicht nur die Wälder, sondern auch das Grundwasser. Der Kabatini-Aquifer, eine wichtige Trinkwasserquelle für die Region, wird durch die neue Technik entlastet (KBC 2024).
Das Projekt wird von WWF-Kenia, der Egerton University und der niederländischen Botschaft unterstützt. „Wir zeigen, dass Abfall nicht einfach verschwindet, sondern zu einer Ressource werden kann“, sagt Malesi Shivaji von der Kenya Water and Sanitation Civil Society Network (KBC 2024).
Quellen:
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Grist (2014): A Kenyan kid turns his friends‘ poop into clean energy. https://grist.org/climate-energy/a-kenyan-kid-turns-his-friends-poop-into-clean-energy/
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INFORSE (2020): Flexi Biogas / FlexiTech. International Network for Sustainable Energy. https://www.localsolutions.inforse.org/pages/Case_example2.1.php?ID=1313
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KBC (2024): Rurii school’s bio-latrines pave the way for Kabatini Aquifer conservation. https://cloud.kbc.co.ke/rurii-schools-bio-latrines-pave-the-way-for-kabatini-aquifer-conservation/
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Kenya News Agency (2025): Tharaka Nithi rolls out biogas plants in schools. https://www.kenyanews.go.ke/tharaka-nithi-rolls-out-biogas-plants-in-schools/
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Kenyabiogas (2025): Biogas For Schools – A Smart Investment For A Sustainable Future! https://abc.kenyabiogas.com/news/biogas-for-schools-a-smart-investment-for-a-sustainable-future/
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Save Kenya Water Towers (2023): Biogas Story as highlighted by Thomson Reuters Foundation. https://www.savekenyawatertowers.org/save-kenya-water-towers-biogas-story-as-highlighted-by-thomas-reuters-foundation/
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Standard Media (2025): Antony Wanjohi: Giving you clean, affordable cooking solutions. https://www.standardmedia.co.ke/business/citybiz/article/2001510124/antony-wanjohi-giving-you-clean-affordable-cooking-solutions
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TU Delft (2025): J.F.M. Molenbroek – Person Profile. https://repository.tudelft.nl/person/Person_f6404c0c-12de-4146-ab9c-eca25f800122
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