Soziales

Medizinische Angebote an die Tafel bringen – wie du das Freiburger Modell in deiner Stadt anstoßen kannst

Das Freiburger Modell ist nicht patentiert. Es ist kopierbar – in jeder Stadt, in der eine Tafel und ein Krankenhaus oder eine Arztpraxis existieren. Hier erfährst du, wie du den ersten Schritt machen kannst.

Kennst du schon unseren Artikel „Herzcheck bei der Tafel: Wenn Kardiologen dorthin gehen, wo die Menschen sind“? Dort erfährst du, wie Freiburg zeigt, dass niedrigschwelliger Zugang zur Gesundheitsversorgung keine Frage der Ressourcen ist – sondern der Haltung.

Was du brauchst

  • Kontakt zur lokalen Tafel oder einer ähnlichen sozialen Einrichtung
  • Eine Verbindung zu Ärztinnen, Ärzten oder einem Krankenhaus in deiner Nähe
  • Bereitschaft, das erste Gespräch zu führen – auch ohne fertige Konzept
Routine Untersuchungen oder ein kurzer Diabetes Check würden vielleich vielen Menschen helfen. Bild Judy Beth Morris
Routine Untersuchungen oder ein kurzer Diabetes Check würden vielleich vielen Menschen helfen. Bild Judy Beth Morris

Los geht’s

Schritt 1: Die lokale Tafel kontaktieren Finde die Tafel in deiner Stadt – auf tafel.de gibt es eine Suche nach Postleitzahl. Ruf dort an oder schreibe eine E-Mail und schildere die Idee: Ein monatliches medizinisches Angebot, das direkt bei der Ausgabe stattfindet. Frage, ob Interesse besteht und welche Rahmenbedingungen nötig wären.

Schritt 2: Medizinische Partnerinnen und Partner finden Sprich Hausarztpraxen, Facharztgruppen oder das lokale Krankenhaus an. Viele Ärztinnen und Ärzte wollen gesellschaftlich wirksam sein – ihnen fehlt oft nur die Struktur. Das Freiburger Modell zeigt: Es reicht, wenn zwei Personen einmal im Monat kommen.

Schritt 3: Einfach anfangen Du brauchst kein großes Konzept. Ein erster Testtermin mit einem Arzt oder einer Ärztin, ein Tisch bei der Tafel, ein Blutdruckmessgerät – das reicht für den Anfang. Was zählt, ist der erste Schritt. Alles andere entwickelt sich.

Schritt 4: Sprachbarrieren mitdenken Überlege, wer bei der Tafel in deiner Stadt ist. Wenn viele Menschen kommen, die kein oder wenig Deutsch sprechen, suche nach ehrenamtlichen Dolmetscherinnen oder Dolmetschern – über lokale Integrationsvereine oder Universitäten. Sprache ist oft die eigentliche Barriere, nicht das Geld.

Schritt 5: Die lokale Presse informieren Wenn der erste Termin gelaufen ist, informiere die lokale Zeitung oder ein Stadtmagazin. Geschichten wie diese sind gefragt – und die Berichterstattung macht das Angebot bekannt und stabilisiert es politisch.

Schritt 6: Vernetzen und weitergeben Teile deine Erfahrungen mit anderen Tafeln, anderen Ärztegruppen, anderen Sozialeinrichtungen. Das Freiburger Modell ist noch selten in Deutschland – aber es muss es nicht bleiben.

Wusstest du? Ähnliche Modelle gibt es in anderen europäischen Ländern schon länger. In den Niederlanden kommen Krankenschwestern in Supermärkte für kurze Gesundheitschecks. In Großbritannien gibt es „Social Prescribing“ – Ärzte verschreiben keine Pillen, sondern Gemeinschaftsangebote. Das Prinzip ist dasselbe: Gesundheit dorthin bringen, wo das Leben stattfindet.

Was du lernen wirst

Du wirst verstehen, dass Gesundheitsversorgung kein rein medizinisches Thema ist – sie ist eine soziale Frage. Du lernst, wie viel mit wenig möglich ist, wenn Menschen aus verschiedenen Systemen bereit sind zusammenzuarbeiten. Und du merkst: Der erste Schritt ist fast immer ein Gespräch.

Weiter gedacht

  • Informiere dich über das Konzept „Gesundheitskiosk“ – in mehreren deutschen Städten gibt es niedrigschwellige Gesundheitsberatungsstellen in Einkaufszentren oder Stadtteilen
  • Recherchiere, ob deine lokale Tafel bereits ähnliche Kooperationen hat – und wenn nicht, frage nach
  • Überlege, ob weitere medizinische Fachbereiche sinnvoll wären: Zahnmedizin, Psychiatrie, Kinderheilkunde

Es gibt viele Wege, diese Idee umzusetzen. Die Anregungen oben sollen nur eine Inspiration sein – wichtig ist, dass du deinen persönlichen Weg findest. Oft verliert man sich, wenn man sich zu streng an den Anleitungen anderer orientiert. Folge deinem Herzen – es weiß immer, wo der richtige Weg ist.

Planst du etwas Ähnliches oder hast du ein solches Projekt erfolgreich umgesetzt? Schreib uns unten in die Kommentare – davon können andere lernen und mitmachen.


Wichtiger Hinweis: Alle Ideen sind Inspirationen, keine geprüften Anleitungen. Du handelst in eigener Verantwortung. Bei baulichen, technischen oder rechtlichen Fragen hole bitte fachkundigen Rat ein. Bei Projekten mit Kindern ist besondere Sorgfalt geboten. Bist du noch jung? Dann sprich vorher mit deinen Eltern. Wir übernehmen keine Haftung für Schäden, Verletzungen oder Rechtsfolgen, die durch die Nutzung dieser Ideen entstehen.

Weiterführende Links:


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Quellen

Bundesverband Deutsche Tafel e.V. 2024. „Tafeln in Deutschland – Suche und Kontakt“. [online] Verfügbar unter: https://www.tafel.de

Universitätsklinikum Freiburg 2024. „Herzsprechstunde bei der Tafel“. [online] Verfügbar unter: https://www.uniklinik-freiburg.de

Kassenärztliche Bundesvereinigung 2023. „Gesundheits-Check-up ab 35 – Ihre Rechte“. [online] Verfügbar unter: https://www.kbv.de


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