Ein Dorf aus tausend Händen: Wie ein Kunstprojekt in Schottland aus einzelnen Häusern eine ganze Gemeinschaft formt
Stell dir einen Tisch vor, auf dem nach und nach ein ganzes Dorf entsteht. Jedes Haus ist ein Unikat, geformt von anderen Händen, getragen von einer eigenen Idee. Doch zusammen ergeben sie etwas Größeres: eine Gemeinschaft aus Ton, Fantasie und dem Willen, Teil eines Ganzen zu sein. Genau das passiert in Edinburgh, wo die Universität gemeinsam mit Künstlerinnen und Künstlern Menschen aller Altersgruppen einlädt, ihr eigenes Miniatürhaus zu bauen – und so Teil eines wachsenden Kunstwerks zu werden (University of Edinburgh 2025).
Das „Model Village Project“ ist mehr als ein Kunstworkshop. Es ist eine Einladung, über die Frage nachzudenken, was uns verbindet. Die Idee stammt von einem einfachen, aber tiefgründigen Konzept: Wenn viele Menschen ein kleines Haus aus Ton formen und alle diese Häuser am Ende zusammenstehen, entsteht nicht nur eine Miniaturstadt. Es entsteht ein Abbild von Gemeinschaft – mit all ihren Unterschieden, Eigenheiten und Überraschungen (University of Edinburgh 2025).
Der Name „Model Village“ spielt bewusst mit einer doppelten Bedeutung. Er verweist auf die Miniaturdörfer, die man aus Modellbauausstellungen kennt – aber auch auf die historischen „Model Villages“ des 19. Jahrhunderts, in denen Industrielle ihre Arbeiterinnen und Arbeiter in mustergültigen Siedlungen unterbrachten. Was bedeuten Fortschritt, Ordnung und Individualität? Und wie viel Platz bleibt für das Besondere, wenn alle nach einem Plan gebaut werden? (University of Edinburgh 2025).
Wusstest du? Das Projekt wird von einem „Open Educational Resource“-Toolkit begleitet, das Schritt für Schritt erklärt, wie man ein eigenes Tonhaus baut – und das ausdrücklich dazu einlädt, das fertige Werk für ein größeres Gemeinschaftskunstwerk zur Verfügung zu stellen. Die Macherinnen und Macher ermutigen ausdrücklich: „Mach dir keine Sorgen, dass dein Haus perfekt aussehen muss. Die ungewollte Individualität ist das, was zählt“ (University of Edinburgh 2025).
Partizipation als Kunstform
Was dieses Projekt so besonders macht, ist der partizipative Ansatz. Es geht nicht darum, dass eine einzelne Künstlerin ein Werk schafft, das dann bestaunt wird. Sondern darum, dass möglichst viele Menschen selbst zu Künstlerinnen und Künstlern werden. Jeder, der mitmacht, bekommt eine Anleitung, einfache Werkzeuge und etwas Ton. Dann entstehen – in Schulen, Gemeindezentren oder zu Hause an der Küche – die kleinen Häuser. Jedes anders, jedes mit einer eigenen Geschichte (University of Edinburgh 2025).
Die fertigen Häuser werden fotografiert und können an einer zentralen Stelle eingereicht werden. Auf dem Instagram-Kanal @modelvillage25 wächst so nach und nach eine virtuelle Modellstadt. Wer möchte, kann sein Haus aber auch für eine spätere physische Ausstellung zur Verfügung stellen – und Teil einer realen Gemeinschaftsinstallation werden (University of Edinburgh 2025).
Wusstest du? Das Projekt ist als offene Bildungsressource (OER) konzipiert und unter der Lizenz CC BY-ND veröffentlicht. Das bedeutet: Jede und jeder kann die Idee aufgreifen und in der eigenen Stadt, Schule oder Nachbarschaft umsetzen – ob mit gebranntem Ton oder einfacher lufttrocknender Modelliermasse (University of Edinburgh 2025).
Was bleibt
Wenn am Ende all die kleinen Häuser nebeneinanderstehen, zeigt sich, was Gemeinschaft ausmacht: Nicht Gleichförmigkeit, sondern das Nebeneinander von Unterschieden. Jedes Haus ist anders – mal schief, mal perfekt, mal fantasievoll, mal schlicht. Und doch gehören sie alle zusammen. Genau wie die Menschen, die sie gebaut haben.
Quellen:
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University of Edinburgh 2025. „Model Village: A Participatory Art Assignment“. [online]
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