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Strom von nebenan: Wie 500.000 Menschen die Energiewende selbst in die Hand nehmen

(Berlin/Deutschland) 3,6 Milliarden Euro investiert, 8 Terawattstunden sauberer Strom pro Jahr, 2.500 Gemeinschaften deutschlandweit – und das alles ohne RWE, E.ON oder EnBW. Das Bündnis Bürgerenergie zeigt, was passiert, wenn Menschen aufhören zu warten und anfangen, ihre eigene Infrastruktur zu bauen.


Wer heute Strom kauft, kauft meist von jemandem, den er nie getroffen hat, für einen Preis, den er nicht mitbestimmt hat, aus Quellen, die er nicht kennt. Das war lange die einzige Option. Es ist nicht mehr die einzige Option.

Das Bündnis Bürgerenergie e.V. (BBEn), 2014 in Berlin gegründet, ist die organisierte Antwort auf dieses Machtgefüge. Rund 2.500 Bürgerenergiegemeinschaften hat das Bündnis heute unter seinem Dach – Genossenschaften, Vereine, Initiativen, die Windräder auf Feldern, Solarzellen auf Schuldächern und Biogasanlagen in Dörfern betreiben. Über 500.000 Menschen sind beteiligt. Nicht als Konsumenten – als Produzenten.

Hydropower ist sehr kosteneffektiv. Bild Barnabas
Hydropower ist sehr kosteneffektiv. Bild Barnabas

Beteiligung schafft Akzeptanz

Sebastian Kupfer, Mitgründer der Bürgerenergiegenossenschaft Helmetal in Thüringen, bringt den sozialen Kern des Modells auf den Punkt: „Beteiligung schafft Akzeptanz. Wer am Windrad im eigenen Dorf mitverdient oder seinen Strompreis selbst gestaltet, sieht in der Energiewende keine Last, sondern eine Chance.“

Das ist mehr als ein schöner Satz. Es ist die Erklärung für ein Phänomen, das Politikerinnen und Energiekonzerne lange unterschätzt haben: Wenn Menschen Teil einer Lösung sind, verteidigen sie sie. Ein Windrad, an dem die Nachbarn Anteile halten, wird nicht bekämpft – es wird geschützt.

Das Bündnis ist dabei kein idealistischer Debattierclub. Es ist ein politischer Interessenvertreter in Berlin, der im Februar 2026 massiv gegen einen EEG-Novellen-Entwurf intervenierte, der die Wirtschaftlichkeit von Dach-Photovoltaik zu ersticken drohte. Bürgerenergie bedeutet hier: organisierte Gegenmacht.

Wusstest du? In Deutschland gibt es heute mehr Bürgerenergiegemeinschaften als Filialen der fünf größten Energiekonzerne zusammen. Was einst als Nischenphänomen galt, ist längst ein systemrelevanter Faktor in der deutschen Stromversorgung.

Energy Sharing: Der nächste Schritt

Während die Politik noch über Leitungswege streitet, baut das BBEn im Projekt CommunitE-Innovation bereits an der Zukunft. Das Konzept: Strom, der auf dem Schuldach erzeugt wird, soll direkt und unbürokratisch an Haushalte im selben Viertel verteilt werden – ohne den Umweg über teure Strombörsen. Finanziert vom Bundesforschungsministerium, erprobt in der Praxis.

Energy Sharing ist keine Utopie. Es ist das logische Ende einer Entwicklung, die begann, als die erste Solarzelle auf einem deutschen Privatdach installiert wurde: Energie wird lokal erzeugt, lokal genutzt, lokal verwaltet.

Ein Transparenzhinweis ist dabei angebracht: Das BBEn agiert nicht im luftleeren Raum. Ein Teil der Förderung stammt von der Software AG Stiftung, und viele lokale Genossenschaften kooperieren mit Volksbanken, die das „grüne Portfolio“ nutzen, während sie gleichzeitig konventionelle Industrien finanzieren. Echte Bürgerenergie braucht Wachsamkeit gegenüber Konzernen, die das Label „Bürgerbeteiligung“ als PR-Mantel nutzen wollen.

Das ändert nichts an der Grundrichtung. 500.000 Menschen, die ihre eigene Energie produzieren – dieses Rad lässt sich nicht mehr zurückdrehen.

Quellen

Bündnis Bürgerenergie e.V. o.J. „Bündnis Bürgerenergie“. [online] Verfügbar unter: https://www.buendnis-buergerenergie.de/

Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz o.J. „Bürgerenergie“. [online] Verfügbar unter: https://www.energiewechsel.de/KAENEF/Redaktion/DE/Standardartikel/buergerenergie.html

Gute Genossenschaft o.J. „Kostenlose Webinare: Grundlagen & Vorteile der Genossenschaften“. [online] Verfügbar unter: https://gutegenossenschaft.de/seminare/

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