So gründest du ein Mentoring-Netzwerk für junge Menschen in deiner Stadt
Du kennst jemanden, der den richtigen Menschen zur richtigen Zeit gebraucht hätte – und ihn nicht gefunden hat. Vielleicht bist du selbst dieser Mensch. Ein Mentoring-Netzwerk muss kein großes Unternehmen sein. Es fängt mit einer Person an, die sagt: Ich helfe dir, weil mir einmal jemand geholfen hat – oder weil mir niemand geholfen hat und ich weiß, wie das ist.
Kennst du schon unseren Artikel „Vom Hartz-IV-Kind zur Unternehmensberaterin: Wie Natalya Nepomnyashcha mit dem Netzwerk Chancen jungen Menschen den Weg ebnet“? Dort erfährst du, wie eine Frau mit 3.000 Euro im Jahr und zehn Ehrenamtlichen ein Netzwerk aufgebaut hat, das heute 1.500 junge Menschen begleitet.
Was du brauchst
- Eine eigene Erfahrung, die du weitergeben willst – beruflich, persönlich oder beides
- Bereitschaft, regelmässig Zeit zu investieren – auch wenn es anfangs nur zwei Stunden pro Monat sind
- Kontakte zu Schulen, Berufsschulen, Jugendeinrichtungen oder Sozialdiensten, die dir Zugang zu jungen Menschen ermöglichen
- Optional: ein kleines Team aus zwei bis drei Gleichgesinnten
- Kein Startkapital nötig – das Netzwerk Chancen begann mit ehrenamtlichem Engagement und rund 3.000 Euro jährlich (Tagesspiegel 2021)
Los geht’s
Schritt 1: Definiere deine Zielgruppe – konkret Nicht „Jugendliche allgemein“, sondern: Junge Menschen ohne akademisches Elternhaus, die gerade die Schule beenden. Oder Berufsschülerinnen und -schüler mit Migrationshintergrund. Oder junge Erwachsene nach einer Ausbildung, die nicht wissen, wie es weitergehen soll. Je klarer die Zielgruppe, desto gezielter die Unterstützung – und desto leichter ist es, die richtigen Partner zu finden.
Schritt 2: Finde deine ersten Mentees – über bestehende Strukturen Du musst nicht bei null anfangen. Schule, Berufsschule, Jugendzentrum, Arbeitsagentur, Sozialeinrichtungen – all das sind Zugänge zu jungen Menschen, die Unterstützung suchen. Stell dich vor, erkläre dein Angebot in einem Satz und frag, ob du einen Informationsabend anbieten kannst.
Schritt 3: Starte mit einem einfachen Format Ein monatliches Gespräch, eine kleine Gruppe, ein konkretes Thema: Wie funktioniert eine Bewerbung? Welche Berufe gibt es, von denen niemand erzählt hat? Was ist ein Netzwerk und wie baut man es auf? Das Netzwerk Chancen setzt auf Coaching, Mentoring und direkte Arbeitgeberkontakte – aber alles begann mit menschlicher Begleitung, nicht mit Programmen. (Netzwerk Chancen o. J.)
Schritt 4: Gewinne weitere Mentorinnen und Mentoren Ein Netzwerk lebt von seinen Menschen. Wende dich an Kolleginnen und Kollegen, an frühere Kommilitoninnen und Kommilitonen, an Menschen in deinem Berufsumfeld, die Lust haben, etwas zurückzugeben. Das Netzwerk Chancen arbeitete jahrelang mit über dreißig Ehrenamtlichen. (Netzwerk Chancen o. J.) Was sie verbindet: nicht ein Studienabschluss, sondern die Bereitschaft zuzuhören.
Schritt 5: Verbinde mit Unternehmen Viele Unternehmen suchen nach Wegen, Diversität ernstzunehmen – nicht auf dem Papier, sondern in der Praxis. Sprich Personalabteilungen direkt an, biete konkrete Kooperationsformate an: ein Schnuppertag, ein Praktikum, ein Gesprächsabend mit Mitarbeitenden als Vorbilder. Was für junge Menschen eine Tür öffnet, ist für Unternehmen oft eine Bereicherung.
