(Deutschland) Immer mehr Bauern schließen sich zusammen, um eine eigene Molkerei zu gründen. An große Molkereien zu verkaufen, mag ein Biobauer gar nicht. Oft werden die kleinen Milchverarbeitungsanlagen durch die Bevölkerung aus der Umgebung finanziert – denn diese möchte regionale und ökologische Produkte.
Die Situation rund um die deutsche Biomilch ist komplizierter, als es auf den ersten Blick scheint. Obwohl sich Biobauern seit der Einführung von Bio-Milcherzeugergemeinschaften (man verkauft gemeinsam an eine Molkerei, um einen guten Preis zu erzielen) über einen stabilen Milchpreis freuen dürfen, ist es dennoch nicht einfach, die gute Biomilch an den Mann oder die Frau zu bringen. Der einfache Weg wäre, an große Molkereien zu verkaufen, die auch biozertifizierte Milch verarbeiten dürfen. Um einmal zu illustrieren, was „groß“ bedeutet: „Die konventionelle Molkerei DMK verarbeitet rund 18-mal so viel Milch wie die fünf größten Biomolkereien Andechser, Gläserne Meierei, Berchtesgadener Land, Söbbeke und die deutschen Ableger der dänischen Molkerei Arla zusammen“ (Bioland 2016). Verständlicherweise möchte ein Biobauer lieber an eine reine Biomolkerei verkaufen – denn wer möchte schon seine gute Biomilch mit konventioneller Milch vermischt haben?
Die Lösung: eine eigene Molkerei
Unter anderem aus dieser Motivation heraus, „die Großen“ zu vermeiden, entstand die Erzeugergemeinschaft Hamfelder Hof, die sich 2013 mit 27 Bioland-Milchbauern (wieder) gegründet hat. Seit dem 01.08.2015 produziert der Hamfelder Hof Biomilch. Dabei ist der Hamfelder Hof bereits sehr professionell aufgestellt, kann den Bedarf von Supermärkten und Kundschaft bedienen und produziert auch länger haltbare Biomilch. Anderen Mikromolkereien, wie etwa der Tü-Bio aus Tübingen, fehlt diese Technik (um Milch haltbar zu machen). Als Resultat waren die Bestellungen zunächst verhalten und sind es teilweise noch immer, denn die Tü-Bio-Milch ist nur sieben Tage haltbar. Trotzdem erfreut sich das Angebot der Tü-Bio großer und wachsender Beliebtheit. Dass die Konsumenten aus der Region voll hinter dem Konzept der Biomolkerei stehen, zeigen die 300.000 Euro, die von Bürgern aus der Region in die Molkerei investiert wurden.
Langfristig lässt sich sagen, dass ein Konzept wie die Mikromolkerei Zukunft hat und voll im Trend liegt. So ist der Anteil von Biomilch am Milchmarkt zwischen 2008 und 2014 um 30 % gestiegen (Bioland 2016), obwohl die Deutschen insgesamt immer weniger Milch trinken. Der deutsche Biomilchmarkt ist zudem weiterhin auf Importe aus Österreich und Dänemark angewiesen – nicht zuletzt, weil österreichische Biobauern etwa 6 % mehr erhalten als im eigenen Land (Bioland 2016).
Links zu verschiedenen kleinen Biomolkereien:
Tü-Bio Molkerei
http://www.tue-bio.de/
In der Region Tübingen.
Hamfelder Hof
http://www.hamfelderhof.de/
Ein Zusammenschluss von 27 Biolandbauern in Schleswig-Holstein.
De Öko Melkburen
http://deoekomelkburen.de/
Eine kleine Mikromolkerei, die aus drei Biolandbauern besteht.
Quellenangaben:
Bioland.de (2016): „Bioland: Der Trend geht zur eigenen Molkerei“. Abgerufen am 28.02.2016 von http://www.bioland.de/im-fokus/hintergrund/detail/article/milch.html.
Loderhose, Jan (2016): „Startseite der Tübinger Bio-Bauernmilch GmbH – Tü Bio“. Tue-bio.de. Abgerufen am 28.02.2016 von http://www.tue-bio.de/.
Hamfelderhof.de (2016): „Milchprodukte aus der Meierei Bauerngemeinschaft – Hamfelder Hof“. Abgerufen am 28.02.2016 von http://www.hamfelderhof.de/.
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