Der ‚Wald der Vielfalt‘ – der erste Tiny Forest Deutschlands in Brandenburg
(Zichow/Deutschland) In der brandenburgischen Uckermark wächst seit März 2020 ein Wald, der zeigt, wie schnell Natur zurückkehren kann, wenn man ihr Raum gibt (MIYA Forest o. J.; ESKP 2020). Der „Wald der Vielfalt“ in Zichow ist klein, dicht und bewusst geplant – und gerade deshalb ein kraftvolles Beispiel für Biodiversität, Klimaschutz und neue Wege der Aufforstung.
Es ist ein unscheinbarer Ort am Rand von Zichow. Ein Weg, ein Feld, ein Seminarhaus – und mittendrin ein Stück Wald, das auf den ersten Blick kaum auffällt. Erst beim Näherkommen wird sichtbar, wie dicht hier gepflanzt wurde. Junge Bäume, Sträucher, Wildgehölze – eng nebeneinander, fast wie ein grünes Geflecht.
Der „Wald der Vielfalt“ gehört zu den ersten sogenannten Tiny Forests in Deutschland (Wikipedia o. J.). Auf einer Fläche von 800 Quadratmetern wächst hier ein Ökosystem, das nach der Miyawaki-Methode angelegt wurde (ESKP 2020; MIYA Forest o. J.) – nach der Miyawaki-Methode angelegt wurde – einem Konzept des japanischen Pflanzensoziologen Akira Miyawaki (Wikipedia o. J.).
Ziel ist es, Wälder zu schaffen, die besonders schnell wachsen und eine hohe Artenvielfalt entwickeln.
Ein Projekt aus einer Idee heraus
Die Initiative geht auf zwei Studierende zurück: Lukas Steingässer, der seine Bachelorarbeit zur Miyawaki-Methode schrieb, und Stefan Scharfe, der im Master studierte – beide an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (ESKP 2020). Unterstützung kam von verschiedenen Seiten. Das Seminarhaus Uckermark stellte das Grundstück zur Verfügung (Brandenburg im Wandel o. J.). Die Organisation MIYA Forest & friends begleitete das Vorhaben fachlich (MIYA Forest o. J.). Die Hochschule selbst war ebenfalls beteiligt – mit wissenschaftlicher Begleitung (ESKP 2020). Finanziert wurde das Projekt vollständig über Crowdfunding. Finanziert wurde das Projekt vollständig über Crowdfunding. Laut MIYA Forest kamen dabei über 14.000 Euro zusammen (MIYA Forest o. J.).
Wusstest du? Tiny Forests werden mit rund drei bis vier Pflanzen pro Quadratmeter bepflanzt – deutlich dichter als klassische Aufforstungen (ESKP 2020; MIYA Forest o. J.).
Dichte als Prinzip
Im März 2020 wurden in Zichow rund 3.000 Pflanzen gesetzt. Geplant waren 27 heimische Arten – nach der Pflanzung zählte der Wald 33 Baumarten (Forstpraxis 2020; Wikipedia o. J.).

Die genannten Arten – Stieleiche, Hainbuche, Feldahorn, Hasel, Holunder, Wildrose, Schlehe, Vogelkirsche, Weissdorn, Sandbirke – sind heimische Gehölze, die für die Region typisch sind. Die hohe Dichte ist kein Zufall, sondern Teil des Konzepts. Pflanzen konkurrieren um Licht, Wasser und Nährstoffe – ein Prozess, der das Wachstum beschleunigt (MIYA Forest o. J.).
Schon wenige Monate nach der Pflanzung zeigten sich erste Effekte. Viele Bäume wuchsen um mehr als einen halben Meter. Trotz eines heissen Sommers überlebten rund 99 Prozent der Pflanzen (MIYA Forest o. J.; Earthwatch o. J.).
Natur als System verstehen
Der Wald der Vielfalt ist mehr als ein Aufforstungsprojekt. Er ist ein Experiment – und zugleich ein Lernort. Messinstrumente erfassen Daten zu Boden, Wasser und Biodiversität. Die Entwicklung des kleinen Waldes wird wissenschaftlich begleitet (ESKP 2020).
Dabei geht es nicht nur um Wachstum, sondern um Zusammenhänge: Wie verändert sich der Boden? Welche Tiere kehren zurück? Wie stabil ist das System in Trockenperioden?
Wusstest du? Tiny Forests können laut Konzept deutlich schneller wachsen als klassische Wälder – in manchen Fällen bis zu zehnmal schneller (Brandenburg im Wandel o. J.; MIYA Forest o. J.).
Ein Modell für viele Orte
Was in Zichow entstanden ist, lässt sich nicht eins zu eins übertragen – aber die Grundidee ist universell: kleine Flächen, dicht bepflanzt, mit heimischen Arten, kombiniert mit lokaler Initiative und wissenschaftlicher Begleitung.
Gerade in Zeiten von Klimawandel und Artenverlust gewinnen solche Ansätze an Bedeutung. Sie zeigen, dass auch kleine Projekte Wirkung entfalten können – nicht als Ersatz für grosse Wälder, sondern als Ergänzung.
Der Wald der Vielfalt ist dabei auch ein Symbol. Für Engagement, für Zusammenarbeit und für die Frage, wie wir mit Natur umgehen wollen. Er zeigt, dass Veränderung nicht immer gross beginnen muss.
Manchmal reicht ein Stück Land, eine Idee – und die Bereitschaft, sie umzusetzen.
Quellen
ESKP 2020. Steingässer, L. & Scharfe, S. ‚Wald der Vielfalt – der erste Tiny Forest Brandenburgs‘. Earth System Knowledge Platform. [online] Verfügbar unter: https://www.eskp.de/klimawandel/wald-der-vielfalt-der-erste-tiny-forest-brandenburgs-9351092/
MIYA Forest o. J. ‚Wald der Vielfalt 2020‘. [online] Verfügbar unter: https://www.miya-forest.de/wald-der-vielfalt-2020
Forstpraxis 2020. ‚Der erste Tiny Forest Deutschlands entsteht in der Uckermark‘. [online] Verfügbar unter: https://www.forstpraxis.de/der-erste-tiny-forest-deutschlands-entsteht-in-der-uckermark/
Wikipedia o. J. ‚Akira Miyawaki‘. [online] Verfügbar unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Akira_Miyawaki
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