Team HHH Klinikclowns, COpyright Verena Breitbach

Klinikclowns – wenn Lachen keine Kleinigkeit ist

(Deutschland/Wien) Sie kommen mit roter Nase, klappernden Schuhen und einem Koffer voller Unsinn. Aber was sie tun, ist alles andere als banal. Klinikclowns besuchen kranke Kinder, pflegebedürftige Senioren und Menschen auf Palliativstationen – und bringen in Räume, die von Angst, Schmerz und Einsamkeit geprägt sind, etwas zurück, das dort niemand erwartet: Leichtigkeit. Und die Wissenschaft hat inzwischen nachgemessen, was jeder fühlt, der es erlebt hat.

Die Idee beginnt 1986 in New York. Michael Christensen, Mitgründer des Big Apple Circus, schickte erstmals ausgebildete Clowns in Kinderkliniken.

Ein Kind völlig in seinem Element. Copyright Humor Hilft Heilen
Ein Kind völlig in seinem Element. Copyright Humor Hilft Heilen

Bereits 1991 fanden im Wiener AKH, in der Kinderdialysestation, die ersten Clownvisiten in Europa statt – initiiert vom Verein CliniClowns-Austria, dem ersten Klinikclown-Verein des Kontinents. In Deutschland entstand 1994 der Verein Clown Doktoren e. V., 2004 folgte der bundesweite Dachverband Clowns in Medizin und Pflege Deutschland e. V.

Heute ist Klinikclownerei kein Nischenphänomen mehr. Im Jahr 2024 brachten laut Angaben des Dachverbands 359 Klinikclowns Humor in 504 medizinische und pflegerische Einrichtungen in ganz Deutschland. Was als emotionale Ergänzung zum Klinikalltag begann, ist inzwischen wissenschaftlich erforscht, vom Deutschen Bundestag gefördert und von Fachleuten aus Medizin und Pflege als notwendig anerkannt.

Was Lachen im Körper bewirkt

Humor hilft heilen. Bild Verein Humor Hilft Heilen.
Humor hilft heilen. Bild Verein Humor Hilft Heilen.

Klinikclownerei ist keine Therapie im medizinischen Sinne – aber ihre Wirkung ist messbar. Eine internationale Studie, die das British Medical Journal im Oktober 2020 veröffentlichte, zeigt: Klinikclowns können die psychosoziale Gesundheit von kranken Kindern verbessern, ihre Schmerzen und Ängste lindern und negative psychische Folgen eines Krankenhausaufenthalts reduzieren.

Die Mechanismen dahinter sind bekannt: Beim Lachen werden Endorphine freigesetzt – Botenstoffe, die die Wirkung von Schmerz blockieren und Glücksgefühle im Körper erzeugen. Bereits 15 Minuten Lachen verringert die Schmerzempfindlichkeit nachweislich.

Besonders eindrücklich sind die Befunde rund um Operationsvorbereitung. Eine Pilotstudie der Universität Greifswald zeigte erste Hinweise darauf, dass Kinder, die in der OP-Vorbereitung von einem Klinikclown begleitet wurden, deutlich weniger Angst hatten und einen um 30 Prozent gestiegenen Oxytocin-Spiegel aufwiesen – bekannt als «Kuschelhormon», das Vertrauen stärkt und Stress abbaut.

Wusstest du? In einer Studie an einer israelischen Klinik wurde beobachtet, dass sich der Prozentsatz erfolgreicher In-vitro-Fertilisationen mit dem Besuch von Clowndoktoren von 20 auf 36 Prozent steigerte.

Nicht nur für Kinder – auch für Senioren

Humor Hilft auch alten Leuten. Copyright Marina Weigel
Humor Hilft auch alten Leuten. Copyright Marina Weigel

Klinikclowns werden häufig mit Kinderkliniken assoziiert. Doch ihre Wirkung reicht weit darüber hinaus. Die CAsHeW-Studie – die grösste deutschsprachige Untersuchung zu Clownerie in Pflegeeinrichtungen – wurde von der Technischen Hochschule Deggendorf durchgeführt und vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert.

