Bildung

Das Urwaldprojekt Wershofen 2026 – Von der Idee zum UN-ausgezeichneten Waldschutzprojekt

(Wershofen/Deutschland) In Deutschland sind alte Buchenwälder mit über 180 Jahren so selten, dass sie nur rund 0,16 Prozent der Landfläche ausmachen. Das Urwaldprojekt der Waldakademie Peter Wohlleben pachtet diese Flächen von der Nutzung frei – notariell gesichert, für 50 Jahre, ab 3,65 Euro pro Quadratmeter. Was 2020 in der Eifel begann, ist heute ein offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt. Und es wird gerade hörbar.


Ein Baum, der nicht gefällt wird, speichert weiter CO₂. Eine Fläche, die keiner Maschine befahren wird, baut Humus auf. Ein toter Stamm, der im Wald bleibt, wird zum Lebensraum für tausende Arten. Das klingt nach Selbstverständlichkeit – und ist in der deutschen Forstwirtschaft noch immer die Ausnahme.

Das Urwaldprojekt der Waldakademie Peter Wohlleben setzt genau dort an. Die Idee ist einfach: Waldflächen werden nicht gekauft, sondern von der Nutzung freigepachtet. Eigentümer verpflichten sich vertraglich, auf Holzeinschlag zu verzichten. Der Schutz wird über eine notarielle Dienstbarkeit im Grundbuch gesichert – kein Versprechen, sondern ein eingetragenes Recht, das 50 Jahre hält.

Buchen die am Boden wachsen, könnten viele, viele Jahrzehnte alt sein, aber sind noch recht klein. Bild Seven Colors
Buchen die am Boden wachsen, könnten viele, viele Jahrzehnte alt sein, aber sind noch recht klein. Bild Seven Colors

Was der Wald bekommt, wenn man ihn lässt

Ein bewirtschafteter Forst und ein Urwald unterscheiden sich nicht nur optisch. Sie unterscheiden sich biologisch fundamental. In echten Urwäldern finden sich rund 200 Kubikmeter Totholz pro Hektar – Stämme, die verrotten, Pilze ernähren, Käfer beherbergen und schließlich zu Humus werden. In wirtschaftlich genutzten Wäldern liegt dieser Wert oft bei einem Bruchteil davon.

Totholz ist kein Abfall. Es ist Lebensraum für geschätzte ein Drittel aller Waldarten – Fledermäuse, Spechte, seltene Käfer, Flechten, Pilze. Wer es entnimmt, entnimmt ein ganzes Ökosystem.

Klimatisch ist der Unterschied ebenfalls messbar. Schon 17 Quadratmeter dieser alten Bestände binden im Vergleich zu konventionell bewirtschafteten Forsten rund eine Tonne CO₂ zusätzlich – in der Biomasse und im Humusaufbau des Bodens. Das ist kein theoretischer Wert. Er entsteht dadurch, dass Bäume älter werden, dicker, mit mehr Biomasse – und dass der Boden nicht durch schwere Maschinen verdichtet und sein Humus nicht zerstört wird.

Die Projektflächen in Wershofen, Limbach, Lohmar und Rodder in der Eifel sind als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt anerkannt. Das ist keine Marketing-Auszeichnung, sondern eine inhaltliche Einordnung in den globalen Schutzrahmen.

Wusstest du? Alte Buchenwälder mit über 180 Jahren machen in Deutschland nur rund 0,16 Prozent der Landfläche aus. Buchenwälder gelten als das natürliche Klimaxstadium in Mitteleuropa – das heißt, sie wären ohne menschliche Eingriffe auf dem größten Teil des Landes die dominierende Waldform. Was heute als Seltenheit geschützt werden muss, war einst Normalzustand.

Der Wald wird hörbar

2026 kommt eine neue Dimension hinzu. Bioakustiksensoren werden in den Projektflächen installiert und nehmen die Soundkulisse des Waldes kontinuierlich auf. Eine KI analysiert die Daten und identifiziert dabei bis zu 10.000 verschiedene Arten – anhand ihrer Laute, Rufe und Frequenzen. Wer eine Fläche geschützt hat, kann auf seiner persönlichen Projektseite live mitverfolgen, wie das Leben in seinen Waldabschnitt zurückkehrt.

Das ist mehr als ein digitales Feature. Es ist die Übersetzung von etwas, das bisher unsichtbar war – biologische Vielfalt – in eine Form, die Menschen direkt erleben können. Und es schafft eine Bindung, die über den einmaligen Kauf hinausgeht.

Wer ab 75 Quadratmetern geschützter Fläche hat, kann an exklusiven Führungen teilnehmen. Termine 2026: 1. Juni in Wershofen, 1. November in Rodder. Der Unterschied zwischen Forst und Urwald – zwischen Baumplantage und echtem Wald – ist an diesen Orten mit allen Sinnen spürbar.

Eine Transparenznotiz ist angebracht: Partner wie Steinbeis Papier nutzen das Projekt auch für ihr grünes Marketing. Das ist ein legitimer PR-Effekt – aber da der Schutz notariell im Grundbuch verankert ist, entsteht trotzdem ein messbarer, dauerhafter ökologischer Sachwert. Das eine schließt das andere nicht aus.

Nichtstun im Wald ist die anspruchsvollste Form der Bewirtschaftung. Das Urwaldprojekt macht sie finanzierbar – ab einem Quadratmeter.


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Quellen

Waldakademie Peter Wohlleben 2024. „Urwaldprojekt – Schutz alter Buchenwälder“. [online] Verfügbar unter: https://www.wohllebens-waldakademie.de/urwaldprojekt

(o.J.) 2.500 m² Urwald. bessergrün: der nachhaltige Marktplatz. [Online] Verfügbar unter: https://bessergruen.de/projekte/buchen-urwaldprojekt/ [Abgerufen: 26.04.2026]

(o.J.) UrwaldProjekt 🌳 Schütze uralte Wälder & Klima in Deutschland. Wohllebens Waldakademie. [Online] Verfügbar unter: https://www.wohllebens-waldakademie.de/collections/urwaldprojekt?srsltid=AfmBOopcpsCSJEcOFvscsDh0_Y-tuJxCzNyC782sVdmELBVOoDmDugtZ [Abgerufen: 26.04.2026]

(o.J.) Zum Urwald zurück. zumurwaldzurueck.at. [Online] Verfügbar unter: https://zumurwaldzurueck.at/totholz.php [Abgerufen: 26.04.2026]


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