139 Betten entstanden beim Umbau des Hotels in Denver by Colorado Coalition.

Denver verwandelt 139 Hotelzimmer in Wohnungen für Obdachlose

(Denver/USA) – Ein ehemaliges Quality Inn & Suites im Nordosten von Denver steht nicht mehr leer. Die gemeinnützige Organisation Colorado Coalition for the Homeless hat das Hotel für 11,1 Millionen Dollar gekauft, in sechs Monaten zu 139 vollständig möblierten Micro-Apartments umgebaut – und damit das schnellste bezahlbare Wohnbauprojekt in der Geschichte Denvers realisiert. Das Modell könnte Schule machen.

John Parvensky leitet die Colorado Coalition for the Homeless seit 1985. Er kennt die langen Wege des sozialen Wohnungsbaus: Normalerweise dauert es zwei bis drei Jahre, bis eine neue Wohneinheit entsteht – von der Planung bis zum Einzug. Als er an der Quebec Street an dem leerstehenden Hotelgebäude vorbeifährt, denkt er nicht an Architektur. Er denkt an die Menschen, die heute Nacht auf der Straße schlafen. Laut Parvensky sei das Projekt wirklich aus der Verzweiflung heraus entstanden. Man habe sich den Kopf zerbrochen, wie die Zeit verkürzt werden könne, damit die Menschen, die heute Nacht auf der Straße sind, so schnell wie möglich ein Zuhause hätten.

Die Antwort heißt Fusion Studios.

Aus Hotelzimmern werden Wohnungen – in sechs Monaten

Das ehemalige Quality Inn & Suites an der 3737 N. Quebec Street im Stadtteil Park Hill wurde vollständig renoviert und in 139 möblierte Studio-Apartments umgebaut. Jede Einheit verfügt über Bett, Kommode, Schreibtisch, Stuhl, Fernseher – und eine neu eingebaute Küchenzeile. Im Erdgeschoss entstanden außerdem neue Sanitäranlagen, ein Brandschutz-Sprinklersystem wurde nachgerüstet.

Die Finanzierung kam aus mehreren Quellen: Ein Überbrückungskredit der Northern Trust Bank ermöglichte den Kauf. Das Denver Housing Authority D3 Bond Program steuerte fast fünf Millionen Dollar bei, weitere mehr als vier Millionen kamen vom Colorado Division of Housing, drei Millionen vom Colorado Department of Human Services.

Das Ergebnis ist das Gebäude dieser Art, das die Coalition mitentwickelt hat – aber das erste, das in nur einem halben Jahr fertiggestellt wurde. Colorados Gouverneur Jared Polis, der die Einrichtung besichtigte, nannte es laut Medienberichten ein Beispiel dafür, den bürokratischen Aufwand zu durchschneiden – zu einem Bruchteil der Kosten eines Neubaus und in einem Bruchteil der Zeit.

Wusstest du? Normalerweise dauert es in Denver zwei bis drei Jahre, eine neue Wohneinheit zu schaffen. Fusion Studios wurde in sechs Monaten fertiggestellt – das schnellste Projekt dieser Art in der Geschichte der Stadt.

Wer einzieht – und was ihn erwartet

Fusion Studios richtet sich an Einzelpersonen und Paare, die obdachlos sind oder unmittelbar davon bedroht werden. Die Miete ist auf maximal 30 Prozent des monatlichen Einkommens der Bewohner begrenzt. Die Apartments sind sofort bezugsfertig – niemand muss auf Möbel warten oder sich selbst ausstatten.

Vor Ort arbeiten Fallmanager, die die Bewohner mit Gesundheits- und Beratungsangeboten verbinden. Das Gebäude hat rund um die Uhr Sicherheitspersonal und einen Empfang, dazu einen Hausmeister, Reinigungspersonal und eine Hausverwaltung. Das Modell folgt dem sogenannten „Housing First“-Ansatz: Erst eine stabile Unterkunft, dann die Bearbeitung aller weiteren Problemlagen.

Die Belegung erfolgt schrittweise – Bewohner ziehen ein und aus, je nach Situation. Partner wie Denver Health und die Metro Denver Homeless Initiative helfen dabei, geeignete Bewohner zu identifizieren und zu vermitteln.

Denver setzt das Modell fort

Fusion Studios war erst der Anfang. Inzwischen hat die Colorado Coalition for the Homeless das frühere Clarion Hotel an der 200 W. 48th Avenue für 24 Millionen Dollar erworben und baut es zu 215 Einheiten für obdachlose Menschen um, bekannt als Renewal Village. Der Stadtrat von Denver stimmte einstimmig für eine zusätzliche Förderung von 3,1 Millionen Dollar für dieses Projekt.

Laut Parvensky brächten Hotelumbauten dringend benötigte Wohnungen schneller und günstiger auf den Markt als Neubauten. Und sie zeigten, was möglich sei, wenn öffentliche Stellen, gemeinnützige Organisationen und Finanzinstitutionen an einem Strang ziehen.

Wusstest du? Die Zahl der Obdachlosen im Großraum Denver stieg zwischen 2021 und 2022 um fast ein Viertel – von 5.530 auf 6.884 Menschen.


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Quellen

Colorado Coalition for the Homeless (2024) Renewal Village. Verfügbar unter: https://www.coloradocoalition.org/property/renewalvillage

Denver Gazette (2024) Denver City Council approves $3.1M to convert hotel rooms into supportive housing. Verfügbar unter: https://gazette.com/2024/04/10/denver-city-council-approves-31m-to-convert-hotel-rooms-into-supportive-housing/

Colorado Politics (2024) Denver City Council approves $3.1M to convert hotel rooms into supportive housing. Verfügbar unter: https://www.coloradopolitics.com/2024/04/11/denver-city-council-approves-3-1m-to-convert-hotel-rooms-into-supportive-housing-4b4b6f16-950f-5292-a46f-6fca0888cc8f/

9News (2020) Denver hotel converted into housing for people experiencing homelessness. Verfügbar unter: https://www.9news.com/article/news/local/denver-hotel-converted-into-housing-for-people-experiencing-homelessness/73-d7a11832-331b-4479-a7be-99e8a102b68d

 


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