Die Auswertung von Erfahrungsberichten und Befragungen in 20 Altenhilfeeinrichtungen in vier Bundesländern ergab: Die Begegnungen mit professionellen Klinikclowns verwandelten schwierige Situationen in leichte Momente. Sie bedeuteten wohltuende Mitbestimmung und Autonomiegewinn für die Bewohnerinnen und Bewohner und wirkten dadurch grundsätzlich entlastend.

Das Fazit der Forschenden war eindeutig: «Besuche von professionell ausgebildeten Clowns sind eine Intervention, die nachweislich zur Lebensqualität von Bewohnerinnen und Bewohnern in Seniorenheimen beiträgt. Diese ergänzende Massnahme ist stationären Langzeitpflegeeinrichtungen dementsprechend dringend zu empfehlen.

Wusstest du? Laut einer vom Dachverband zitierten Allensbach-Studie in vier Hamburger Seniorenheimen zeigte: 91 Prozent des Pflegepersonals berichten von positiven Reaktionen bei Bewohnenden während der Clownsbesuche. 85 Prozent der Mitarbeitenden geben an, dass die Besuche auch ihre eigene Arbeit erleichtern und die Stimmung im Team verbessern. 

Wie Klinikclowns wirklich arbeiten

Klinikclowns arbeiten in der Regel in Zweierteams, stimmen ihre Besuche mit dem Pflegepersonal ab und lesen jede Begegnung individuell. Vor dem Einsatz besprechen sie mit ihren hausinternen Ansprechpartnern die aktuellen Befindlichkeiten der Kinder, Senioren oder Menschen mit Behinderung. Eine laute Nummer gibt es nur, wenn sie willkommen ist. Manchmal ist die stärkste Intervention ein stilles Lied, ein sanfter Blick, eine kleine Geste.

Klinikclowns in Deutschland besuchen hauptsächlich Kinder (81 Prozent) und Senioren (76 Prozent). Fast jeder zweite Klinikclown besucht auch Menschen mit Behinderung. Rund ein Viertel ist auf Palliativstationen oder im Hospiz im Einsatz. Auch dort, wo das Leben endet, kann ein Moment der Menschlichkeit etwas bedeuten, das sich nicht messen lässt – und trotzdem wirkt.

Hat Dich der Artikel inspiriert und hast Du auch Lust andere Menschen glücklich zu machen? Vielleicht ist unser anderer Artikel vielleicht interessnt für dich. Wie du die Arbeit von Klinikclowns unterstützen oder selbst Klinikclown werden kannst

 


Quellen

Dachverband Clowns in Medizin und Pflege Deutschland e. V. (o. J.): Startseite. dachverband-clowns.de.

ROTE NASEN Deutschland (2020): Aktuelle Studie belegt: Klinikclowns fördern die Gesundheit von Kindern im Krankenhaus. rotenasen.de.

Bibliomed Pflege (2023): Studie belegt Erfolg von Klinikclowns in Pflegeheimen. bibliomed-pflege.de.

Humor Hilft Heilen (2024): Klinikclowns am UKB spenden Kraft und Zuversicht in der OP-Begleitung. humorhilftheilen.de.

KlinikClowns e. V. (o. J.): Häufige Fragen. klinikclowns.de.

Clown Rucki (o. J.): Wie das Lachen in die Klinik kam. clown-rucki.de.

Wikipedia (o. J.): Clowndoktor. Wikimedia Foundation.

Wikipedia (o. J.): CliniClowns. Wikimedia Foundation.

Universitätsmedizin Greifswald / Humboldt-Universität Berlin (o. J.): Pilotstudie Klinikclowns und Oxytocin. Zitiert nach: olgaele-stiftung.de.


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