Nachhaltigkeit & Umwelt

Rachel and Jun zeigen, wie man einen Beach Cleanup in Japan organisieren kann.

Shikanoshima/Japan. „Wir wollten einfach einen Unterschied machen.“ Was Rachel und Jun, ein bekanntes YouTube-Pärchen aus Japan, mit diesem Satz in die Tat umsetzten, wurde zu einer der bewegendsten Strand-Säuberungsaktionen, die das Internet je gesehen hat – organisiert ohne Budget, ohne PR-Agentur, nur über die eigene Community.

Der Shikanoshima Beach in Fukuoka war einst eine makellose Küstenlinie. Als Rachel und Jun ihn besuchten, fanden sie Plastikflaschen, Fischernetze, Schuhe, Reifen, Segel – einen Querschnitt dessen, was Menschen über Jahre ins Meer und an den Strand geworfen oder geschwemmt hatten. Die örtliche Fischereihafen-Abteilung hatte nur das Budget für eine professionelle Reinigung pro Jahr. Den Rest überließ man Freiwilligen – die bislang kaum da waren.

Das änderten Rachel und Jun.

Eine Herausforderung, die bleibt

Die #trashtag-Challenge hatte zu diesem Zeitpunkt bereits Fahrt aufgenommen – eine Internet-Bewegung, die Menschen dazu einlädt, verschmutzte Orte aufzuräumen und das Ergebnis zu dokumentieren: vorher, nachher, der Unterschied sichtbar gemacht. Rachel und Jun sahen darin mehr als einen viralen Trend. Sie nutzten ihre Reichweite auf YouTube und anderen Kanälen, um direkt die eigene Community zu aktivieren – keine Partnerorganisation, kein Sponsor, kein Magazin. Einfach: Kommt ihr mit?

Die Antwort war überwältigend. Menschen reisten von weit her an. Familien kamen mit kleinen Kindern. Einheimische, die den Strand kannten und liebten, packten an. Die Stadt Fukuoka unterstützte die Aktion mit Material und Getränken – Säcke, Handschuhe, Greifzangen. Der Rest war Gemeinschaft.


Wusstest du? Die #trashtag-Challenge entstand ursprünglich schon 2015 als Nischentrend, wurde aber erst 2019 durch einen viral gegangenen Reddit-Post weltweit bekannt – als ein Nutzer ein Vorher-Nachher-Foto einer Strandreinigung aus Indien postete und Millionen Menschen dazu inspirierte, es ihm gleichzutun.


Was unter dem Müll lag

Was die Freiwilligen am Shikanoshima Beach freilegten, zeigte das erschreckende Ausmaß jahrelanger Vernachlässigung. Neben den erwartbaren Plastikflaschen und Verpackungen fanden sich Fischernetze, Schuhe, Kleidungsstücke, Reifen und Segel – Gegenstände, die teils schon so lange dort lagen, dass sie sich in den Sand gegraben hatten.

Ein Moment blieb besonders im Gedächtnis: Ein kleines Kind, auf dem Rücken eines Elternteils, half beim Aufsammeln. Ein Bild, das mehr sagte als jede Kampagne – über Verantwortung, die man weitergibt, und über den Wert, den man der nächsten Generation mitgibt, wenn man sie nicht schützt vor den Konsequenzen unseres Konsums, sondern sie einlädt, Teil der Lösung zu sein.

Am Ende des Tages stapelten sich die gefüllten Säcke. Die Menge war kaum zu fassen.

Kleine Aktionen, echte Wirkung

Was Rachel und Jun zeigen, gilt nicht nur für Japan. Wer selbst eine Aufräumaktion organisieren will, braucht wenig: eine Idee, ein paar Mitstreiter, und einen Anruf bei der Stadt. Viele Kommunen stellen kostenlos Säcke, Greifzangen und Handschuhe zur Verfügung – und holen den gesammelten Müll anschließend ab. Oft reicht ein Facebook-Post oder eine WhatsApp-Gruppe, um genug Menschen zu mobilisieren.

Das Ruhrcleanup etwa – eine seit 2020 etablierte, flussübergreifende Großinitiative entlang der gesamten Ruhr, getragen von einem breiten Bündnis aus Vereinen, Kommunen und Verbänden – zeigt, wie aus lokalen Einzelaktionen eine dauerhafte Bewegung werden kann. Der Anfang war auch dort klein (Ruhrcleanup 2024).

Manchmal braucht es nur jemanden, der anfängt.


Wusstest du? Laut Schätzungen des NABU landen jährlich rund 20.000 Tonnen Plastikmüll allein in deutschen Gewässern – Flüsse, Seen, Küsten. Ein erheblicher Teil davon stammt nicht aus direktem Einwurf, sondern wird über Regenwasser und Kanalisation aus Städten eingetragen.


Rachel und Juns Kanäle drehen sich eigentlich um Katzen, japanische Küche und das Leben in Japan – aber dieser Ausflug in den Umweltschutz hat gezeigt, dass Reichweite dann am stärksten ist, wenn sie für etwas eingesetzt wird, das über den eigenen Kanal hinausgeht.

Alle Infos zur #trashtag-Challenge und zu laufenden Cleanup-Aktionen in Deutschland unter trashhero.org und ruhrcleanup.de.


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Quellen

Rachel and Jun 2019. „Beach Cleanup in Japan – #trashtag challenge“. [online] Verfügbar unter: https://www.youtube.com/watch?v=_blNCMhRFtA

Ruhrcleanup 2024. „Über das Ruhrcleanup“. [online] Verfügbar unter: https://www.ruhrcleanup.de/

NABU 2023. „Plastikmüll in deutschen Gewässern“. [online] Verfügbar unter: https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/meere/verschmutzung/

Trash Hero World 2024. „Our Mission“. [online] Verfügbar unter: https://www.trashhero.org/