Schritt 6: Beantrage Förderung – aber warte nicht darauf Stiftungen wie die Joachim Herz Stiftung oder die Stiftung Bildung.Werte.Leben fördern explizit Projekte mit Bildungs- und Chancengleichheitsansatz. (Netzwerk Chancen o. J.) Beantrage Förderung, sobald du erste Ergebnisse vorweisen kannst – kleine Projekte überzeugen mit Geschichten, nicht mit Konzepten. Fang aber nicht erst an, wenn die Förderung da ist.
Wusstest du? Das Netzwerk Chancen wurde gegründet, ohne Startkapital vorauszusetzen. Natalya Nepomnyashcha finanzierte die ersten Jahre aus eigener Tasche – rund 3.000 Euro jährlich. Wer auf die perfekten Bedingungen wartet, fängt oft nie an. (Tagesspiegel 2021)
Was du lernen wirst
Du wirst verstehen, dass Chancengleichheit kein politisches Schlagwort ist – sondern etwas, das konkret im Leben einzelner Menschen entsteht oder ausbleibt. Du wirst lernen, zuzuhören, bevor du Ratschläge gibst. Du wirst erleben, wie viel ein einziges gutes Gespräch verändern kann. Und du wirst merken: Wer jungen Menschen zeigt, dass der Weg möglich ist, verändert nicht nur deren Leben – sondern auch das eigene.
Weiter gedacht
- Informiere dich über das Netzwerk Chancen als mögliches Partnermodell oder zur Vernetzung: netzwerk-chancen.de
- Schau dir an, welche Mentoring-Programme es in deiner Stadt bereits gibt – oft fehlen nicht Ideen, sondern Menschen, die mitmachen
- Bring das Thema in dein Unternehmen: Soziales Engagement beginnt nicht erst mit Spenden, sondern mit Zeit und Kontakten
- Lies den Bericht der Welt über britische Unternehmen, die sozial benachteiligte Bewerberinnen und Bewerber aktiv bevorzugen – als Anregung für einen anderen Blick auf Recruiting (Mack 2021)
Es gibt viele Wege, diese Idee umzusetzen. Die Anregungen oben sollen nur eine Inspiration sein – wichtig ist, dass du deinen persönlichen Weg findest. Oft verliert man sich, wenn man sich zu streng an den Anleitungen anderer orientiert. Folge deinem Herzen – es weiß immer, wo der richtige Weg ist.
Planst du etwas Ähnliches oder hast du ein solches Projekt erfolgreich umgesetzt? Schreib uns unten in die Kommentare – davon können andere lernen und mitmachen.
Wichtiger Hinweis: Alle Ideen sind Inspirationen, keine geprüften Anleitungen. Du handelst in eigener Verantwortung. Bei baulichen, technischen oder rechtlichen Fragen hole bitte fachkundigen Rat ein. Bei Projekten mit Kindern ist besondere Sorgfalt geboten. Bist du noch jung? Dann sprich vorher mit deinen Eltern. Wir übernehmen keine Haftung für Schäden, Verletzungen oder Rechtsfolgen, die durch die Nutzung dieser Ideen entstehen.
Quellen
Haimerl K. 2021. „Natalya Nepomnyashcha – Vom Hartz IV Kind zur Unternehmensberaterin“. [online] Verfügbar unter: https://halbekatoffl.de/natalya-nepomnyashcha-ukraine/
Mack J. 2021. „Zuerst sozial Schwache einstellen: Was Deutschland von Großbritannien lernen kann“. Die Welt. [online] Verfügbar unter: https://www.welt.de/wirtschaft/article235913650/Zuerst-sozial-Schwache-einstellen-Was-Deutschland-von-Grossbritannien-lernen-kann.html
Netzwerk Chancen o. J. „Netzwerk Chancen“. [online] Verfügbar unter: https://www.netzwerk-chancen.de/
Tagesspiegel 2021. „Netzwerk für den Aufstieg“. [online] Verfügbar unter: https://www.tagesspiegel.de/zeitung/diversity-tag-2021-netzwerk-fuer-den-aufstieg/27198016.html
Weiterführende Links
- netzwerk-chancen.de – Informationen, Anmeldung und Kontakt
- joachim-herz-stiftung.de – Förderungen für Bildungs- und Chancenprojekte
- aufruhr-magazin.de – Hintergrundinterview mit Natalya Nepomnyashcha
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