Der Bürgerrat und Marlene Engelhorn: Gemeinsam für eine gerechtere Vermögensverteilung
(Österreich) 25 Millionen Euro Vermögen wurden nicht von Politik oder Stiftungen verteilt – sondern von 50 zufällig ausgewählten Bürger:innen. Das Projekt „Guter Rat für Rückverteilung“ zeigt, wie Reichtum demokratisch, fair und transparent eingesetzt werden kann, um soziale und ökologische Ungleichheit zu bekämpfen.
Hinter der Initiative steht Marlene Engelhorn, Nachfahrin von Friedrich Engelhorn, dem Gründer der BASF. Das Familienvermögen entstand vor allem durch den Verkauf des Pharmaunternehmens Boehringer Mannheim an den Schweizer Konzern Roche im Jahr 1997 (Wikipedia o. J.).
Sie hat 25 Millionen Euro ihres geerbten Vermögens zur Verfügung gestellt und gleichzeitig ihr Vertrauen in die Hände von 50 zufällig ausgewählten Menschen gelegt. Engelhorn kritisiert, dass in Österreich Arbeit und Konsum stark besteuert werden, Vermögen und Erbschaften jedoch kaum oder gar nicht. „Wenn die Politik versagt, müssen wir es selbst richten“, sagt sie.
Bürger:innen entscheiden über Engelhorns Vermögen
Die Auswahl der 50 Personen erfolgte repräsentativ für die österreichische Bevölkerung – nach Geschlecht, Herkunft, Einkommen und Bildung. Sie trafen sich an sechs Wochenenden in Salzburg, erhielten Input von Expert:innen zu Vermögensverteilung und deren gesellschaftlichen Folgen und entwickelten gemeinsam Vorschläge, wie die 25 Millionen Euro sinnvoll eingesetzt werden könnten.
24.946.000 Euro gingen an 77 Organisationen und Projekte in Österreich – laut offiziellem Abschlussbericht des Guten Rats (guterrat.info 2024).
Das Projekt zeigt, dass Geld nicht nur als Ressource dient, sondern auch als Instrument für gesellschaftliche Teilhabe und demokratische Mitsprache.
Ziele und Wirkung
Zentral ist der Gedanke, dass Vermögen nicht isoliert existiert, sondern im Austausch mit der Gesellschaft entsteht. Durch den demokratischen Entscheidungsprozess erhielten Betroffene direkt Mitspracherecht, Expertise und Ressourcen. Neben Geld floss auch Zeit, Wissen, Fähigkeiten und Netzwerke in die Umsetzung ein, beispielsweise durch ehrenamtliches Engagement oder das Öffnen exklusiver Räume.
Das Projekt verdeutlicht strukturelle Ungleichheiten: In Österreich besitzt 1 % der Bevölkerung etwa die Hälfte des gesamten Nettovermögens. In den kommenden 25 bis 30 Jahren werden in Österreich Schätzungen zufolge zwischen 600 und 800 Milliarden Euro vererbt – weitgehend steuerfrei (ÖGB 2025; Wirtschaftsnachrichten.at 2026).
Wobei fast die Hälfte an das reichste Zehntel der Haushalte geht. Laut einer repräsentativen Umfrage aus dem Jahr 2020 sprachen sich rund 64 bis 66 Prozent der Österreicher:innen für eine Besteuerung von Vermögen und Erbschaften über einer Million Euro aus (Wikipedia o. J.).
Wusstest du? Das Projekt „Guter Rat für Rückverteilung“ ist ein Beispiel für die direkte Beteiligung von Bürger:innen an Entscheidungen über Vermögen in Millionenhöhe – und unterscheidet sich damit deutlich von klassischen Stiftungen oder staatlichen Programmen.
Ein Modell für gesellschaftliche Verantwortung
„Guter Rat für Rückverteilung“ verbindet finanzielle Mittel mit demokratischer Mitbestimmung. Es zeigt, wie Reichtum fair verteilt werden kann, um sowohl soziale als auch ökologische Herausforderungen anzugehen. Gleichzeitig sendet das Projekt ein klares Signal: Entscheidungen über Ressourcen müssen nicht allein bei wenigen reichen Personen liegen – demokratische Prozesse können diese Macht verteilen.
Das Projekt ist damit nicht nur eine Form der finanziellen Unterstützung, sondern auch ein Experiment für neue Wege gesellschaftlicher Teilhabe und Verantwortung.
Quellen
guterrat.info 2024. „Die Ergebnisse – Guter Rat für Rückverteilung“. [online] Verfügbar unter: https://guterrat.info/die-ergebnisse/
guterrat.info 2024. „Mission Statement“. [online] Verfügbar unter: https://guterrat.info/mission-statement/
Wikipedia o. J. „Marlene Engelhorn“. [online] Verfügbar unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Marlene_Engelhorn
Wikipedia o. J. „Erbschaftssteuer in Österreich“. [online] Verfügbar unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Erbschaftssteuer_in_%C3%96sterreich
ÖGB 2025. „Österreich braucht gerechte Steuern“. [online] Verfügbar unter: https://www.oegb.at/themen/soziale-gerechtigkeit/steuern-und-konjunktur/grosses-erben-ohne-beitrag–oesterreich-braucht-gerechte-steuern
Raisin 2026. „Erbschaftssteuer in Österreich“. [online] Verfügbar unter: https://www.raisin.com/de-at/steuer/erbschaftssteuer/
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