„Annersch ist nicht allein“: Wie ein Verein im Erzgebirge queeres Leben sichtbar macht

Ein sonniger Samstag im Mai 2025 in Annaberg-Buchholz. Auf dem Platz vor der St.-Annen-Kirche duftet es nach Kaffee und Crêpes, Kinder malen bunte Regenbogen an eine lange Papierbahn, und an einem Infostand diskutieren zwei Jugendliche mit einer Sozialarbeiterin über Pronomen. Für viele hier ist es das erste Mal, dass sie offen über Identität sprechen können – ohne Angst, als „annersch“ abgestempelt zu werden. Der „Annersch Tag“ hat begonnen (machen!2025 2025).

Im Erzgebirge spricht man „annersch“, wenn etwas anders ist. Und anders sein – das ist für queere Menschen in der ländlichen Region oft mit Unsicherheit verbunden. Viele werden gar nicht erst wahrgenommen, andere trauen sich nicht, sich zu zeigen. Der different people e.V. will das mit einem Aktionstag für junge Menschen, Familien, Lehrkräfte und Sozialarbeiterinnen ändern. Infostände, Spiele, Musik und Gesprächsangebote schaffen einen Rahmen, in dem offen über Identitäten, Vorurteile und Lebensrealitäten gesprochen werden kann (machen!2025 2025).

Getragen wird der Tag von einem breiten Netzwerk lokaler Akteurinnen und Akteure – alle können Ideen beitragen. Das Ziel: Nicht nur Begegnung ermöglichen und Barrieren abbauen. Vielmehr sollen queere Jugendliche spüren, dass sie auch im ländlichen Raum gesehen und unterstützt werden. Dass sie nicht allein sind (machen!2025 2025).

Wusstest du? Der Name „Annersch Tag“ ist Programm: Er nimmt das regionale Wort für „anders“ auf und verwandelt es von einer möglichen Zuschreibung in eine Einladung zur Begegnung. Queeres Leben wird so nicht als exotisch, sondern als Teil der Dorfgemeinschaft sichtbar (machen!2025 2025).

Sichtbarkeit, die Mut macht

Maria Zhigljaev vom different people e.V. begleitet seit vielen Jahren CSDs im Chemnitzer Umland und weiß, wie wichtig solche Räume sind. In Stollberg etwa erlebte sie, dass die Stadt sich desinteressiert zeigte, Besucherinnen von außerhalb anreisten und Einheimische Angst hatten, erkannt zu werden. Eine junge Person schilderte ihr: „Sie_er fühle sich mit der eigenen queeren Identität nie sicher in der Stadt“ (TolSax 2025).

Genau hier setzt der Annersch Tag an. Nicht als einmalige Demonstration, sondern als Einladung zum Gespräch – niedrigschwellig, bunt, für alle offen. Dass die Arbeit queerer Vereine kräftezehrend ist, weiß Zhigljaev aus eigener Erfahrung: „Umso wichtiger ist es gerade jetzt, nicht aufzugeben, in den eigenen Communities aktiv zu werden und lokale demokratische Strukturen zu stärken“ (TolSax 2025). Deshalb wünscht sie sich Solidarität, Mitdenken von Queerfeindlichkeit bei anderen Trägern – und vor allem viele mutige Personen, die sich gegenseitig aufbauen (TolSax 2025).

Wusstest du? Der erste Annersch Tag im Mai 2025 war erst der Anfang. Weitere sollen folgen – denn Sichtbarkeit beginnt nicht in der Großstadt, sondern vor Ort. Überall. Mit einem offenen Platz und einem freundlichen Gespräch (machen!2025 2025).

Was bleibt

Der Annersch Tag macht deutlich, dass queeres Leben auch im Erzgebirge selbstverständlich ist. Dass „annersch“ kein Schimpfwort sein muss, sondern eine Einladung, genau hinzuschauen. Und dass ein paar Stunden auf einem Platz in Annaberg-Buchholz mehr bewirken können als manche Großstadtparade: das Gefühl, gesehen zu werden. Anerkannt. Und nicht mehr allein.

Quellen:

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